"Heil-Hitler-Anwältin" ist wieder auf freiem Fuß

Sylvia Stolz verteidigte einst Holocaust-Leugner Ernst Zündel.

Ebersberg - Die Ebersbergerin Sylvia Stolz ist aus dem Frauengefängnis in Aichach entlassen worden. Dort saß die wegen Volksverhetzung verurteilte 47-Jährige eine mehrjährige Haftsstrafe ab.

Ihre Fans haben vor dem Gefängnistor gewartet. Aber viele sind dem Vernehmen nach nicht nach Aichach in der Nähe von Augsburg gekommen. Schon während der quälend langen Zeit, die Sylvia Stolz in Mannheim vor Gericht stand, war die Schar ihrer nicht mehr ganz jungen Anhänger von Verhandlungstag zu Verhandlungstag überschaubarer geworden. Wegen Volksverhetzung verurteilte das Mannheimer Landgericht die Ebersbergerin im Mai 2009 zu 39 Monaten Haft - drei Monate weniger als das ursprüngliche Strafmaß, das der Bundesgerichtshof unter Verweis auf kleinere Rechtsfehler aufgehoben hatte.

Da Stolz seit ihrer ersten Verurteilung im Januar 2008 inhaftiert war, hat sie schon die volle Strafe abgesessen. Eine vorzeitige Entlassung dürfte bei ihr kein Thema gewesen sein: Dafür wären Reue und Einsicht zwar keine gesetzlich vorgeschriebenen, aber praktisch recht hilfreiche Voraussetzungen.

Ihre zweifelhafte Berühmtheit erlangte die bis dato unbekannte Anwältin, als sie 2005 in Mannheim Holocaust-Leugner Ernst Zündel verteidigte. Stolz wurde wegen ständiger Störmanöver schreiend aus dem Gerichtssaal getragen und aus dem Prozess ausgeschlossen, einen Beschwerdebrief an das Oberlandesgericht unterschrieb sie mit „Heil Hitler“, nannte sich „Geschäftsführerin des Dritten Reiches ohne Auftrag“ und zeigte nach Verkündung des Urteils gegen sie den Hitlergruß.

Jetzt ist Sylvia Stolz also frei. Als Anwältin darf die 47-Jährige einstweilen nicht arbeiten, gegen sie ist auch ein zehnjähriges Berufsverbot verhängt worden. Horst Mahler, nach eigenen Angaben ihr Verlobter, sitzt noch lange im Gefängnis. Als Wiederholungstäter wurde er zuletzt in Potsdam wegen Volksverhetzung und anderer Delikte zu zwölf Jahren Haft verurteilt. Nach Verbüßung seiner Strafe wäre Mahler 85 Jahre alt. Sollte Stolz erneut den Holocaust leugnen, den Hitlergruß zeigen oder sonstigen Neonazi-Unfug veranstalten, wäre das wohl Sache der bayerischen Justiz - sie hat ihren Wohnsitz in Ebersberg bei München. Bei der Mannheimer Staatsanwaltschaft liegt nichts mehr gegen Stolz, wie Sprecher Andreas Grossmann auf Anfrage sagt. Das Bedauern darüber wird sich in der Kurpfalz in sehr engen Grenzen halten.

Von Steffen Mack

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