Prozessbeginn verschoben

Justizstreit um Doppelmord von Notzing

Notzing/Landshut - Der Doppelmord von Notzing wird heuer nicht mehr gesühnt. Der Prozessbeginn verschiebt sich bis Januar. Derweil entbrennt zwischen dem Amtsgericht Freising und der Staatsanwaltschaft Landshut ein Justizstreit.

Die Anklageschriften hat die Staatanwaltschaft Landshut bereits im Spätsommer beim Landgericht eingereicht. Der mutmaßliche Haupttäter Christoph W. (21) muss sich wegen zweifachen Mordes vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Landshut verantworten. Ihm droht eine lebenslange Freiheitsstrafe. Gegen seine Ex-Freundin Cornelia R. (18), Tochter der Opfer Franz und Heidi (60/54), wird wegen versuchter Strafvereitelung vor dem Jugendgericht des Amtsgerichts Freising verhandelt. Sie hatte Christoph W. geholfen, die Leichen zu beseitigen, mit der eigentlichen Bluttat hat die Auszubildende nichts zu tun.

Die Justiz versucht die junge Frau, die im südlichen Landkreis Erding arbeitet und mittlerweile im Kreis Freising wohnt, zu schützen. Aufgrund ihres Umzugs wird in Freising verhandelt. Das Verfahren findet nicht nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt – bei zur Tatzeit noch minderjährigen Angeklagten die übliche Praxis. Manfred Kastlmeier, stellvertretender Direktor des Amtsgerichts Freising, stellt darüber hinaus klar: „Wir werden auch weder den Sitzungstermin noch das Urteil bekanntgeben.“ Der Persönlichkeitsschutz der jungen Frau wiegt laut Kastlmeier schwerer als das Interesse der Öffentlichkeit, argumentiert der Jurist. Man wolle einen Ansturm an Journalisten, Kameraleuten und Schaulustigen vermeiden. „Das Medieninteresse ist jetzt schon enorm“, so der Richter.

Fraglich ist, ob das Amtsgericht Freising diesen Kurs halten kann. Über den schüttelt der leitende Landshuter Staatsanwalt Ralph Reiter den Kopf. „Selbstverständlich hat die Öffentlichkeit bei einem Verbrechen dieser Schwere einen Anspruch auf Information“, so Reiter zu unserer Zeitung. Er verweist nicht nur auf den ähnlich gelagerten Fall einer Jugendlichen, die an einem Freisinger Gymnasium auf eine Mitschülerin eingestochen hat, sondern auch auf einschlägige Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts.

Doppelmord: Die Bilder vom Tatort

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„Das Urteil wird spätestens in der Hauptverhandlung gegen Christoph W. bekannt“, ist der Ankläger überzeugt. Denn die junge Frau werde als Zeugin geladen. Daher muss ihr Prozess vor dem ihres Ex-Freundes stattfinden.

Christoph W. befindet sich weiter in Untersuchungshaft in Straubing. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft hat das Oberlandesgericht München die Fortdauer der Haft bestätigt.

Ursprünglich hätte der Prozess noch heuer beginnen sollen. Nun wird sich der Auftakt in den Januar verschieben. Geleitet wird das öffentliche Verfahren, das für reichlich Aufsehen sorgen wird, von Richterin Gisela Geppert. Teilweise könnte das Publikum allerdings ausgeschlossen werden, etwa beim Auftritt der junge Frau.

Geppert war es, die vor drei Jahren den Augsburger Arzt Wolfgang Roth für den Mord an dem Finanzbeamten Anton Fanger aus Kirchasch lebenslang hinter Gitter brachte. Bei dem als „Dr. Mord“ bekannt gewordenen Mediziner, der schon einmal einen Menschen getötet hatte, war darüber hinaus die besondere Schwere der Schuld festgestellt worden. Im Frühjahr 2010 verwarf der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Revision des Mediziners.

Der Doppelmord von Notzing war am 30. März dieses Jahres begangen worden. Christoph W. wird vorgeworfen, an einem Freitagvormittag ins Haus der Familie seiner Ex eingedrungen zu sein. Dort passte er zunächst den Vater ab, um ihn zu töten. Später erstach und erschlug er auch die Mutter. Beide waren gegen die Beziehung. Gemeinsam mit der Tochter versuchte er, die Leichen verschwinden zu lassen. Drei Tage nach der Bluttat stellte sich Christoph W. der Polizei in Erding. Der Bruder von Cornelia R. war dem Verbrechen auf die Schliche gekommen. Die Ermittler entdeckten die Leichen in deren eigenem Garten verscharrt.

Hans Moritz

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