Dieser Altenpfleger zockte altes Ehepaar ab

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Dirk E. (40) auf der Anklagebank: Er gestand alles.

München - Gemeine Abzocke eines 40-jährigen Altenpflegers. Wie Dirk E. genau an das Geld gekommen ist, konnte bisher nicht ausgemacht werden. Er kaufte sich einen Mercedes SLK und ein Grundstück in Thailand.

Ein Altenpfleger, der plötzlich mit einem teuren Mercedes SLK um den Tegernsee rauscht, fällt auf. Dabei hatte Dirk E. (40) wegen hoher Schulden kurz zuvor die Eidesstattliche Versicherung abgelegt. Woher kam der plötzliche Reichtum trotz Offenbarungseid? Die Anwort gab er am Dienstag vor dem Landgericht München II: Von einem betagten Ehepaar aus Gmund hat er mindestens 200 000 Euro unterschlagen!

Über den Diakonieverein im Tegernseer Tal war Dirk E. im Frühjahr 2008 an das Ehepaar Gertraud und Friedrich S. (beide Jahrgang 1920) als Pfleger vermittelt worden. Friedrich S., der ein Vermögen mit Werbeartikeln gemacht hatte, war seit einem schweren Sturz im Dezember 2007 nicht mehr gehfähig und auf Pflege angewiesen. Auch seiner Frau, die früher in der Gastronomie gearbeitet hatte, ging es wegen fortschreitender Demenz nicht mehr gut.

Dirk E. bekam wohl schnell mit, dass Gertraud S. im Haus viel Bargeld – vermutlich um die 250 000 Euro – versteckt hatte. Dieses Geld hat er laut Anklage an sich gebracht. Wobei es die Staatsanwaltschaft offen ließ, ob durch Diebstahl, Betrug oder Unterschlagung. Das Verschwinden des Geldes fiel einem Sohn der Eheleute nach dem Tod des Vaters im Dezember 2009 auf. „Ich hatte meine Mutter beschworen, das Geld zur Bank zu bringen“, berichtete Michael S. (54) am Dienstag als Zeuge vor Gericht. Doch sie habe sich von ihm nichts sagen lassen. „Eine Diskussion mit meinen Eltern war nie möglich“, sagte er resigniert. Dabei habe seine Mutter ihm immer wieder erzählt: „Der Dirk will immer Geld.“

Über den Pfleger hat der Sohn keine hohe Meinung: „Er hat es verstanden, meinen Eltern Honig ums Maul zu schmieren.“ Bei den Ermittlungen gegen den Pfleger fiel dessen plötzlicher Wohlstand auf. Neben dem teuren Mercedes konnte die Staatsanwaltschaft ein Grundstück am Strand in Thailand sicherstellen, auf dem Dirk E. eine Tauchschule gegründet hatte. Im Oktober 2010 wurde er verhaftet.

Über seinen Anwalt Andreas Schwarzer legte der Angeklagte ein Geständnis ab, wobei er sich für die ihn günstigste Tatvariante der Unterschlagung entschied. Das Gericht stellte ihm im Gegenzug eine Strafe nicht über zwei Jahren (auf Bewährung) in Aussicht.

Eberhard Unfried

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