Giftskandal erschüttert Oberbayern

Krebserregenden Stoff in Kiesgrube entsorgt

Ebersberg - Ein Giftskandal erschüttert Oberbayern: Im Landkreis Ebersberg wurde eine Kiesgrube von einem Kraillinger Unternehmen als billige Entsorgungsmöglichkeit missbraucht.

Vor 14 Monaten wurde dem 46-jährige Geschäftsführer einer Entsorgungsfirma ein Amt zuteil - Vorsitzender im Umweltausschuss der IHK Oberbayern. Nun ist paradoxerweise sein Unternehmen im Fokus eines Umweltskandals: Es geht um seit Jahren widerrechtlich ausgebrachte krebserregende Stoffe!

Die Ermittlungen gegen die Firma, die TechnoSan, hatte ein Gutachter ausgelöst: Vom Chef einer Mühldorfer Bauschuttgrube bestellt, fand der Experte, dass kontaminiertes Material eingelagert worden war, Material, für das die Grube nicht ausgelegt ist. „Erde, Steine, mit polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, kurz PAK, versetzt“, zitierte der Mühldorfer Anzeiger den Grubenchef. PAK ist krebserregend und war bis in die 70-er im Teer enthalten. In der Folge widerrief das Landrats­amt im benachbarten Altötting die Betriebsgenehmigungen für die TechnoSan, die Staatsanwaltschaft und die Kripo Mühldorf schalteten sich ein. Es folgten Razzien, auch am Hauptsitz der Firma in Krailling. Stefan Sonntag , Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd: „Ermittelt wird wegen Betrugs und wegen Umweltdelikten. Man kann hier von einem Umweltskandal sprechen.“ Das System könnte so funktioniert haben: Ein Abruchunternehmer liefert der TechnoSan belastetes Material und zahlt für die Entsorgung den entsprechenden Preis. TechnoSan gibt vor, den Schutt zu reinigen, macht dies aber nicht oder nur teils. Selbst zahlt die Firma nun einen weit niedrigeren Preis für die Lagerung an den Deponiebetreiber, der glaubt, er bekomme sauberen Schutt.

Dass die Masche alles andere als harmlos ist, belegt die Höhe der Grenzwertüberschreitungen: Maximal fünf Milligramm des krebserregenden PAK dürfte etwa das in Mühldorf eingelagerte Material pro Kilo enthalten. Tatsächlich war es bis das 50-fache! Dies teilte das bayerische Umweltministerium dem Grünenlandtagsabgeordneten Christian Magerl mit. Und: TechnoSan hat alleine seit 2011 gut 20 000 Tonnen Teerbruch in Mühldorf angeliefert. Mit welchem Gewinn, lässt sich erahnen. Magerl zur tz: „Der Preis pro Tonne belastetes Material liegt bei 700 Euro.“ Wieviele Deponien betroffen sind, ist unklar. TechnoSan soll aber in Oberbayern einige nutzen.

mc

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