Amtsgericht verhängt lange Haftstrafen

Duo prügelt sich vor Disco mit Krücken in den Knast - eine Frage bleibt aber offen

Ein Duo hat sich vor einer Wolfratshauser Disco geprügelt. Das Amtsgericht hat dafür lange Haftstrafen verhängt. Eine Frage konnte der Richter aber nicht klären.

Wolfratshausen – Sieben Zeugen schilderten die Tat anschaulich aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Der Richter fällte sein Urteil – „schuldig der gefährlichen Körperverletzung“ – und verhängte Haftstrafen von 16 und 18 Monaten. Eine wesentliche Frage blieb jedoch bis zuletzt unbeantwortet – die Frage nach dem Motiv: Warum zetteln zwei junge Männer, die mit zwei Mädels im Auto durch die Nacht fahren, unvermittelt eine Schlägerei mit friedlichen Discobesuchern an, die zu Fuß auf dem Heimweg sind?

Der Vorfall liegt schon länger zurück. Tatzeit war der 26. November 2016 gegen 3.30 Uhr. Ein früherer Verhandlungstermin war geplatzt, weil die Angeklagten, ein Wolfratshauser (24) und dessen Freund (22) aus dem Raum Altötting, nicht vor Gericht erschienen waren. Per Haftbefehl wurden sie gesucht, Anfang Dezember vorigen Jahres klickten in Dortmund die Handschellen. Die Zeit bis zur Verhandlung verbrachten die Beschuldigten in Untersuchungshaft.

Das ist für sie kein neues Gefühl. Trotz ihres jungen Alters verfügen beide bereits über mehrjährige Knasterfahrung. Vielleicht liegt darin ein Grund für die Skrupellosigkeit, mit der sie in der Tatnacht einen Lenggrieser (19) und einen Bad Heilbrunner (20) krankenhausreif geprügelt hatten. „Er ist selbst erschrocken über das, was er gemacht hat, und wie aggressiv er war“, erklärte die Verteidigerin des Altöttingers.

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Als die Gruppen auf dem Hans-Urmiller-Ring zusammentrafen, stieg der unter dem Einfluss von Alkohol und Kokain stehende 22-Jährige aus dem Auto, schubste den Bad Heilbrunner zu Boden und setzte sich wieder auf den Beifahrersitz. Als der ebenfalls betrunkene Jugendliche daraufhin ans Autofenster klopfte („Ich wollte, dass er sich entschuldigt“) eskalierte die Situation. Der Altöttinger „sprang durchs Autofenster, dann ging’s schon los mit der Schlägerei“, berichtete ein unbeteiligter Zeuge (19). Ein anderer Beobachter sah „gezielte Kicks mit dem Fuß gegen den Kopf“.

Trotzdem gelang es den Discobesuchern, den Schläger zu Boden zu bringen. Das war das Signal für den bis dahin unbeteiligten Wolfratshauser, seinen Freund „rauszuhauen“. Der 24-jährige, frisch am Knie operiert, humpelte aus dem Wagen und drosch mit seinen Krücken auf den Lenggrieser ein. Das Opfer, das den Streit nur hatte schlichten wollen, erlitt Platzwunden an Hinterkopf und Stirn, die mit sechs Stichen genäht werden mussten. Die Schläger fuhren davon, wurden aber von der Polizei auf der B11 gestoppt.

Richter Helmut Berger verurteilte den Wolfratshauser, gegen den eine zusätzliche Anklage wegen Verstoßes gegen Bewährungsauflagen anhängig war und der seit seiner Festnahme eine achtmonatige Haftstrafe wegen Diebstahls absitzt, zu weiteren 18 Monaten Gefängnis. Sein Freund, zur Tatzeit ebenfalls unter offener Bewährung, wurde unter Einbeziehung der letzten Strafe zu 16 Monaten Haft verurteilt. Er bekam erneut eine Bewährungschance. Als Auflage muss er 160 Sozialstunden ableisten, eine Suchttherapie beginnen und durch Tests nachweisen, dass er weder Alkohol noch sonstige Drogen konsumiert.

„Warum haben sie in der Nacht angehalten? Waren sie auf Krawall gebürstet? Einfach übermütig? Die Bitte um Entschuldigung war wohl eine willkommene Einladung“, suchte der Richter nach einer Erklärung für die „enorme Aggressivität und Brutalität“ der beiden Angeklagten. „Keiner weiß, warum.“

rst

Rubriklistenbild: © dpa / Wolfgang Kumm

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