Tragödie in Dachau

Dreijährige stirbt bei Unfall: Mutter steht vor Gericht

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Zwei Kilometer von der Unfallstelle entfernt wurde die Leiche eines dreijährigen Mädchens gefunden.

Eine Dreijährige ist im Oktober in Dachau aus einem Auto in einen Bach geschleudert worden und gestorben. Am Dienstag beginnt der Prozess gegen die Mutter und deren Verlobten.

Dachau – Es war 5 Uhr früh am 20. Oktober 2016, als der Citroën auf der A 8 in Richtung Stuttgart fuhr. Am Steuer saß ein 33-jähriger Ungar. Direkt hinter ihm hatte seine gleichaltrige Verlobte auf der Rückbank Platz genommen, auf ihrem Schoß schlummerte die dreijährige Tochter der Frau aus einer früheren Beziehung. Der Mann war angeschnallt, Mutter und Tochter waren es nicht.

Seit 17 Uhr des Vortages war die Familie unterwegs. Sie waren im ungarischen Pécel, ihrer Heimatstadt, losgefahren. Bis zum Ziel der Reise, ihrem Wohnort Heidenheim, waren es noch 140 Kilometer. Zu viel für den Mann am Steuer.

Der Fahrer war am Steuer eingeschlafen

Wie er später bei der Polizei angab, wusste er, dass er zu müde war. Er wollte einen Parkplatz ansteuern. Doch er tat es nicht rechtzeitig. Mit fürchterlichen Folgen. Der 33-Jährige verließ die Autobahn an der Anschlussstelle Dachau-Fürstenfeldbruck und steuerte seinen Wagen auf die B 471 in Richtung Dachau. Wenige Sekunden später schlief er ein. Der Citroën kam nach rechts von der Straße ab, schlingerte auf die Leitplanke, hob ab und schlug in etwa zwei Metern Höhe in die angrenzenden Bäume ein.

Das Kind und die Frau wurden bei dem Aufprall aus dem Auto geschleudert. Nur 15 Minuten nach dem Unfall waren über 50 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW und BRK an der Unglücksstelle. Der Fahrer hatte sie noch verständigen können, bevor er bewusstlos wurde. Die Retter fanden ihn und seine Verlobte, beide schwer verletzt. „Am Unfallort lagen ein Kindersitz und Kinderschuhe“, erinnert sich der Sprecher der Polizei Dachau, Roland Itzstein. Es musste also ein Kind im Fahrzeug gewesen sein. Und es musste in den angrenzenden, schnell fließenden Gröbenbach gefallen sein. Die Helfer wussten: Jetzt zählt jede Sekunde.

Das dreijährige Mädchen überlebte trotz Reanimation nicht

17 von ihnen suchten das Gewässer in einem Schlauchboot und zu Fuß ab. Ein Hubschrauber mit Wärmebildkamera unterstützte sie. Nach einer Stunde entdeckte ein Retter endlich das Mädchen in Ufernähe – zwei Kilometer vom Unfallort entfernt. „Wir haben gleich angefangen, das Kind zu reanimieren. Herzdruckmassage und Beatmung im Wechsel, 15 Mal drücken, zweimal beatmen, immer wieder“, sagte damals BRK-Rettungsassistent Manuel Mertl. Vergeblich. Der Notarzt konnte nur noch den Tod feststellen.

Am Dienstag wird der tragische Unfall vor dem Amtsgericht Dachau strafrechtlich aufgearbeitet. Die Mutter und ihr Verlobter sind wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Für Richter Christian Calame ein schwerer Fall.

 Er hatte Strafbefehle erlassen und darin Geldstrafen in Höhe von 2400 Euro gegen die Mutter sowie 7200 Euro gegen den Verlobten verhängt. Beide haben dagegen Einspruch eingelegt. Doch sie haben keinen Anwalt. Und sie sprechen kaum Deutsch. Richter Calame ist sich sicher, dass die beiden seelisch vollkommen erschüttert sind. Zeugen hat er nicht geladen. Mit Hilfe eines Dolmetschers möchte er mehr über die Angeklagten erfahren. Um das Unglück zumindest strafrechtlich abzuschließen.

von Thomas Zimmerly

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