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„Nachfrage so groß wie nie“: Dietramszeller Eiererzeuger setzt auf regionales Soja als Hühner-Futtermittel

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Von: Doris Schmid

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Soja in den Händen: Adriane Schua von der Solidargemeinschaft Oberland und Eiererzeuger Michael Häsch.
Soja in den Händen: Adriane Schua von der Solidargemeinschaft Oberland und Eiererzeuger Michael Häsch. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Michael Häsch weiß, wo das Futter für seine 14.000 Legehennen herkommt. Er mahlt und mischt alles selbst. Und seine Tiere bekommen bayerisches Soja.

Dietramszell – 1998 begannen Pioniere aus dem Unser-Land-Netzwerk mit regionalem Soja-Anbau. Damals sei man noch belächelt worden, sagt Adriane Schua, Vorsitzende der Solidargemeinschaft Oberland. „Jetzt ist die Nachfrage nach bayerischem Soja so groß wie nie.“ Zum einen finde ein Umdenken statt. Zum anderen habe die aktuelle Weltsituation den Prozess beschleunigt. Der Dietramszeller Landwirt Michael Häsch setzt schon lange auf regionales Soja. Und seit drei Jahren mahlt und mischt er das Futter für seine aktuell 14.000 Legehennen sogar selbst.

Dietramszell: Soja kommt aus der Nähe von Augsburg

Der Eiererzeuger hat in seiner Lagerhalle am Ortsrand riesengroße Silos stehen. Gerade ist ein Lastwagen der Futtermühle Asam aus der Nähe von Augsburg vorgefahren, lautstark wird das Soja in ein Silo eingeblasen. Das Futter für die Hühner und ihre Hähne setzt sich aus Soja, Mais, Weizen, Dinkel, Ackerbohne, Hafer und Sonnenblumenkuchen (fällt bei der Herstellung von Sonnenblumenöl an) zusammen. Für die Eierschale werde Kalzium zugesetzt, erklärt Häsch. Verwendet werde ausschließlich gentechnikfreies Getreide aus der Region aus einem Umkreis von 20 Kilometern. Lediglich das Soja lege mit etwa 100 Kilometern einen weiteren Transportweg zurück.

Dietramszell: Früher war das Futter für alle Hennen gleich

Früher haben alle Hennen das gleiche Futter bekommen, blickt der Landwirt zurück. „Die Junghenne braucht aber wesentlich mehr Eiweiß und Energie“, sagt er. Eine alte Henne hingegen benötige ein weniger energiereiches Futter und dafür mehr Kalzium. Deshalb gibt es auf dem Bertenbauernhof vier Futtermischungen für die Tiere, abgestimmt auf das Alter.

Hier geht’s rein: Über Hühnerleitern gelangen die Hennen von der Freifläche in den mobilen Stall.
Hier geht’s rein: Über Hühnerleitern gelangen die Hennen von der Freifläche in den mobilen Stall. © Sabine Hermsdorf-Hiss

Als Häsch das Futter noch als Fertigmischung über eine Mühle bezog, sei das darin verwendete Soja auf dem Weltmarkt zugekauft worden. „Das haben wir nicht in der Hand gehabt, ob das aus Brasilien, Argentinien, Nordamerika kam“, sagt der Vize-Vorsitzende des Landesverbands der Bayerischen Geflügelwirtschaft. „Jetzt haben wir die komplette Kontrolle.“ Und das heimische Eiweißfutter wirke sich auch auf die Qualität der Eier aus. Da habe man einen gewaltigen Sprung nach vorne gemacht. Die Kostenersparnis sei ein Nebeneffekt. Häsch: „Wir produzieren billiger.“ Der Hühnermist wird übrigens in eine Biogasanlage in der Nachbarschaft geliefert. Erzeugt wird daraus erneuerbare Energie. Die Gär-Reste werden als Dünger auf umliegende Ackerflächen ausgebracht, auf denen wiederum das Futtermittel für die Legehennen erzeugt wird. Regionale Kreisläufe zu schließen, sei für „Unser Land“ seit jeher ein zentrales Thema, ergänzt Schua.

Dietramszell: Hof wird in der achten Generation bewirtschaftet

Den Bertenbauernhof in Dietramszell gibt es seit 1798, von der Familie Häsch wird er in der achten Generation bewirtschaftet. „Die moderne Hühnerhaltung ist mit früheren Zeiten nicht zu vergleichen“, sagt der Dietramszeller. „Nicht nur, dass die Tiere mehr Licht und Luft in den Ställen haben und generell mehr Wert auf Sauberkeit gelegt wird.“ Jetzt sei auch das Futter ideal auf die Tiere abgestimmt. Herausforderungen gebe es immer wieder, sagt Häsch. „Aber unsere Vision vom bayerischen Soja, die wir vor 24 Jahren hatten, haben wir erreicht.“ Mittlerweile würden alle Hühner der Erzeugermeinschaft „Unser Land“ ausschließlich mit heimischem Soja gefüttert.

Dietramszell: Führung im Rahmen des Klimafrühlings Oberland

Am Freitag, 20. Mai, findet von 15 bis 17 Uhr im Rahmen des Klimafrühlings im Oberland eine Führung auf dem Bertenbauernhof statt. Treffpunkt ist der Hofladen an der Münchner Straße 43 in Dietramszell. (nej)

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