Gesundheitliche Probleme: Franz Beckenbauer ist nicht vernehmungsfähig

Gesundheitliche Probleme: Franz Beckenbauer ist nicht vernehmungsfähig

Als erster deutscher Patient

Nach Häcksler-Drama: Landwirt hat jetzt eine Hand, die mitdenkt

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Stallarbeit dank künstlicher Intelligenz: Wolfgang Bauer kann dank seiner Handprothese alle Geräte wieder steuern.

Landwirt Wolfgang Bauer aus Dorfen geriet vor knapp vier Jahren mit der rechten Hand in einen Häcksler. Knochen, Sehnen und Muskeln waren komplett zerstört. Als erster Patient in Deutschland erhielt er jetzt eine völlig neuartige Prothese.

Dorfen – Es war nur ein Moment der Unachtsamkeit. Nur ein kleiner Augenblick im Herbst 2015. Der damals 20-jährige Wolfgang Bauer häckselt auf dem elterlichen Bauernhof in Dorfen (Kreis Erding) Mais für eine Futtersilage. Die Trommel des Grashäckslers ist verstopft. Bauer macht sie sauber, lässt die Maschine noch mal leerlaufen, schaltet sie aus. Er will nachschauen, ob der Häcksler wirklich sauber ist, kniet sich darunter, macht den Kasten unter der Trommel auf. Und da passiert’s: Die Trommel ist noch nicht ganz zum Stillstand gekommen. Sie erwischt Bauers rechte Hand und zieht den Unterarm in den Häcksler. Er zieht ihn heraus, aber es ist zu spät: Der Unterarm ist komplett zerstört.

Hubschrauber, Krankenwagen, chirurgische Klinik in München: Wolfgang Bauer bekommt alles mit. Erst im Operationssaal schläft er von den Narkosemitteln ein. Als er wieder aufwacht, ist der rechte Unterarm weg. Der Rest seines Arms ist in einen Verband gewickelt. Chirurgen haben die Elle und Speiche gekürzt, aus dem Oberschenkel Haut entnommen und den Unterarm damit zugemacht.

Seit damals sind fast vier Jahre vergangen. Wolfgang Bauer, mittlerweile 24, sitzt an einem heißen Sommertag auf einem alten Deutz. Gut gelaunt und mit kurzer Arbeitshose fährt er mit dem grünen Schlepper rückwärts eine Futtermaschine in den Stall. Sie spuckt seitlich Gras- und Maissilage vors Fressgitter. Die Kühe machen sich über das Futter her. Über den löchrigen Sitz gelehnt, bedient Bauer mit den rostigen Hebeln die Maschine. Er steuert sie nicht mit seiner linken Hand, sondern mit einer Prothese am rechten Arm. Sie ist hautfarben, die Hand wirkt etwas groß.

Nach Häcksler-Drama: Mann aus Dorfen bekommt Prothese mit künstlicher Intelligenz

„Als mir klar wurde, dass meine Hand nicht mehr gerettet werden kann, wollte ich sofort eine Prothese“, sagt Bauer. Drei Monate nach dem Unfall hat er die Erste bekommen. „Die Handbewegungen waren mit der Prothese aber stark verzögert“, sagt er. Bisher mussten Amputierte für Handbewegungen einzelne Zwischenschritte nacheinander ansteuern. Um etwa einen Zeigefinger zu formen, mussten sie erst die Hand öffnen, dann den Zeigefinger ausstrecken und zuletzt die restlichen Finger einziehen. „Oft habe ich Gläser zerdrückt“, sagt der Milchbauer.

Eine App auf dem Tablet visualisiert die Bewegungsmuster der gedachten Handbewegungen.

Wolfgang Bauer nimmt eine Schaufel in die Hände und schüttet Sojabruch über das Futter der Kühe. Das Rotieren und Zugreifen der Prothesenhand hört sich etwas maschinell an, funktioniert aber selbst mit einer voll beladenen Schaufel problemlos. „Diese Prothese habe ich vor einem Jahr bekommen.“

Als erster Patient in Deutschland erhielt Bauer eine Testversorgung mit der neuartigen Technologie der Prothesensteuerung. Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz erkennt das System automatisch, welche Handgriffe Wolfgang Bauer machen möchte. Möchte er den Holzstiel der Schaufel greifen, messen acht Elektroden die Muskelanspannungen im Unterarm-Stumpf. Das klappt, weil das Gehirn auch nach einer Amputation Nervensignale für bestimmte Bewegungen an die Muskulatur sendet. Ein kleiner, dunkelgrauer Chip erkennt aus den Signalen Muster, die charakteristisch für bestimmte Handbewegungen sind. Hand aufmachen, drehen und zupacken: Der angehende Landwirtschaftsmeister hat den Stiel in der Prothesenhand. „Ich denke einfach an den Griff, den ich machen möchte und die Steuerung setzt ihn um. Wie bei einer gesunden Hand“, sagt er. Lebensverändernde Hightech, „genial“, findet Bauer.

Dorfen: Hightech-Prothese kann sogar ein Tablet bedienen

Über die Technologie wundert sich der junge Dorfener immer noch. „Früher dachte ich bei Prothesen immer an Holzbeine und Seilzüge.“ Heute kann er mit Hilfe der Prothesensteuerung und verschiedener Handaufsätze ganz normal leben und arbeiten. Gläser nehmen, Autofahren, ein Tablet bedienen.

Letzteres kann die Benutzung der Prothese sogar noch verbessern: Eine App visualisiert die Bewegungsmuster der gedachten Handbewegungen auf dem Tabletdisplay. Bauer kann die Bewegungen besser trainieren und verfeinern. Je klarer diese Bewegungsmuster sind, desto besser funktioniert die Verständigung zwischen ihm und seiner Prothese.

Ein weiterer Vorteil der neuen Technik ist, dass er weniger Phantomschmerzen hat als bisher. Durch die funktionelle Rekonstruktion sei das besser geworden.

Seit diesem Frühjahr ist die neue Prothesensteuerung auch für andere Patienten verfügbar. 60.000 Euro kostet sie. In Bauers Fall hat die Kosten für die erste Prothese die Berufsgenossenschaft übernommen. Die Prothesentechnik ermöglicht dem jungen Landwirt ein ganz normales Leben. Bald soll er den elterlichen Hof übernehmen. Seine Freundin und er gehen ganz offen mit der Amputation um. Trotz der ganzen Bewunderung für die Prothese bleibt sie doch nur ein Hilfsmittel. Das Gefühl in den Fingerspitzen und den Widerstand, den er früher spürte, wenn er etwas anfasste, das kann ihm die Prothese nicht geben. Der Hersteller seiner Prothese forscht aber bereits auch daran.

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