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Nach brutalen Schafsrissen: DNA-Analyse liefert überraschende Erkenntnis - Es war kein Wolf oder Bär

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Beschwerlicher Weg: Vom Gudiberg bis ins Gießenbachtal ging es für die Farchanter Schafe von Hans Hibler Anfang Juni. Nun müssen sie vorzeitig zurück ins Tal.
Haben Hunde die Farchanter Schafe von Hans Hibler gerissen? DNA-Analysen des Landesamtes für Umwelt deuten darauf hin. © Privat

Zunächst veröffentlichte das Landesamt für Umwelt die Ergebnisse ihrer DNA-Analyse. Demnach haben Hunde die Schafe vor einigen Wochen gerissen. Landrat Anton Speer verkündete nun Neuigkeiten.

Update vom 7. September: Es gibt eine Wende im Fall der Schafrisse im Juli und August im südlichen Landkreis. „In zwei Fällen ist die Beteiligung eines Wolfs nun eindeutig bestätigt“, betonte Landrat Anton Speer gestern Nachmittag gegenüber dem Tagblatt. Betroffen seien die Risse am 17. August im Gießenbachtal sowie am 21. August im Frieder-Gebiet. „Wir haben die Informationen noch während unserer Sitzung der Kontaktgruppe Große Beutegreifer erhalten.“

Nach Schafsrissen: DNA-Analyse zeigt - Nun doch Wolf beteiligt

Diese fand im Nachgang zur Veranstaltung in der Bayernhalle statt. Laut Speer stammt die Auskunft direkt vom Landesamt für Umwelt(LfU) in Augsburg, das bekanntlich mit der Analyse der DNS-Proben beauftragt ist. „Das sind erste Befunde, die schriftlichen Berichte kommen noch, aber der Wolf ist nachgewiesen.“ Die genauen Prüfberichte erwarten die Experten im LfU sowie Speer Ende dieser oder Anfang kommender Woche. „Mir war es aber wichtig, dass wir die Schafbauern sofort darüber informieren.“ Ursprünglich hatte es geheißen, ein Hund sei für die Schafrisse verantwortlich. Dieses Ergebnis wird jedoch auch nicht korrigiert.

Ursprünglicher Artikel 31. August:

Landkreis – Weder Bär, noch Wolf – ein Hund war es wohl, der am 12. August fünf Schafe zwischen Stepberg und Enning auf Garmisch-Partenkirchner und Farchanter Flur gerissen hat. Zu diesem Ergebnis ist das Landesamt für Umwelt (LfU) gekommen. Die Almwirte und Nutztierhalter sind skeptisch – und haben parallel eine zweite Untersuchung in einem anderen unabhängigen Labor veranlasst.

Nachdem bei der LfU in Augsburg die DNA-Proben untersucht wurden, steht mindestens ein Hund als Verursacher fest. „Dieses Ergebnis deckt sich mit der Bewertung des Rissbildes aus der Erstbewertung“, schreibt das Amt dem Tagblatt. Die betroffenen Nutztierhalter, Behörden, Interessensverbände und Vertreter der Nutztierhalter sind darüber bereits informiert worden.

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Auch die Analyse der Risse vom 5. Juli im gleichen Gebiet gaben bei der Auswertung einem Hund die Schuld an den verletzten und getöteten Nutztieren. Ob noch mehr Fälle dem domestizierten Haustier zugeordnet werden können, wird aktuell weiter ermittelt: „Die Ergebnisse der genetischen Untersuchungen weiterer Ereignisse liegen aber noch nicht vor“, heißt es aus Augsburg.

Bayern: Einige Nutztierhalter zweifeln an dem Ergebnis des LfU

Für die Nutztierhalter hat die Sache ein Gschmäckle. Hermann Ostler, Hirte der Weidegenossenschaft Garmisch, zweifelt an den Ergebnissen. Von der Stepbergalm, wo er auf seine Tiere aufpasst, sieht er auch die Schafherde von Ehrwald. Dort sind bekanntlich Mitte Juli 15 Schafe getötet worden, insgesamt sind 40 noch vermisst. „Dem Wolf sind Landesgrenzen egal“, sagt Ostler. Ihm zufolge könne es nicht sein, dass in Ehrwald der Wolf sein Unwesen treibt, und nur wenige Kilometer weiter soll ’s ein Hund gewesen sein.

Deshalb haben die Nutztierhalter parallel zu den Untersuchungen des Landesamtes für Umwelt ebenfalls Proben an ein unabhängiges externes Büro geschickt. Bis zum Eintreffen des Ergebnisses möchten die Almbauern keine voreiligen Schlüsse ziehen. „Bislang kann Bär und Luchs als Angreifer ausgeschlossen werden“, sagt Hans Hibler, Chef der Werdenfelser Bergschafzüchter aus Farchant, zu den vorläufigen DNA-Analysen. Also bleiben noch Hund, Wolf oder vielleicht sogar ein Hybrid. Doch möchte auch Hibler zuerst das endgültige Ergebnis der zweiten Analyse abwarten, ehe er eine Stellungnahme abgibt. Die Auswertung soll in den nächsten Tagen eintreffen.

DNA-Analyse: Nicht Wolf oder Bär, sondern ein Hund hat wohl die Farchanter Schafe gerissen

Doch für Hibler ist klar: Auch wenn es ein Hund war, der die Tiere gerissen hat: Die Problematik bleibt die gleiche. Der große Beutegreifer vermehrt sich im Alpenraum und wird zur zunehmenden Gefahr für die heimische Almwirtschaft. Mit Nachdruck hofft der Farchanter nun, dass am Mittwochabend, 31. August, viele den Weg in die Bayernhalle in Garmisch-Partenkirchen finden. Bekanntlich hält dort Marcel Züger, Biologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich, einen Vortrag zum Thema „Wölfe in der Schweiz – Erfahrungen und Wirkung für Bayern“ (siehe Infobox am Ende).

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Garmisch-Partenkirchen finden Sie auf Merkur.de/Garmisch-Partenkirchen.

Ein Hund als Täter wäre nicht unbedingt neu. In den vergangenen Jahren haben frei laufende Vierbeiner immer wieder im Landkreis Tiere gerissen – meist jedoch junges Wild. Deshalb appelliert das Landratsamt Garmisch-Partenkirchen einmal mehr an alle Hundebesitzer, die Tiere in der Natur anzuleinen. joho

VORTRAG ÜBER DEN WOLF

Referent Marcel Züger, Biologe an der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich, hält am Mittwoch, 31 August, um 19.30 Uhr einen Vortrag zum Thema „Wölfe in der Schweiz – Erfahrungen und Wirkung für Bayern“ in der Bayernhalle in Garmisch-Partenkirchen. Zur Veranstaltung laden der Landkreis Garmisch-Partenkirchen, der Bayerische Bauernverband, das BBV Bildungswerk, der Almwirtschaftliche Verein Oberbayerns, der Tierschutzverein des Landkreises und der Landesbund für Vogelschutz. Willkommen sind alle Interessierten.

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