Dramatische Rettung am Steindlbach

Dachau - Es ging um jede Sekunde. Bei einem Verkehrsunfall bei Altstetten lag ein Autofahrer kopfüber in einem Bach und drohte zu ertrinken. Ein Landwirt und zwei Polizisten handelten blitzschnell. In einer dramatischen Aktion retteten sie dem Bewusstlosen das Leben.

Die Heimatzeitung von einem Unfall am Donnerstag Vormittag bei Altstetten. Ein Autofahrer, so hieß es in einer ersten kurzen Meldungen, sei verunglückt und habe sich schwer verletzt. Wie sich erst jetzt herausstellte, schwebte der Mann aus dem Landkreis Neu-Ulm in akuter Lebensgefahr und verdankt sein Leben der Aufmerksamkeit und vor allem dem Können eines Landwirts und zweier zufällig vorbeikommender Polizisten.

Der 33-Jährige Geschäftsmann war unterwegs nach Schwabhausen und hatte bei Altstetten ausgerechnet kurz vor einer unübersichtlichen Kurve ein Auto überholt. In der Kurve verlor er dann die Kontrolle über seinen Audi A4. Er geriet aufs Bankett, benutzte eine Leitplanke als Rampe und flog rund 50 Meter weit über die Wiese. Nach mehreren Überschlägen landete der schwere Firmenwagen auf der Beifahrerseite im Steindlbach. Der Körper des Mannes rutschte ebenfalls auf die Beifahrerseite, sodass Kopf und Oberkörper unter Wasser gerieten.

Von den Insassen des überholten Autos informiert, bretterte Landwirt Rudi Bichler (48), der selbst „ein Scheppern“ gehört hatte, mit seinem Motorrad sofort zur Unfallstelle. Blitzschnell erfasste er die Situation: Der Stapler muss her. „Ich habe gesehen, der Mann kommt da nicht mehr raus.“ Mittlerweile war eine Streife der Fürstenfeldbrucker Polizei vor Ort, die von einem Einsatz in Altomünster kommend gerade auf dem Nachhauseweg waren. Sie hatten per Funk von dem Unfall erfahren.

„Das Dach war eingedrückt. Ich habe zu dem Landwirt gesagt, er darf den Kopf des Verletzten nicht berühren“, sagt Polizeihauptmeister Wolfgang Ludl (37), der gemeinsam mit seinem Streifenkollegen, Polizeiobermeister Benjamin Gareis, im Einsatz war. Doch Rudi Bichler arbeitete höchst präzise. Er schob behutsam seine Staplergabel durch die Fensterscheiben, dicht am Kopf des Bewusstlosen vorbei. Dann versuchte er, den Audi aus dem Bachbett zu lupfen. Zunächst vergeblich. Das Auto war einfach zu schwer. Bichler sowie Ludl und Gareis, die in Bruck in der Abteilung Operative Ergänzungsdienste arbeiten, wussten: Es zählt jetzt jede Sekunde. „Wir und einige Passanten haben uns hinten auf den Stapler draufgeschwungen“, so Ludl. Erst mit diesem Zusatzgewicht gelang es, den Stapler am Boden zu halten und den Audi zu heben.

„Ich habe dann mit Gewalt die Tür aufgemacht und sofort mit der Reanimation begonnen. Der Mann hatte keinen Puls mehr. Bei der Beatmung wollte die Luft nicht rein. Mit einer Beatmungsmaske gelang es, Blut und Schlamm aus dem Mund zu entfernen. 15 Minuten lang haben wir dann beatmet, dann fühlte ich einen Pulsschlag am Hals“, schildert Wolfgang Ludl die dramatischen Momente der Rettung. Der 33-Jährige kam schließlich ins Klinikum Dachau. Er erlitt schwere Verletzungen an der Wirbelsäule.

„Ich habe schon ein paar Reanimationen gemacht. Eine Bergung aus dem Bachbett ist aber eine Besonderheit“, so Ludl. Keine Besonderheit ist es für Rudi Bichler zu helfen. Nicht zum ersten Mal war er Retter an der gefährlichen Straße vor seinem Anwesen. „Hier passiert schon oft etwas“, sagt er. Auf rund 150 (!) Einsätze sei er die vergangenen Jahrzehnte gekommen. „Klar komme ich zu Hilfe, wenn mich jemand braucht. Das ist für mich keine Frage“, sagt der Landwirt ganz bescheiden. Oftmals ist es harmlos, wenn im Winter der ein oder andere bei glatter Fahrbahn in den Graben geschlittert ist. Aber auch bei schweren Unfällen war der verheiratete zweifache Familienvater oft einer der ersten vor Ort. So wie in diesem Fall. Ohne Rudi Bichler und die beiden Polizisten wäre der 33-Jährige mit Sicherheit nicht mehr am Leben.

Christian Chymyn und Thomas Zimmerly

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