Eklat am Pullacher Gymnasium

"Alkohol eingeflößt": Darum gibt's keine Abifeier

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Abistreich wirft Schatten: Die Pullacher Abiturienten bekommen keinen Festakt.

Pullach - Die Direktorin bleibt hart: Für die 87 Abiturienten des Otfried-Preußler-Gymnasiums wird es keinen Festakt geben – ihre Zeugnisse können sie sich im Sekretariat abholen. In einem Brief findet sich eine Liste der Vergehen.

Die Liste der Vergehen, die Schulleiterin Renate Einzel-Bergmann ihren Abiturienten anlastet, ist lang. Sie sieht ihr Vertrauen missbraucht: Beim Abistreich am Dienstag hätten Abiturienten Schüler wie Lehrer gegen deren Willen mit Wasser und Bier bespritzt und jüngeren Schülern „zwangsweise“ Alkohol eingeflößt, heißt es in einem Brief an die Schüler vom Donnerstag, der dem Münchner Merkur vorliegt. Die Abiturienten hätten die Zufahrt zum Parkplatz mit ihren Autos blockiert, einen Schüler mit einer Wasserbombe verletzt, einen anderen, indem sie ihm mit einer Wasserpistole direkt ins Ohr spritzten. Die Schulleiterin hat die Abifeier gestrichen.

Die Schüler bestreiten die Vorwürfe. „Die Lehrer standen dabei, waren teilweise sogar an den Spielen beteiligt. So schlimm kann es also nicht gewesen sein“, sagt Abiturientin Stephanie Plenk (18). Als die jüngeren Schüler nach Hause gegangen waren, hätten Abiturienten und Lehrer gut gelaunt zusammen gegrillt, erzählt sie. Die Wahrheit mag irgendwo in der Mitte liegen.

Fest steht: Der Konflikt ist eskaliert. Auf merkur-online.de streiten Schüler und Lehrer heftig. „Ich bin schockiert, was uns die Lehrer an den Kopf werfen“, sagt Stephanie Plenk. Die Frage, welche Rolle die Umbenennung der Schule von Gymnasium Pullach in Otfried-Preußler-Gymnasium dabei spielt, ist längst in den Hintergrund geraten.

Die Abiturienten, beteuert Stephanie Plenk, hätten die Lehrer wirklich gerne bei der Zeugnisvergabe dabei. Sie hätten deshalb in einer Rundmail zur Ersatzveranstaltung ins Bürgerhaus eingeladen, die Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) kurzfristig ermöglicht hatte. „Einer hat zurückgeschrieben. ,Nein Danke, sicher nicht.’ Es trifft mich, dass Lehrer, mit denen wir zwei Jahre gut auskamen, uns plötzlich beschimpfen.“

Auch ein Mitschüler, der seinen Namen nicht genannt wissen möchte, bedauert, wie sehr der Konflikt ausgeartet ist: „Acht Jahre an der Schule – und ein Ereignis macht alles kaputt.“ Letzte Gelegenheit für ein versöhnliches Ende bietet die für heute Vormittag geplante Messe in der Dreifaltigkeitskirche in Großhesselohe. Diesen Termin hat die Schulleitung aufrechterhalten – und die Mehrzahl der Abiturienten hat offenbar vor, zu kommen. Stephanie Plenk sagt: „Wir gehen trotz allem zum Gottesdienst. Das gehört einfach dazu.“

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mcf

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