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Nachbar klagt gegen Döner-Geruch: Existenzbedrohlicher Streit für Inhaber – „Mit allen Gefühlen gekämpft“

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Von: Max Wochinger

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Aus dem ehemaligen Döner-Imbiss „Egeli 35“ haben Christine Drexl und Hüseyin Arat nun einen Feinkostladen gemacht. Wir haben körperlich und psychisch ganz schön gelitten. Christine Drexl
Aus dem ehemaligen Döner-Imbiss „Egeli 35“ haben Christine Drexl und Hüseyin Arat nun einen Feinkostladen gemacht. © max wochinger

Der ehemalige Döner-Imbiss „Egeli 35“ ist zurück in Ottobrunn – jetzt als Feinkostladen. Christine Drexl und ihr Mieter Hüseyin Arat sind durch einen jahrelangen Rechtsstreit mit einem Nachbarn geirrt, er störte sich am Döner-Geruch. Die beiden Betreiber kostete der Streit fast ihre Existenz.

Ottobrunn – Es war ein Döner mit Nachgeschmack: Zweieinhalb Jahre war der Imbiss „Egeli 35“ in Ottobrunn geschlossen. 25.000 Euro Anwalts- und Gerichtskosten mussten Christine Drexl und ihr Mieter Hüseyin Arat blechen, sie wären fast an dem Laden zerbrochen. „Wir haben körperlich und psychisch ganz schön gelitten“, sagt Drexl. Die Geschäftspartner haben sich zurückgekämpft und sind gemeinsam gegen die Schließung des Ladens vorgegangen. Jetzt ist der Imbiss zurück – als Feinkostladen.

Kein Dönerverkauf mehr: Es gibt Pide und anatolische Blätterteigtaschen

Der Dönerspieß hat aufgehört sich zu drehen, aber die Welt der türkischen Küche kreist weiter um Vermieterin Drexl und Gastronom Arat. Die Zwiebeln sind geschnitten und auch das Fladenbrot liegt bereit, so wie früher. Es gibt Pide und anatolische Blätterteigtaschen. Nur die Stühle und Tische sind jetzt Kisten mit Obst und Gemüse gewichen. Und das zentrale Element einer jeder Kebab-Bude ist verschwunden: der Dönerspieß. Er war Auslöser für einen jahrelangen Rechtsstreit mit einem benachbarten Paar.

Es störte sich am Döner-Geruch, obwohl deren Wohnung 30 Meter vom ehemaligen Imbiss entfernt liegt. Auch hatten sie sich vom Lärm der Gäste belästigt gefühlt. Die Nachbarn zogen vors Amtsgericht München – 2019 kam es zur mündlichen Verhandlung mit Christine Drexl.

Später folgte das Urteil: Das Gericht untersagte es der Vermieterin, ihr Anwesen als Döner-Imbiss zu nutzen. Die Nutzung widerspreche der festgesetzten Zweckbestimmung als Laden, urteilte das Amtsgericht. Es gab den Klägern recht, Drexl ging in Berufung – aber ohne Erfolg. Der Dönerspieß und die Bestuhlung mussten aus dem Laden, im Juni 2020 machten Drexl und Arat den Imbiss dicht.

Fall aus Ottobrunn: „Wertvorstellung von Menschlichkeit“ ist verloren gegangen

„Wut, Traurigkeit; wir haben mit allen Gefühlen gekämpft“, erzählt Drexl. Das Schlimmste für die Vermieterin: Durch das Rausklagen sei ihre „Wertvorstellung von Menschlichkeit“ verloren gegangen – neben einem „Haufen Geld“. „Ich habe die ganze Existenz meiner Familie in den Laden gesteckt“, sagt der gebürtige Türke Arat. Er hatte seine Ersparnisse und unzählige Stunden an Arbeit an den Imbiss geopfert. Nach dem Gerichtsurteil stand er vor dem geschlossenen Laden – und einem Berg Schulden.

„Wir wollten uns aber nicht unterkriegen lassen“, sagt Drexl. Nach der Schließung fingen die beiden in anderen Betrieben zu arbeiten an, doch das Ziel war klar: die Wiedereröffnung des „Egeli 35“. Sie bauten den Imbiss zum Feinkostladen um, jetzt fangen sie nochmal von ganz Vorne an.

Hoffen auf die Kunden von früher

Ob Döner verkaufen, vor Gericht streiten oder einen neuen Laden aufbauen: Drexl und Arat gehen den Weg gemeinsam. „Wir sind wie Bruder und Schwester“, sagt sie. Arat nickt ihr zu. „Wir schauen jetzt nur nach vorne“, sagt er. Ihr Feinkostladen ist eingerichtet – jetzt fehlen nur noch die Kunden von früher.

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