DNA-Gutachten belastet Mittäter Vedat S.

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Mittäter Vedat S. (21)

Erding/Taufkirchen/Landshut - Mit den 165 Messerstichen, mit denen die hochschwangere Zorica H. (21) getötet wurde, wollte der 21-jährige Umschüler Vedat S. aus Erding nichts zu tun haben. Ob das stimmt?

Er habe nie eines der Tatmesser in der Hand gehabt, behauptete er zum Prozessauftakt. Gegen diese Version sprach gestern das Gutachten der DNA-Spezialistin Dagmar Schmid des Instituts für Rechtsmedizin: Auf einem der zwei Tatmesser seien seine DNA-Spuren sogar dominanter gewesen.

Vor der als Schwurgericht tagenden Jugendkammer des Landgerichts wird dem Einzelhandelskaufmann Harun A. aus Erding und dem Umschüler gemeinschaftlicher Mord mit Schwangerschaftsabbruch in besonders schwerem Fall vorgeworfen. Der 19-jährige Kindsvater hatte zum Prozessauftakt ein Geständnis abgelegt und Vedat S. belastet. Der hatte beteuert, keines der beiden Messer, mit denen der Hochschwangeren 165 Messerstiche beigebracht worden waren, in der Hand gehabt zu haben.

Zur Tötung des Opfers waren zwei Messer eingesetzt worden: Ein Küchenmesser, das Harun A. von zuhause mitgebracht hatte, und ein Messer mit Wellenschliff aus dem Messerblock aus der Küche des Opfers. Diplom-Biologin und DNA-Spezialistin Dagmar Schmid berichtete am gestrigen vierten Verhandlungstag, dass man insgesamt 200 Einzelspuren untersucht habe.

DNA-Spuren von Vedat S. dominanter

Auf der Griffunterseite des Messers mit dem Wellenschliff seien die DNA-Spuren von Vedat S. dominanter als die von Harun A. Rückschlüsse überließ die DNA-Spezialistin den Prozessbeteiligten. So räumte sie ein, dass die Übertragung der DNA-Spuren auch durch einen Sekundärtransfer habe geschehen können - wenn sich die beiden Angeklagten zuvor die Hände gegeben hätten oder wenn Schweißtropfen von Vedat S. auf den Griff geraten wären. In diesen Fällen allerdings wären die Spuren nicht so dominant.

Zum Auftakt des Verhandlungstages berichteten Verwandte, Freunde und Bekannte über das Leben von Vedat S., der erst im August 2010 aus dem Gefängnis entlassen worden war, nachdem er sich unter anderem für Diebstähle eine Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren eingehandelt hatte. Im Gefängnis, so seine ehemalige Freundin (19), habe er sich verändert, sei stiller geworden, und man habe mit ihm nicht mehr über Probleme reden können. Bei einem Besuch während der Haftzeit habe er ihr erklärt, er wisse von der Tat seines Freundes nichts.

Als „anständig, ruhig, verschlossen und naiv“ beschrieben seine türkischen Jugendfreunde den Umschüler. Seine ältere Schwester berichtete, dass sich die Eltern vor drei Jahren getrennt hätten. Ein Schock sei es für ihn gewesen, als während der Haft die Mutter, bei der er gewohnt habe, gestorben sei. Die Schwester, wie auch ihr Ehemann, bekundeten, dass Vedat S. „schockiert und fassungslos“ gewesen sei, als er vom Tod von Zorica H. und der Verhaftung seines Freundes erfahren habe. Er selbst habe stets beteuert, mit der Sache nichts zu tun zu haben.

Wie schon bei seiner Schwester, so brach der Umschüler auch bei der Vernehmung seines älteren Bruders (30) immer wieder in Tränen aus. Der Vater des 21-Jährigen machte von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. Der Prozess wird am kommenden Donnerstag fortgesetzt.

(ötl)

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