Doppelmord in Notzing: Täter hat bereits gestanden

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Der mutmaßliche Täter Christoph W. gestern bei der Haftvorführung am Amtsgericht Erding.

Notzing - Ein unfassbares Verbrechen erschüttert das kleine Dorf Notzing (knapp 1000 Einwohner, Kreis Erding)! Christoph W. hat die Eltern seiner Ex-Freundin erstochen und begraben.

Christoph W. (21) hat die Eltern seiner Ex-Freundin Cornelia (17) brutal erstochen und anschließend im Garten ihres eigenen Hauses vergraben. Der Ermittlungsrichter erließ Haftbefehl gegen den Mechaniker-Azubi aus Freising wegen zweifachen Mordes – und gegen Cornelia wegen Beihilfe!

Freitag früh hatten Nachbarn Franz (60) und Heidi R. (54) offenbar beim Zeitunglesen auf der Terrasse gesehen. Noch vor wenigen Tagen hatten sie die neue Grillsaison eingeläutet. Obwohl das Ehepaar erst vor fünf Jahren von Hallbergmoos in die nur neun Kilometer entfernte Idylle mit Blick auf Schloss und Kirche gezogen war, war es bereits bestens in das Dorfleben integriert.

So engagierten sich die Eheleute Franz und Heidi im örtlichen Gartenbauverein. In mühsamer Arbeit hatten beide ihr Haus gebaut. Alles sollte perfekt sein fürs Rentnerdasein. Aus seinem Job im Personal­wesen bei BMW in München ist er vor zwei Wochen ausgeschieden.

Doppelmord: Die Bilder vom Tatort

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Erste Anzeichen für das, was sich Freitagmittag in dem Haus abgespielt hat, gab es am Samstag. Hans und Juliane T. tragen in Notzing die Zeitung aus. Sie fuhren mit dem Rad gegen halb fünf Uhr früh am Anwesen vorbei. Im Garten beobachteten sie ein Pärchen, das kräftig buddelte. „Wir haben uns noch gewundert, warum die schon so früh im Garten aktiv sind“, sagt Juliane T. Ihr Mann habe die beiden sogar angesprochen, aber nur eine ausweichende Antwort bekommen. Da lag das Ehepaar schon tot im Haus.

Was Christoph W. zur Bluttat trieb, ist für die Ermittler ein Rätsel. Sein Anwalt Winfried Folda zur tz: „Mein Mandant hat die Tat eingeräumt. Er wird aber keine weiteren Angaben machen.“ In der Wohnung des Täters fand die Polizei eine Tasche mit mehreren Messern. Cornelias Rolle ist noch unklar. Hat sie gar geholfen? Im Haftbefehl lautet der Verdacht: „Beihilfe“. Die Jugendliche kam nicht in Haft, sondern wurde in die geschlossene Abteilung einer Psychiatrie gebracht.

Die Polizei geht davon aus, dass Christoph W. zunächst Franz R. ermordete. Heidi R. hielt sich zu diesem Zeitpunkt offenbar nicht in dem Haus auf. Als sie zurückkehrte, attackierte der Killer auch sie. Unfassbar, dass Christoph danach mehr als 20 Stunden die Toten in dem Haus liegen ließ, bevor er sie im Garten verscharrte. Von welchem Wahnsinn war der Azubi bloß getrieben?

Der Täter: Er ist nicht zum ersten Mal ausgetickt

Er trug Hass im Herzen – und den Hang zur Gewalt. Christoph W. hatte bereits vor dem Gruselmord von Notzing mehrfach die Kontrolle über sich selbst verloren. Er soll sogar seine eigenen Eltern geschlagen haben, berichtet die Polizei. Sie beschreibt den 21-Jährigen als „psychisch auffällig“.

Das blieb auch seinen Mitmenschen nicht verborgen. Ein unmittelbarer Nachbar zur tz: „Er ist ein komischer Typ, hat nie gegrüßt – nicht mal, wenn man sich im Hausflur begegnet ist.“

Seit einem halben Jahr lebte W. bei seiner Mutter in Freising. Sie war dort nach der Trennung von ihrem Mann in eine Eigentumswohnung eingezogen. Das Ehepaar soll sich um Geld gestritten haben, es ist von Schulden die Rede. Ihr Sohn Christoph macht eine Ausbildung zum Anlagenbauer.

Die Nachbarn: „Ein nettes, fleißiges Ehepaar“

Verbrechen kannten die Notzinger nur aus dem Fernsehen – bis gestern. Nach dem Gruselmord ringt selbst Bürgermeister Herbert Lackner um Fassung: „Mir fehlen die Worte!“

Die Opfer lebten zwar erst seit einigen Jahren in dem Dorf, hatten sich aber bereits gut integriert. „Frau R. hat im Kindergarten geputzt und aus­geholfen. Sie war freundlich, eine sehr angenehme Person“, so der Rathauschef.

Das bestätigt auch Bäuerin Renate Esch­baum, zu deren Kunden Heidi R. zählte: „Noch am vergangenen Donnerstag ist sie wieder mal bei uns gewesen. Auch ihr Mann war nett. Es ist unbegreiflich, warum so etwas Furchtbares geschehen konnte.“

Nachbar Helmut Veidt berichtet, dass die Eheleute gut ins Dorf gepasst haben: „Es waren liebe Leute – ruhig und fleißig. Sie haben ständig an ihrem Haus und im Garten gewerkelt.“

Eberhard Unfried, ­Andreas Beez, Hans Moritz und Sebastian Arbinger

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