Beschwerden von Bürgern

Park-Ärger: Mann eilt mit fieberkrankem Buben zum Arzt, zieht Ticket - und kriegt trotzdem Knöllchen

Kaum etwas regt Autofahrer so auf wie das Parken. Häufig finden sie in Fürstenfeldbruck gar keinen Stellplatz – oder sie handeln sich einen Strafzettel ein. Empfinden Betroffene das Knöllchen dann auch noch als ungerecht, ist der Parkärger groß. Immer öfter wenden sich aufgebrachte Bürger an das Tagblatt.

Fürstenfeldbruck Dauerbrenner in Sachen Parkärger ist die Tiefgarage am Geschwister-Scholl-Platz. Dort gibt es einen P&R-Bereich für S-Bahn-Benutzer und einen für Kunden des Einkaufscenters. Für beide gelten unterschiedliche Tarife – und Tickets. Dieses System durchblicken vor allem Autofahrer, die die Garage zum ersten Mal benutzen, oft nicht.

Auch Markus Burger zog ein Ticket, das nicht zu seinem Parkplatz passte. Der 47-Jährige musste mit seinem Sohn zum Arzt. Der Bub hatte Fieber, deshalb nahm Burger für den eigentlich kurzen Anfahrtsweg zum Ärztehaus am Geschwister-Scholl-Platz das Auto. „Ich habe im vorderen Bereich in einer Kurzpark-Zone geparkt, weil dort der Eingang vom Kinderarzt liegt“, erklärt der Fürstenfeldbrucker. Vorschriftsgemäß ging er zum Parkautomaten und zog ein Tagesticket für zwei Euro. Dass es noch einen weiteren Kassenautomaten gab, den er für die von ihm gewählte Parkzone eigentlich hätte benützen müssen, bemerkte er nicht.

„Ich ging zum Arzt und zum Bäcker und dachte, ich kann alles locker erledigen“, so Burger. Als er zu seinem Auto zurückkehrte, klemmte ein Strafzettel am Scheibenwischer: zehn Euro Verwarnungsgeld. Die Parkraumüberwacherin war erst ein paar Autos weiter. „Sie hatte den nächsten schon erwischt.“ Burger sprach die Frau an. Sie erklärte ihm die Situation. „Ich bin ja kein Park-Ignorant.“ Der 47-Jährige erklärte, dass er aus Versehen das falsche Ticket gezogen hatte. Erweichen ließ sich die Überwacherin allerdings nicht. Das Knöllchen wurde nicht zurückgenommen. Markus Burger sprach auch persönlich im Fürstenfeldbrucker Rathaus vor. Er hoffte auf eine Regelung auf Kulanz-Basis – vergebens.

Es sind vor allem die nicht eindeutigen und deshalb auch irreführenden Regelungen in der Tiefgarage, die Markus Burger und andere stören. „Zwar hängt neben einem der Automaten ein kleiner, laminierter Zettel, der auf den anderen Kassenautomaten verweist.“ Diesen hätte er aber nicht als offizielle Mitteilung erkannt und ihn deshalb nicht gelesen. Sauer stößt dem 47-Jährigen auch der Schilderwald in der Garage auf sowie die Verkehrsführung. Eindeutige Bodenmarkierungen würden das Tarifchaos beim Parken und die Verkehrsführung entschärften. Sein Vorschlag: Verschiedene Stellplatzbereiche könnten verschiedene Farben bekommen. Derzeit gibt es zwar Markierungen für den P&R-Bereich. Die sind aber völlig verblasst. Markus Burger spricht sicher vielen aus der Seele, wenn er hier Handlungsbedarf sieht.

Auch Kunden und Standbetreiber des Bauernmarktes fordern die Stadtverwaltung auf, das Parken besser zu regeln. Der Markt findet in der Tenne des Veranstaltungsforums statt. 600 Parkplätze stehen am Kloster Fürstenfeld zur Verfügung. Klingt viel, ist aber ein Klacks, wenn auf dem Areal gleichzeitig Großveranstaltungen mit Zigtausenden von Besuchern laufen. Bei den Gartentagen etwa, oder zuletzt bei der Comic-Messe Animuc oder der Erlebniswelt Fliegenfischen ist der Parkplatz voll. Wachleute weisen die Bauernmarktbesucher ab. „Die Kunden fahren zum Teil wieder heim und kommen nur teilweise mit dem Rad wieder“, berichtet Dolores Beischl, Geschäftsführerin des Marktbetreibers Bauernquelle. „Andere gehen in den Supermarkt.“ Die Standbetreiber würden die Veranstaltungen deutlich spüren. „Normalerweise ist am Samstag um halb zehn eine lange Schlange am Gemüsestand. Bei der Animuc war niemand da.“

Mehrfach hat die Bauernquelle sich an OB Erich Raff und Fürstenfeld-Chef Norbert Leinweber gewandt. Ihr Vorschlag: Kurzzeitparken auf einem Teil der Stellflächen. So fänden Messebesucher und Marktkunden Platz. OB Raff hält das für logistisch nicht machbar. Zum einen müsse man extra Kontrolleure anstellen, die prüfen, ob die Bauernmarkt-Kunden wirklich nur kurz parken. „Und dann spricht es sich schnell rum, und alle sagen, sie wollen nur zum Markt.“

Auch Leinweber hält Extra-Parkplätze für die Marktbesucher für unnötig. Sie könnten an diesen Tagen auch früher kommen. „Oder sie müssen halt mal ein paar 100 Meter laufen.“ Wenn Großveranstaltungen den Stadtsaalhof blockieren, haben die Stand-Besitzer zudem Probleme, ihre Kühl-Fahrzeuge zu parken. Die stehen normalerweise im Innenhof. Hier arbeitet man derzeit an einer Lösung. Eine Fläche vor dem Bauernmarkt soll mit Rasengittersteinen befestigt und mit Stromanschlüssen versehen werden. Die Kostenfrage muss noch geklärt werden.

Vor der Trauerfeier Parkscheibe nicht vergessen

Wenn man zur Beerdigung eines lieben Menschen muss, ist man oft in traurigen Gedanken versunken. So ging es auch Ricarda Prenzel. Dass sie am Parkplatz bei der Aussegnungshalle des Waldfriedhofes eine Parkscheibe ins Auto hätte legen müssen, übersah sie. Als die 53-Jährige mit ihrem Mann von der Trauerfeier zurück kam, prangte ein Knöllchen an der Frontscheibe. Ricarda Prenzel wurmt das massiv. „Der Parkplatz fällt sonst nicht gerade wegen Überfüllung auf. Er ist nur bei Trauerfeiern gut besucht.“ Sie mutmaßt, dass deshalb nur kontrolliert werde, wenn eine Beerdigung sei. „Wir zahlen natürlich dieses Bußgeld. Allerdings sind wir menschlich enttäuscht, dass die Stadt es nötig hat, vor dem Friedhof Strafzettel zu verteilen.“ Den Verdacht, nur bei Beerdigungen zu kontrollieren, weist die Stadtverwaltung entschieden zurück.

 Allerdings war aber in der letzten Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Verkehr und Tiefbau genau dieser Parkplatz ein Thema. Zwar soll die Parkscheibenpflicht beibehalten werden – zum Schutz der Friedhofsbesucher vor Dauerparkern. Doch auf Anregung von Vizebürgermeister Christian Götz (BBV) wird die Parkzeit von zwei auf drei Stunden verlängert. Birgit Thron, Leiterin des Ordnungsamtes, will außerdem an den Ausgängen zusätzliche Erinnerungsschilder anbringen lassen. „Parkscheibe gestellt?“ könnte etwa darauf stehen. Bereits jetzt entspricht die Beschilderung den gesetzlichen Vorgaben, wie Stadt-Sprecherin Susanna Reichlmaier erklärt. Im Übrigen gebe es am Waldfriedhof zwei Parkplätze, einen mit begrenzter Parkzeit, einen mit unbegrenzter. Jeder Autofahrer könne also wählen, welcher für seine Belange der richtige sei. Das sei extra so eingerichtet worden, um allen Friedhofsbesuchern gerecht zu werden. (imu, seo, chr)

Lesen Sie auch: Bürger greifen zur Selbsthilfe - und parken einfach die ganze Ortsdurchfahrt zu

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