Rat distanziert sich nicht

Wirbel um Hitler als Ehrenbürger

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Relikt aus braunen Zeiten: Adolf Hitler ist Ehrenbürger in Dietramszell. Der Gemeinderat lehnte es nun ab, sich davon zu distanzieren.

Dietramszell - Der Dietramszeller Gemeinderat hat es in der Sitzung am Dienstag abgelehnt, sich von der Ehrenbürgerschaft für Adolf Hitler und andere Nazi-Größen zu distanzieren.

Der Antrag von Bürgermeisterin Leni Gröbmaier lautete, sich von sämtlichen Ehrenbürgerschaften für Politiker des Dritten Reiches zu distanzieren. Hintergrund war die Tatsache, dass Archivarin Agnes Wagner kürzlich auf ein Protokoll gestoßen war, das belegte, dass Adolf Hitler im März 1933 zum Ehrenbürger ernannt worden war.

Ähnlich war vor wenigen Tagen die Gemeinde Münsing verfahren. Dort distanzierte sich der Gemeinderat einstimmig und ohne Diskussion von der Ehrenbürgerschaft von einstigen Nazi-Größen, etwa Adolf Hitler. Mit dieser Geste, so der Münsinger und auch der Dietramszeller Beschluss, sollte ein Zeichen der Mahnung gesetzt werden. Außerdem sollte so verhindert werden, dass die gegenwärtigen Ehrenbürger mit den Kriegsverbrechern von einst in eine Reihe gestellt werden.

Dazu konnte und wollte sich der Dietramszeller Gemeinderat nicht durchringen. „Das wäre ja Geschichtsverfälschung, die ganze Debatte ist doch lachhaft“, sagte Traudi Fröstl. „Wir hätten damals doch nicht anders abgestimmt.“ Dem schloss sich Josef Hauser an: „Die Ehrenbürgerschaft erlischt doch mit dem Tod, das ist doch alles schon lange vorbei.“ Und Ingrid Grimm fragte: „Kann man sich nicht von lebenden Politikern distanzieren, das wäre viel gescheiter“, sagte sie. Leni Gröbmaier versuchte zu retten, was zu retten war. „Es geht nicht darum, die Leute von damals zu verurteilen“, sagte sie. Vielleicht würden künftige Generationen auch über die jetzige Generation kritisch denken, weil etwa die Energiewende nicht gelingt. „Das ist dann auch deren gutes Recht.“

Doch dieses Argument überzeugte nicht. Die Abstimmung endete mit 8:8 Stimmen, es fand sich keine Mehrheit. „Na dann eben nicht“, sagte Leni Gröbmaier mit einem Schulterzucken.

Volker Ufertinger

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