Sie wirken harmlos

Achtung! Diese gewöhnlichen Gartenpflanzen können tödlich sein

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Die Eibe (hier im Englischen Garten in München) ist schön anzusehen, aber sehr giftig. 

Die Gefahr lauert vor der eigenen Haustüre. Vermeintlich harmlose Pflanzen im Garten können tödlich sein. Daher gilt die Devise: Beschauen – nicht kauen!

Ebersberg – „Ich war in meinem Leben nie krank“, erzählt der rüstige 83-Jährige. Bis vor vier Jahren. Da hatte im Frühjahr ein Sturm einen Baum im Süden des Landkreises umgeworfen, den der Landwirt später auf seinem Hof mit der Kreissäge zu Brennholz machte. Stunden danach ging es ihm plötzlich so schlecht, dass er einen Arzt aufsuchen musste. Es begann die Suche nach der Ursache seines Zustandes.

Offensichtlich hatte der Mann eine schwere Vergiftung erlitten. Der Baum, den er zusammen geschnitten hatte, war eine Eibe, die aufgrund des Frühjahrs bereits gut im Saft stand. Eibensaft hat aber das Potenzial, unter Umständen einen Menschen innerhalb kurzer Frist zu töten.

Austragsbauer muss 14 Monate Cortison nehmen

„Meine Haut, meine Fingernägel und Fußnägel wurden ganz gelb, mit fielen die Haare aus und die Zähne.“ 14 Monate lang habe er hohe Dosen von Cortison erhalten. Als sich schließlich verdichtete, dass die Arbeit mit der Eibe die mögliche Ursache für seinen Zustand war, meinte der Apotheker, bei dem er die Medikamente holte, überrascht: „Und da lebst du noch?“ Inzwischen hat sich der Austragsbauer erholt.

Die Gartenbauvereine wissen um die Gefahren, die in einer Eibenhecke stecken können. „Diese Bäume neben einem Kinderspielplatz zu pflanzen, ist ganz falsch“, sagt der Vorsitzende des Grafinger Obst und Gartenbauvereins Franz Heider. „Es gibt Listen für Spielplätze, was man dort nicht pflanzen darf“, informiert Tina Feuerbacher vom Landschaftspflegeverband Ebersberg.

Auch rohe Hollerbeeren sind giftig

Allerdings, so Heider, gebe es eine Menge von Pflanzenarten in den Hausgärten im Landkreis, die eine erhebliche Giftigkeit aufweisen würden. „Dazu gehört zum Beispiel der Holler“, sagt Heider. Seine eigene Tochter habe sich einmal mit rohen Hollerbeeren vergiftet. „Wir wussten zuerst nicht, was sie gegessen hatte.“ Selbst grüne Tomaten seien giftig. „Das gilt für alle Nachtschattengewächse.“

Friederike Mugele, Vorsitzende des Kreisverbandes für Gartenbau und Landespflege im Landkreis Ebersberg, wird vor den Grafinger Gartlern bei deren Frühjahrsversammlung Mitte Mai einen Vortrag halten zum Thema „Giftige Pflanzen im Garten“, informiert Heider. Dieser Informationstag werde auch in Vaterstetten angeboten.

Früher gab es im Voralpenraum große Eibenbestände. Weil das Holz aber im Mittelalter zum Bau von Langbögen massenhafte Verwendung fand, ist der Bestand stark geschrumpft. Inzwischen hat die Eibe eher den Status einer Parkpflanze, die auch auf Gottesackern gerne steht, als typische Friedhofspflanze. „Die Eltern sollten ein Wissen um die Giftigkeit haben“, sagt Heider.

Eibensaft in der Medizin

Bei dem Gift der Eibe handelt es sich um einen ganzen Wirkstoffcocktail, der unter dem Namen Taxine zusammengefasst wird. Diese greifen alle Organe an, bei einer Genesung einer vergifteten Person bleiben in der Regel schwere Leberschäden zurück, wird in der Fachpresse gewarnt. Kurios: Die einzigen Teile einer Eibe, die ungiftig sind, sind ausgerechnet deren Pollen und Beeren. Allerdings sollte man sein Glück nicht herausfordern, denn die in den Früchten enthaltenen Samen sind bereits wieder hochtoxisch.

In der Medizin wird Eibengift bei Tumorerkrankungen eingesetzt – allerdings erst als eine der letzten Optionen, wegen der starken Nebenwirkungen. Schon 100 Gramm Eibennadeln können ein ausgewachsenes Pferd töten.

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