Der traurigste Prozess des Jahres

Krailing - Fast ein Jahr ist der Doppelmord an den Kraillinger Schwestern Chiara und Sharon her. Deren Onkel sitzt seitdem in Untersuchungshaft und schweigt. Im Januar soll ihm der Prozess gemacht werden.

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So trauert Krailling um die toten Schwestern

Der Mord an den Kraillinger Schwestern Chiara (8) und Sharon (11) hat Deutschland erschüttert: Ein Onkel ist dringend tatverdächtig. Er soll sich in der Nacht zum 24. März 2011 in die Wohnung eingeschlichen und seine Nichten brutal ermordet haben. Am 17. Januar 2012 beginnt vor dem Landgericht München II der Prozess. Der Postbote aus Peißenberg hat selbst vier Kinder.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann „heimtückisch und aus Habgier“ mordete, weil er aufs Erbe seiner Schwägerin spekulierte, die er nach Einschätzung der Ermittler ebenfalls umbringen wollte.

„Es ist eine Fülle von Indizien, die uns zu diesem Ergebnis bringt“, sagt Oberstaatsanwältin Andrea Titz. „Wir gehen davon aus, dass er erwartet hat, die Mutter im Laufe des Abends noch anzutreffen.“ Doch die Schwägerin half in der Musikkneipe ihres Freundes. Als sie am frühen Morgen nach Hause kam, fand sie ihre toten Kinder. Sie und ihr Freund zogen sich nach der Tat vollkommen zurück, stehen nicht mehr hinter dem Tresen. Freunde und Bekannte betreiben vorerst die Musikkneipe weiter.

Der verdächtige Postbote hatte die Tat in ersten Vernehmungen bestritten, seitdem schweigt er. Es steht also ein Indizienprozess bevor.

Der Vorsitzende Richter, Ralph Alt, führt den Prozess. Alt hatte im Frühjahr den Nazi-Helfer John Demjanjuk wegen Beihilfe zum Mord an mindestens 28 060 Juden zu fünf Jahren Haft verurteilt.

In der Kraillinger Wohnung der Opfer waren viele DNA-Spuren des Angeklagten gefunden worden, etwa an den Leichen und den mutmaßlichen Tatwaffen, Hantelstange und Messer. Auch ein Seil stammte wohl von ihm. Seine Frau hält ihn für schuldig; sie ist inzwischen geschieden.

Bisher sind 13 Prozesstage bis 27. März 2012 angesetzt. Ob dann das Urteil gesprochen werden kann, ist offen. Die Staatsanwaltschaft hat dem Gericht 54 Zeugen und neun Sachverständige benannt, darunter einen Mithäftling. Wer geladen wird, entscheidet das Gericht.

Sicher dürfte sein, dass die Mutter der Opfer, die als Nebenklägerin an dem Verfahren teilnehmen wird, als Zeugin gehört wird. Mindestens einmal also wird sie kommen und dem mutmaßlichen Mörder ihrer kleinen Töchter gegenübertreten müssen.

tz

Rubriklistenbild: © Westermann/Rutt/dpa

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