Gasthaus Doll

Warum die Besitzerfamilie  um den Erhalt der Endlhauser Dorfwirtschaft kämpft

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Pächterwechsel: Mehrere Wochen war das Gasthaus Doll geschlossen. Die gelben Aufkleber sind inzwischen verschwunden. Voraussichtlich wird ein italienischer Gastronom die Endlhauser Dorfwirtschaft übernehmen.

Mehrere Wochen war das Gasthaus Doll geschlossen. Nun scheint ein neuer Pächter gefunden.

Endlhausen – Ein gelber Aufkleber im Schaukasten wies einige Wochen auf den Leerstand hin: „Pächter gesucht“ stand dort zu lesen, wo Gäste die Speisekarte hätten sehen sollen. Das Gasthaus Doll in Endlhausen hatte geschlossen – wieder einmal. Die gute Nachricht: In den Startlöchern steht nun ein italienischer Gastronom. „Somit könnte sich in Endlhausen bayerische und italienische Lebens- und Genussart erfolgreich verbinden“, hofft Gabrielle Doll, Sprecherin der Besitzerfamilie.

Zuvor, seit November 2015, führte eine griechische Familie das Lokal unter dem Namen Barka, nachdem es die Dolls „umfangreich renoviert“ hatten, wie ihre Sprecherin betont. „Das Essen dort war hervorragend“, sagt die 54-Jährige. Warum die Wirte aufgaben? „Sie mussten. Die Frau, die die Küche fast allein geschmissen hat, ist sehr krank geworden.“

Seit 1930 befindet sich das Gasthaus im Familienbesitz. Bis 1978 führten es Gabriele Dolls Onkel und Tante. Als die aufhörten, wurde es verpachtet – und lief noch weitere 30 Jahre sehr gut. Der erste Pächter habe das Konzept des Schnitzelwirts kreiert, erinnert sich Doll. „Schnitzel, Beilage und ein Getränk für wenig Geld. Das lief sehr erfolgreich. Es waren aber auch noch andere Zeiten.“

Der folgende Pächter – sein Vorgänger hatte aus Altersgründen aufgehört – tat sich schwer. Mit der nun wieder bayerischen Küche schaffte er es nicht, genügend Gäste in das sehr prominent und günstig an der Altkirchner Straße 1 gelegene Restaurant mit Wirtsgarten zu locken. Vor drei Jahren hörte er auf.

Nachdem nun die Griechen hatten aufgeben müssen, suchten die Dolls einen neuen Wirt. Aus den zahlreichen Bewerbern kristallisierte sich bald ein Favorit heraus, ein erfahrener Gastronom. Anfragen hatte die Besitzerfamilie viele, die meisten waren Italiener, Griechen und Asiaten aus dem Münchner Raum. Letztere schieden schnell aus. Doll glaubt „nicht, dass ein indisches Restaurant bei uns funktionieren würde“. Zumal viele Gastronomen meinten, mit wenig Kapital durchstarten zu können. „Aber das klappt nicht.“ Nur wer einen ordentlichen Business-Plan vorlege, komme überhaupt in Frage. Endlhausen ist in seinen Essgewohnheiten durchaus anspruchsvoll: Rund 500 Leute leben in der Altgemeinde, auch Gabriele Doll selbst. Sie räumt ein, dass nach der Schnitzelwirt-Phase immer weniger ihrer Mitbürger den Dorfgasthof besuchten – obwohl der Grieche mit seiner guten Küche einige von ihnen ins Lokal zurückgeholt hat.

Nun könnten es sich die Dolls leicht machen, die Gastronomie sein und Wohnungen in ihr Gebäude einbauen lassen. Vorbilder dazu gibt’s genug. Das aber wollen sie nicht. Endlhausen soll nicht das gleiche Schicksal wie Thanning oder Deining treffen. Dort haben die Gasthäuser, lange Zeit zentrale Treffpunkte, dichtgemacht. „Ein Dorf braucht einen Ort, an dem alle locker und ungezwungen zusammenkommen können“, meint Doll. „Das passiert im Biergarten oder im Gasthaus.“ Ihr ist aber klar, dass die Bedingungen für Gastronomen heute nicht leicht sind. „Du brauchst Idealismus, du brauchst Kapital, Durchhaltevermögen und du brauchst gutes Personal, damit ein Lokal funktioniert.“ Gerade letzteres sei enorm wichtig, denn der Gast wolle heute nicht mehr nur gut essen, „der will auch Entertainment“.

In diesem Sinn hofft die Familie nun, dass der künftige Pächter dem ehrwürdigen Gasthaus mit Schwung und Ideen neues Leben einhaucht. Denn „wenn wir die Wirtschaft verlieren“, sagt Gabriele Doll, „dann verlieren die Menschen im Dorf die Möglichkeit, sich gemütlich zusammenzuhocken. Aber genau dies macht doch das Leben in Bayern aus.“

peb

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