Afrikanischer Spieler soll abgeschoben werden

Echinger Kicker: Wir wollen unseren Hansi behalten

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Die 1. Mannschaft des TSV Eching mit ihrem Stürmer Hansi: „Wir kämpfen für ihn!“

Vor 18 Monaten stand Asylbewerber Diop Yakhya am Zaun des Trainingsgeländes vom TSV Eching und fragte, ob er mitspielen dürfte. Er durfte, und integrierte sich bestens in den Klub. Jetzt machen sich viele im Ort Sorgen um ihren Hansi. Der 21-Jährige soll nämlich abgeschoben werden.

Eching - Genau 18 Monate ist es her - da stand Diop Yakhya plötzlich am Zaun des Trainingsgeländes vom TSV Eching. „Kann ich mitspielen“, fragte der Senegalese schüchtern. Klar durfte er. Man besorgte dem Asylbewerber sofort Fußballschuhe, einen Trainingsanzug - los ging’s.

Und weil irgendwie jeder Probleme hatte, sich den Namen des Gastes zu merken, verpasste der sich gleich selbst einen Spitznamen: Hansi. „Er ist freundlich, hilfsbereit und bescheiden“, erzählt Trainer Willi Kalichmann. „Jeder hat ihn sofort ins Herz geschlossen.“ Wie gesagt: 18 Monate ist das nun her. Jetzt machen sich viele im Ort Sorgen um ihren Hansi. Der 21-Jährige soll nämlich abgeschoben werden. Schon in drei Monaten.

„Als wir das hörten, war das echt ein Schlag für uns“, erklärt Trainer Kalichmann. „Der Bursche ist ein guter Mensch. Hier schickt man absolut den Falschen weg.“ So sieht es der ganze Verein. Auch Arbeit hätte man dem jungen Spieler zigfach besorgen können. Viele Firmen in der Region boten an, Hansi sofort bei sich einzustellen. „Er lernte ja auch noch blitzschnell Deutsch“, so sein Trainer.

Nur: Asybewerber dürfen nicht arbeiten. So lebt der Senegalese von 80 Euro staatlichem Taschengeld. Im Monat. Die neue Entwicklung, sie macht den jungen Mann traurig: „Ich wollte mir hier etwas aufbauen. Viele Freunde habe ich schon“, erzählt Hansi der tz - und fügt leise an: „Ich habe eine neue Familie hier - nach all dem Horror.“

Hansi.

Der Afrikaner hatte für seine Flucht aus der Hauptstadt Dakar nach Deutschland wahrlich gute Gründe. Sein Vater - ein politisch engagierter Lehrer - wurde von Rebellen erschossen. Wenig später starb seine Mutter, dann die Schwester. „Ich musste weg aus meiner Heimat. Es war zu gefährlich“, sagt er. Über Italien ging es ganz alleine nach Deutschland. Irgendwann saß Diop Yakhya in einem Asylbewerberheim in Hallbergmoos. „Und weil ich zwei Jahre im Senegal in der 1. Liga gespielt habe, suchte ich dann einen Fußballplatz. Um irgendetwas zu tun.“ Wenig später stand er am Zaun vom TSV Eching. Der Verein spielt in der Landesliga.

Dort will man nun alles tun, um vielleicht die Abschiebung doch noch zu verhindern. Am Donnerstag hat der Verein eine Hauptversammlung einberufen, um Unterschriften für Hansi zu sammeln. Diese sollen ans Ministerium geschickt werden. „Wir geben nicht auf. Der Bursche gehört zu uns“, sagt Trainer Kalichmann. „Der will nicht vom Staat leben. Der will niemanden zur Last fallen. Der will einfach nur ein Leben.“ Ja, das hätte er hier.

Sicherer Senegal?

Der Senegal (14,3 Millionen Einwohnern) gilt als „sicheres Herkunftsland“, so die Behörden. Einen „offiziellen“ Krieg gibt es in dem westafrikanischen Land nicht. Dennoch warnt das Auswärtige Amt auf seiner Internetseite, dass in vielen Teilen des Landes „seit Jahren eine islamistische terroristische Bedrohung besteht“. In der Hauptstadt Dakar komme es zudem oft zu „kriminellen Übergriffen“. Das Land selbst ist noch jung: Am 20. August 1960 wurde der Senegal unabhängig - er wurde zu einem der wenigen demokratischen Staaten Afrikas. 13 558 Senegalesen sind im Jahr 2015 geflohen und haben einen Asylantrag in anderen Ländern gestellt..

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