Dispo-Zinsen: So zocken die Banken ab

München - Ein Konto bei der Bank hat fast jeder – und fast jeder ist auch schon mal in die Miesen gerutscht. Im Dispo wird’s richtig teuer: Dann kassieren die Banken meist zweistellige Zinssätze ab – bis 15 Prozent!

 Verbraucherschützer halten das für „unverschämt“, Stiftung-Warentest-Experten sprechen in der neuen Ausgabe von Finanztest bei einigen Banken sogar von „Abzocke“. Jetzt fordert die Bayern-SPD Grenzen: „Ich halte es für notwendig, dass Dispo- und Überziehungszinsen gesetzlich gedeckelt werden“, sagt SPD-Fraktionschef Markus Rinderspacher. Ketten für die Banken! Das Problem treibt vielen Münchnern gerade in diesen Monaten die Farbe Rot ins Gesicht – und in die Kontoauszüge. Denn die Zinsen liegen auf einem historischen Tiefststand, die Banken selbst können sich so günstig wie nie Geld leihen, schrieben die Experten von Finanztest bereits in der Oktober-Ausgabe, als sie fast 1000 Banken unter die Lupe genommen hatten.

„Vieles spricht dafür, dass die Banken die Dispo-Zinsen kräftig senken könnten.“ Nichts da. Als die Finanz-Tester die Untersuchung für die März-Ausgabe mit 100 Geldinstituten wiederholten, hatten 13 sogar die Zinsen weiter angehoben! Rein rechtlich sei das in Ordnung, weil sich die Banken an ein neues Gesetz halten, nach dem sie ihre Dispo-Zinsen fest an eine Vorgabe etwa der Europäischen Zentralbank koppeln können.

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Eine Milliarde - wieviel ist das?

Rein finanziell verdienten die Institute allerdings mit der Not ihrer Kunden Millionen, denn jeder sechste Kontoinhaber steckt im Dispo. Und dann werden im Schnitt elf Prozent fällig – die meisten Münchner dürften sogar deutlich mehr zahlen, wie eine Tabelle von Finanztest und tz-Recherchen zeigen: So werden bei der Stadtsparkasse München neuerdings 12,82 Prozent Zinsen fällig. Man habe den Satz an den Kapitalmarktzins „3-Monats-Euribor“ gekoppelt, um Transparenz zu schaffen, heißt es. Der Wert stieg zuletzt.

Die Kreissparkasse München Starnberg verlangt 12,25 Prozent, die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling 12,75 Prozent, die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen 12,72 Prozent, die Kreis- und Stadtsparkasse Erding-Dorfen 11,24 Prozent, die Volks- und Raiffeisenbank Fürstenfeldbruck 12,9 Prozent und die Sparkasse Fürstenfeldbruck 12,5 Prozent. Die Münchner Bank konnte über mehrere Stunden keine Angaben machen, weil der zuständige Experte fehle. In der Oktober-Ausgabe von Finanztest ist die Bank noch mit 13,5 Prozent Dispo-Zins verzeichnet. Ab 13 Prozent spricht die Zeitschrift jetzt von „Abzockerbanken“.

Den SPD-Politiker Rinderspacher regt das Gebaren auf: „Eine Begrenzung der Zinssätze erscheint unumgänglich.“ Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) habe Maßnahmen schon mehrfach angekündigt – geschehen sei nichts. Darum will der SPD-Mann die Ministerin zur „Mitarbeiterin des Jahres des Bankenverbands“ küren. Immerhin: Das Ministerium bewertet das Problem ähnlich – und hat eine Analyse bis Ende des Jahres angekündigt.

DAC, CS, BEA

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