Doppelmord: "Der schlimmste Fall meines Lebens"

+

München - Wie grausam die beiden Schwestern Chiara und Sharon getötet worden sind, hat ein Rechtsmediziner jetzt vor dem Landgericht München II berichtet. Demnach haben sie minutenlang um ihr Leben gekämpft.

In seinen 40 Jahren Arbeit als Gerichtsmediziner hat Professor Wolfgang Keil schon viel Schreckliches gesehen. Doch der gewaltsame Tod der achtjährigen Chiara aus Krailling hat auch ihn geschockt. Noch nie habe er die Leiche eines so schrecklich zugerichteten Kindes auf dem Seziertisch gehabt.

„Die Kleine muss gekämpft haben, das ist ein Wahnsinn“, sagte Keil der tz, nachdem er am Freitag im Gericht sein Gutachten erstattet hatte. „So etwas geht nicht spurlos an einem vorüber.“

Der Mörder hatte das Kind auf brutalste Weise umgebracht – derart brutal, dass wir die Details hier nicht schildern möchten. Unzählige Verletzungen an den Händen und Füßen des Opfers deuten darauf hin, dass Chiara sich verzweifelt und nach Kräften gewehrt hat. Das Tatgeschehen, so Keil, muss sich an mehreren Plätzen in der Wohnung abgespielt haben.

Vermutlich nicht weniger grausam starb Chiaras ältere Schwester Sharon. Aber auch sie muss sich verzweifelt gegen den Mörder gewehrt haben, so Rechtsmediziner Professor Matthias Graw. Wie lange hat Sharon gekämpft? Auf die Frage der Verteidigerin sagt Graw: „Es ging sicherlich über Minuten, kann aber auch wesentlich länger gewesen sein.“

Professor Wolfgang Keil war über die Brutalität des Mordes an den beiden Schwester erschüttert

Das unfassbare Tatgeschehen belastet jeden der Prozessbeteiligten. „Es ist bedrückend“, so Graw zur tz. Nur einer scheint wenig beeindruckt zu sein: Der Angeklagte selbst. Thomas S., der Onkel der beiden Kinder, wirkt gelangweilt. Er lutscht Bonbons, schreibt sich gelegentlich etwas auf. Dabei zieht sich die Schlinge mit jedem Prozesstag weiter zu. Alle bislang im Prozess behandelten Spuren sprechen gegen den Angeklagten. So hatten sich die Mädchen so heftig gegen ihn gewehrt, dass er eine blutende Wunde an der Nase davontrug; das Blut von Thomas S. wurde am Tatort gefunden. Am Montag geht es im Prozess um diese und weitere DNA-Spuren.

Eberhard Unfried

auch interessant

Meistgelesen

Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Frau von Lkw gerammt: „Da ist man auch als Polizist betroffen“
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik

Kommentare