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Freibad platzt aus allen Nähten, Stadt schließt trotzdem Liegefläche - das ist der Grund

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Von: Anton Renner

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Das Dorfener Freibad platzt aus allen Nähten. Nun ist es noch ein Stück kleiner geworden. Die Stadt hat einen gut 200 Quadratmeter großen Liegebereich gesperrt. Der Grund sind wiederholte Beschwerden einer Anwohnerin wegen zu viel Lärm.

Dorfen – 1964 wurde das Dorfener Freibad am Stadtrand gebaut. 9700 Einwohner hatte Dorfen damals. Heute, 55 Jahre später, zählt die Stadt 15 000 Einwohner. Das Freibad ist mittlerweile von Wohnbebauung umgeben – und längst viel zu klein. Im Zuge der geplanten Verlagerung der Sportstätten an den Stadtrand bei Rutzmoos will die Stadt dort auch ein neues Schwimmbad bauen. Doch das liegt noch in weiter Ferne. Noch ist das Areal Landschaftsschutzgebiet, eine Entscheidung des Landkreises auf Herausnahme der Flächen steht aus. Und die Grundstücksverhandlungen mit den Eigentümern stehen erst ganz am Anfang.

Freibad: Anwohnerbeschwerden häufen sich - Stadt befürchtet Eskalation

Für das bestehende Freibad ergeben sich immer mehr Probleme. In den nächsten Jahren stünde eine Sanierung an. Und seit Jahren nehmen die Anwohnerbeschwerden wegen Lärmbelästigung zu. Die Stadt befürchtet eine weitere Eskalation der Situation. Auch deshalb wurde jetzt die Liegewiese gesperrt. Die sich vom Schwimmbadlärm belästigt gefühlte Anwohnerin soll damit beruhigt werden, wie Bürgermeister Heinz Grundner auf Nachfrage unserer Zeitung sagte.

Freibad: Anwohnerin fühlt sich von Lärm belästigt - Stadt reagiert

Aufgeflammt sind die Beschwerden, weil die Stadt im Frühjahr in dem Bereich einen Heckenschnitt durchführte. Und obwohl das Schwimmbecken durch eine Lärmschutzmauer umgeben ist, fühlt sich die Anwohnerin gestört. Ihr sind die Badegäste auf der Liegewiese zu laut. Die Stadt hat den Bereich jetzt mit Bauzäunen vom übrigen Areal abgetrennt. Neue Anpflanzungen sollen folgen, damit diese wieder mehr Lärm filtern.

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Doch das ist nicht das einzige Problem. Die Beschwerden der Anwohnerin sind weitläufiger. In ihrer Ruhe gestört fühlt sie sich auch durch die Rutsche. Deren Betrieb will die Stadt aber nicht einstellen. Dafür gab es bereits andere Zäsuren. Die Wasserwacht darf nach und vor den offiziellen Öffnungszeiten des Freibades keine Schwimmübungen mehr durchführen, bestätigte Grundner. Auch das stört die Anwohnerin. Und auch die Lautsprecheranlage für Durchsagen wurde in der Lautstärke schon deutlich verringert. Über die Situation drückt sich Stadtchef Grundner diplomatisch aus. „Wir müssen versuchen, die Konflikte halbwegs vernünftig zu lösen.“ Grundner sieht nämlich die Gefahr, dass die Stadt das Freibad möglicherweise bei einem Rechtsstreit mit meterhohen Lärmschutzwänden einhausen müsse oder das Bad gar schließen müsste, „wenn das weitere Kreise zieht“.

Mit der Situation bekommen die Forderungen von Bürgern, das Freibad müsse in der Stadtmitte erhalten bleiben, eine ganz andere Dimension. Und auch Grünen-Stadträtin Ulli Frank-Mayer wird ihre im Mai 2018 bei einer Bürgerversammlung getätigte Äußerung überdenken müssen. Sie warnte damals davor, nur das „Totschlagargument Lärmschutz“ bei der Diskussion um ein neues Freibad zu sehen. Der Altbestand der Sportflächen genieße „besonderen Schutz“, beteuerte sie. Die Realität ist oft ernüchternd.

Auch im Dachauer Freibad gibt es Konflikte. Aus den Lautsprechern am Restaurant ertönt täglich und stundenlang Musik. Die einen freut das, andere bringt die Beschallung auf die Palme.

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