Unfassbarer Fall vor Gericht

88-Jährige missbraucht: Berufsverbot für Pfleger

Ebersberg – Er hatte die Bettlägerige abgedeckt und an der 88-Jährigen sexuelle Handlungen vorgenommen. Dafür erhielt Vaclav S. (52) Berufsverbot und zehn Monate Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur dreijährigen Bewährung.

S. ist Pfleger, die Tat geschah in einem Heim im Osten von München.

Dem Ebersberger Opfer blieb vor Gericht eine Aussage erspart. Sie musste nicht erzählen, dass sie der 52-jährige, einschlägig vorbestrafte Pfleger abgedeckt hatte und sie nur im Nachthemd hilflos vor ihm lag, als er ihr zwischen die Beine griff, um sich zu erregen. Wegen sexuellen Missbrauchs kranker Menschen war der Deutsch-Pole aber bereits einmal rechtskräftig verurteilt worden. Vor Gericht räumte er den Vorwurf schließlich nach längeren Rechtsgesprächen zwischen seinem Anwalt Claus Pinkerneil, der Staatsanwaltschaft und Richterin Susanne Strubl ein. Zur Sprache kamen auch Einzelheiten, die die Ehefrau des 52-jährigen Angeklagten, die mit im Gerichtssaal saß, mit stoischer Miene zur Kenntnis nahm.

Die Geschäftsführung des Pflegeheimes war durch einen „vagen Hinweis“ aufmerksam geworden, den „ein sehr sensibler Mitarbeiter“ sofort weitergeleitet hatte. Die Heimleitung wurde umgehend verständigt und auch die Polizei. So kam der Fall ins Rollen.

Vaclav S. wurde zu zehn Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur dreijährigen Bewährung sowie zu einem Berufsverbot von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt. In dieser Zeit darf er keine Frauen im Alter von über 60 Jahren mehr pflegen.

Richterin Strubl machte darauf aufmerksam, dass das Urteil nur deswegen so milde ausgefallen sei, weil der Angeklagte ein volles Geständnis abgelegt habe. Auch Verteidiger Pinkerneil wies in seinem Plädoyer darauf hin, dass die Aussagen des Opfers sehr wohl ungeklärte Fragen aufgeworfen hätten. Der Zeitpunkt der Tat konnte nicht genau festgelegt werden und auch die Wirkung der Medikamente, die das Opfer nehmen musste, hätten untersucht werden können. „Wenn man in einem Pflegeheim ist, erwartet man eigentlich Schutz und Behütung“, sagte Strubl.

Der Angeklagte muss die Kosten des Verfahrens tragen und wurde außerdem mit einer Geldbuße von 1700 Euro belegt, die er in Monatsraten an den Landesverband für Gefangenenbetreuung überweisen muss.

Michael Seeholzer

Rubriklistenbild: © dpa

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