Explosion im Triebwerk, klemmende Pedale

Bruchlandung war dramatischer als vermutet

Flughafen - Die Notlandung einer Maschine der Air Dolomiti am 17. Mai 2012 – es war ausgerechnet der 20. Flughafen-Geburtstag – war dramatischer als zunächst angenommen. Ein erster Untersuchungsbericht liegt nun vor.

Es sind schockierende Fakten, die die Ermittler der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung über die Bruchlandung am Nachmittag des Feiertags Christi Himmelfahrt am Münchner Flughafen zusammengetragen haben. Dem Zwischenbericht zufolge kam es nicht nur zu einer massiven und zweimaligen Rauchentwicklung in der Kabine. In einem Triebwerk ereignete sich zudem eine Explosion, die Seitenruderpedale klemmten und ließen sich von beiden Piloten nicht mehr bewegen. Damit war der Crash auf der südlichen Landebahn programmiert.

Bei bestem Wetter war der Regionaljet ATR 72-500 mit 58 Passagieren und vier Besetzungsmitgliedern vom Erdinger Moos in Richtung Venedig gestartet. Etwa 15 Minuten nach dem Start meldete eine Stewardess Rauch in der Kabine sowie Geruch nach verbranntem Kunststoff.

Während die Cockpitbesatzung die erforderliche Checkliste abarbeitete, kam es im rechten Triebwerk zu einer Explosion, die Feuermelder sprangen an. Pilot (42) und Copilot (35) setzten den Antrieb außer Kraft, der erste integrierte Löschmittelbehälter wurde aktiviert. Kurz darauf erlosch die Signalleuchte „Feuerwarnung“.

In dem Bericht heißt es weiter, dass es den Piloten daraufhin gelungen sei, das Flugzeug im Einmotorenbetrieb zu stabilisieren. Es wurde Luftnotlage erklärt. Der Pilot teilte der Flugsicherung mit, dass er nach München zurückkehren werde.

Kurz darauf bemerkte eine Flugbegleiterin erneut Rauch in der Kabine. Der Pilot ordnete eine Evakuierung sofort nach der Landung an. Die Flughafenfeuerwehr rückte an die Südbahn aus.

Im letzten Teil des Sinkfluges bemerkten die Flugzeugführer, dass die Seitenruderpedale blockierten. „Beide Piloten konnten die Pedale nicht bewegen“, so das Gutachten. Daraufhin setzte die ATR mit leicht nach links versetzter Flugzeugnase auf. In einem großen Bogen geriet die Maschine von der Piste ab, rollte 300 Meter über eine Wiese und prallte gegen eine Antenne der Sichtweitenmessanlage mit Schaltkasten. Das Bugfahrwerk „kollabierte“. Selbst auf dem Boden ließ sich die linke Turbine nicht abstellen. Sie musste über die Notbedienung „Feuer im Triebwerk“ stillgelegt werden.

Bilder der Bruchlandung

Flughafen: Air Dolomiti kommt von Piste ab

Bei der harten Landung erlitten fünf Passagiere leichte Verletzungen. Bei der ersten Begutachtung wurden Brandspuren hinter der Verkleidung entdeckt. Während der Landung hatten die Piloten Atemmasken übergestülpt. Die Schubhebel in der Mittelkonsole ließen sich nicht bewegen. Die Ursachen dafür werden im Abschlussbericht stehen, der noch in Arbeit ist.

Hans Moritz

Rubriklistenbild: © ham

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