Frau fährt in überflutete Unterführung

Diese Männer zogen eine Allingerin aus ihrem Auto

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Gilching - 1,60 Meter hoch steht das Wasser in der Unterführung bei Gilching. Eine Frau aus Alling will trotzdem durchfahren – und ertrinkt fast. Drei Passanten retten ihr und ihrem Hund in letzter Sekunde das Leben – angeführt von Frank Wiglinghaus aus Schöngeising.

In der Unterführung der Römerstraße auf dem Weg nach Gut Hüll (Kreis Starnberg) ist bereits am Montag eine 51-Jährige aus Alling mit ihrem Toyota versunken. Sie konnte sich mit knapper Mühe selbst retten. Wolfgang Reiser aus Gilching hat davon in der Zeitung gelesen. Am Dienstagvormittag schwingt sich der 67-Jährige aufs Rad und fährt zur Unterführung. Er will sich die Bescherung anschauen.

Als er vor Ort ankommt, steht der blaue Wagen einer Tierärztin vor der Wasserfläche. Vom silbernen Toyota ist nichteinmal das Dach zu sehen. Dafür aber ein Polo. Samt Fahrerin schwimmt er in der braunen Brühe. Den Kontakt zum Boden haben die Reifen längst verloren.

In Schockstarre stehen die beiden Gilchinger da und beobachten, was passiert. Da nähert sich Frank Wiglinghaus. Der Servicetechniker ist mit seinem weißen Kombi auf dem Weg zum nächsten Auftrag. Er erfasst die Situation sofort. „Von meinen Einsätzen bin ich solche Situationen gewöhnt und kann mental damit umgehen.“ Jetzt waten die Drei ins Wasser. Lange hätten sie auch nicht mehr warten dürfen.

Die 63-jährige Allingerin hatte zunächst versucht, sich selbst zu befreien. Sie öffnete die Fahrertür. Nach einigen Zentimetern wurde der Wasserwiderstand aber zu groß. Frauchen und Mischling Pequina müssen nun hilflos zusehen, wie das Wasser durch den Spalt dringt und ihr schwimmendes Gefängnis in Windeseile flutet. „Ohne fremde Hilfe wäre die Frau verloren gewesen“, ist sich Germerings Polizeisprecher Andreas Ruch sicher.“

Als die Retter beim Auto an ankommen, neigt sich die Motorhaube schon gefährlich nach unten. „Bis zur Brust sind wir im Wasser gestanden“, berichtet Wolfgang Reiser. Auch die Helfer haben keine Chance, die Tür ganz zu öffnen. Da schlägt Frank Wiglinghaus die Seitenscheibe ein. Er verletzt sich. Die Schnittwunden muss er später in der Brucker Kreisklinik nähen lassen. „Aber daran denkt man ja nicht, wenn’s um Menschenleben geht“, sagt der 49-Jährige.

Endlich können die Lebensretter die Allingerin aus dem Polo ziehen. Die Frau ist völlig aufgelöst. Als die Männer sie ins Trockene führen, will sie immer wieder zurück ins Auto – ihren Hund holen. Doch Reiser und Wiglingaus bleiben hart: Die völlig unterkühlte 63-Jährige muss in Sicherheit gebracht werden. Bis Sanitäter und Feuerwehr vor Ort sind, wird sie in eine Notfalldecke gewickelt.

Um Pequina kümmert sich die Tierärztin. Der Hund wird in einer Veterinärpraxis versorgt, während sein Frauchen ins Krankenhaus muss. Auch die völlig durchnässten Lebensretter werden trocken gelegt. „Ich hab so einen weißen Anzug und eine rote Jacke bekommen“ erzählt Wolfgang Reiser. Die Gilchinger Feuerwehr und Taucher der DLRG bergen mit einer Seilwinde beide abgesoffenen Autos aus dem Unterführungssee.

Währenddessen erholt sich Wiglinghaus im Grafrather Lokal Dampfschiff. „Meine Frau hat mich zur Belohnung nach der Aktion eingeladen.“ Wolfgang Reiser geht am Nachmittag wie geplant zum Friseur. Was ihn immer noch wundert: Als er zur Unterführung kam, stand dort keine Sperrbarke. Nur ein Schild verbot die Durchfahrt.

sk

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