1. tz
  2. München
  3. Region

„Politische Neider mit wollüstiger Niedertracht“: Bürgermeister-Eklat auf Echinger Weihnachtsfeier

Erstellt:

Von: Ulrike Wilms

Kommentare

Echings Bürgermeister Sebastian Thaler mit Mikro
Echings Bürgermeister Sebastian Thaler holte jetzt zum emotionalen Rundumschlag aus. (Archivbild) © Oestereich

Echings Ortschef Sebastian Thaler hat bei einer Weihnachtsfeier Teile des Gemeinderats scharf verurteilt. Dann verließ nicht nur er die Feier vorzeitig.

Eching – Überraschender Eklat bei der Weihnachtsfeier des Echinger Gemeinderats nach der letzten Sitzung des Jahres: Das Beisammensein mit festlichem Menü im Olymp-Restaurant hatte am Dienstag noch gar nicht richtig begonnen, da verließ Bürgermeister Sebastian Thaler die Veranstaltung schon wieder.

Eklat auf der Weihnachtsfeier: Echings Ortschef holt zum Rundumschlag aus

Zuvor hatte der Ortschef, der mit seiner Frau und dem kleinen Sohn gekommen war, zum emotionalen Rundumschlag gegen den Gemeinderat und einzelne, namentlich nicht genannte Ratsmitglieder ausgeholt: Er wolle, so Thaler, nicht mit Räten an einem Tisch sitzen, deren teilweise unmenschliches Vorgehen ihn „regelrecht anwidert“, und die „ich in gewisser Weise verachte“. Auf diese Art und Weise spare sich die Kommune auch die Ausgaben für das Essen.

Diese letzte Äußerung lässt sich als eine sarkastische Anspielung auf das in jüngster, nichtöffentlicher Sondersitzung beschlossene Prozedere eines Klageverfahrens gegen seine Person deuten. Mit diesem Rechtsmittel will der Gemeinderat versuchen, verauslagte Gerichts- und Prozesskosten – die Rede ist von gut 70.000 Euro – von Thaler zurückzufordern.

Thalers Bilanz: Eching „steht gut da“ – nach schwierigem Jahr

Nach dem Ortswechsel vom Rathaus ins Restaurant hatte der Bürgermeister zunächst ein schwieriges Jahr 2022 bilanziert, nannte aber mit Bau der Tennishalle, Umbauten im Dietersheimer Bürgersaal und Feuerwehrhaus, Spatenstich für das Feuerwehrhaus in Günzenhausen einschließlich dortiger Sportanlage, Zertifizierung als fahrradfreundliche Kommune, Neuauflage eines aufgestockten Bürgerhaushalts, Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED-Technik und weiteren Themen ein ganzes Bündel wichtiger Projekte, die fertiggestellt oder angestoßen seien.

„Die Gemeinde steht gut da“, befand er, vor allem auch finanziell. 2021 habe es mit über 15 Millionen Euro ein bis dato noch niemals erreichtes Gewerbesteueraufkommen gegeben, 2022 lasse eine ähnliche Größenordnung vermuten.

„Existenz zerstören“: Thaler im Fadenkreuz politisch motivierter Angriffe?

Allerdings, so führte Thaler dann aus, seien es weniger diese (erfreulichen) Fakten, die sich im Fokus des öffentlichen Interesses befänden, sondern seine Person. Er arbeite hart und gerne für die Gemeinde, aber als Dank dafür setzten Ratsmitglieder vor einem politisch motivierten Hintergrund „alles daran, mich und die Existenz meiner Familie zu zerstören“.

Ich wünsche niemandem, unverschuldet in eine solche Lage zu kommen.

Sebastian Thaler

Zur Veranschaulichung seiner Befindlichkeit las er eine allegorische, jüdische Erzählung vor über die Wahrheit, die nackt, dunkel, einsam und traurig ist, und das dazu kontrastierende Märchen, das in bunten Gewändern über den Dingen schwebt und sie verhüllt. Darin erkennt er Parallelen zu erhobenen Vorwürfen und Anzeigen gegen sich, „bei denen sich auch viele von Märchen verzaubern lassen“, und die allesamt „einen politischen Hintergrund haben“. Sie würden „von politischen Neidern mit wollüstiger Niedertracht angestoßen“, sagte Thaler wörtlich und weiter: „Ich wünsche niemandem, unverschuldet in eine solche Lage zu kommen.“

(Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Freising-Newsletter.)

Thaler mit Gegenschlag – und einem vielsagenden Beispiel

Es sei nicht weiter verwunderlich, wenn sich für politische Ämter bald keine fähigen Personen mehr finden würden. Thalers von verzweifelter Bitterkeit geprägter Generalangriff war namentlich nicht konkretisiert, nahm aber deutlich Bezug auf Online- und Social-Media-Beiträge mit diskreditierenden Absichten, Stimmungsmache und Vorverurteilungen.

Seine Bemerkung in die Runde im Weggehen „wenn wieder jemand meint, dass unser Sohn am Abend zu lange aufbleibt, die Nummer vom Jugendamt haben Sie ja“ spielte darauf an, womit sich seine Familie auseinandersetzen muss.

Auch CSU-Sprecher verlässt Feier vorzeitig: Betroffenheit nach Abgang

Unmittelbar nach den Thalers verließen auch CSU-Fraktionssprecher Georg Bartl und seine Frau die Gaststätte. Zurück blieben Betroffenheit und Ratlosigkeit, bei den amtierenden Gemeinderäten mit ihren Partnern, ebenso wie bei den geladenen Gästen, ehemaligen Ratsvertretern und Ehrenbürger. Mit einem derartigen Affront hatte keiner gerechnet: Im Vorfeld hatte Thaler nichts durchblicken lassen.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Freising finden Sie auf Merkur.de/Freising.

Auch interessant

Kommentare