Großeinsatz wegen Fliegerbombe

Diese beiden meisterten die Geretsrieder Bombe

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Bereit zum Abtransport: Die beiden Sprengmeister Martin Radons (li.) und Michael Weiß entschärften den Blindgänger am Freitagabend.

Ein Baggerfahrer hat bei Bauarbeiten in Geretsried am Freitagmorgen eine Fliegerbombe ausgegraben. Rund 1000 Anwohner mussten in Sicherheit gebracht werden. Wir sprachen mit den Sprengmeistern.

Geretsried – Gegen 8.50 Uhr stieß ein Baggerfahrer auf einem Privatgrundstück an der Böhmerwaldstraße auf die 70 Kilogramm schwere Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg. Umgehend rückten Polizei und Feuerwehr an, um den Fundort abzusperren. Gegen 11.15 Uhr traf der Kampfmittelräumdienst ein und untersuchte den Blindgänger, der mit 37 Kilogramm Sprengstoff gefüllt war.

In einem Radius von 300 Metern um die Baustelle mussten die Anwohner ihre Häuser verlassen. Auch zwei Kindergärten und ein Pflegeheim wurden evakuiert. Zuflucht fanden Betroffene in der Mittelschul-Turnhalle an der Adalbert-Stifter-Straße. Dort hatten die Stadt und das Rote Kreuz einen Sammelpunkt eingerichtet.

In unserem Ticker können Sie die Ereignisse nach dem Fund der Bombe bis zur Entschärfung nachlesen.

Zuerst trafen dort die Mädchen und Buben der beiden Kindergärten am Johannisplatz ein, später auch zirka 50 überwiegend ältere Anwohner. Die Geretsrieder gingen gelassen mit der Situation um. „Damit muss man in Geretsried rechnen“, sagte Erna Frey, die am Prießnitzweg wohnt. Die 49-Jährige hatte am Freitag Geburtstag und wollte gerade den Kuchen anschneiden, als es an der Tür klingelte. Günter Hallmeyer erfuhr von einer Nachbarin, dass er seine Wohnung verlassen soll. „Da ist ja nicht das erste Mal, das so etwas passiert“, sagte der 72-Jährige. Therese Stiastny hatte sogar selbst schon einmal eine Bombe im Garten. „Das war im Jahr 2002, als bei uns Kanalrohre verlegt wurden“, erinnerte sich sie Geretsriederin. „Das war vielleicht ein Schreck damals.“ Der achtjährige Santiago wollte zuerst gar nicht glauben, dass man eine Bombe gefunden hatte. „Als sie Straße durchgesagt haben, hatte ich total schiss“, sagte der Sohn von Bruno Mitz. Die Familie wohnt dort.

Es dauerte bis in den Abend hinein, bis alle Anwohner ihre Häuser verlassen hatten. Zum Teil mussten bettlägerige Personen in Sicherheit gebracht werden. Außerdem wurde am späten Nachmittag zusätzlich der Baugenossenschaftsblock an der Egerlandstraße geräumt, ansässige Geschäfte schlossen früher. Das führte zu Verzögerungen. Die Einsatzkräfte des BRK versorgten die Evakuierten mit kalten Getränken, Kaffee, Schupfnudeln und Wurstsemmeln. Erna Frey: „Sie kümmern sich wirklich sehr um uns.“

Gegen 18.45 Uhr war das gesperrte Gebiet komplett geräumt. Endlich konnten die beiden Sprengmeister Martin Radons und Michael Weiß mit ihrer gefährlichen Arbeit beginnen. Eine knappe halbe Stunde war die Fliegerbombe entschärft. „Wir haben die Zündkette unterbrochen und den Zünder entfernt“, berichtete Radons. Das Weltkriegs-Relikt sei eine Bombe „mittlerer Größe“ gewesen, sagte der Fachmann. Gegen 20 Uhr hob die Polizei die Straßensperrungen, die den ganzen Tag über zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt hatten, wieder auf.

Vize-Bürgermeister Hans Hopfner dankte den Sprengmeistern für ihren Einsatz. „Wir sind erleichtert.“ Auch den übrigen Einsatzkräften sprach er seinen Dank aus. „Alles ist reibungslos über die Bühne gegangen, alle haben erstklassige Arbeit geleistet.“

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Doris Schmid

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