„Niemand hat je mit mir gesprochen“

Darum sorgt der geplante Dorfladen in Egmating gerade für Ärger

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Renate di Viesti (61) in ihrem kleinen Laden in Egmating. Sie fühlt sich vom Arbeitskreis Egmatinger Dorfladen übergangen. Niemand habe mit ihr Kontakt aufgenommen. 

Der Plan, in der Gemeinde Egmating einen Dorfladen ins Leben zu rufen, sorgt für Ärger. Jetzt meldet sich die Inhaberin eines bestehenden Einzelhandelgeschäfts zu Wort. Mit ihr sei nicht gesprochen worden, sagt sie.

Egmating – Renate di Viesti (61), Inhaberin des bestehenden Einzelhandelladens in Egmating, ist fassungslos und aufgebracht. Sie regt sich über die Bürgerversammlung auf und das, was dort zum geplanten neuen Dorfladen gesagt wurde. Vor allem ein Satz von Gemeinderätin Uschi Breithaupt treibt Renate di Viesti die Zornesröte ins Gesicht. Breithaupt hatte in der Bürgerversammlung behauptet, eine Zusammenarbeit des neuen Dorfladens mit di Viesti sei ausgelotet worden, jedes Gespräch mit der Ladeninhaberin sei „ergebnislos“ verlaufen (wir berichteten).

„Niemand vom Arbeitskreis Egmatinger Dorfladen hat mit mir je über eine Zusammenarbeit gesprochen“, ärgert sich di Viesti. „Jetzt ist der Punkt, an die Öffentlichkeit zu gehen“, sagt ihre Tochter Daniela Wagner (42) gegenüber der Ebersberger Zeitung.  „Niemand von denen, die jetzt einen neuen Dorfladen wollen, war jemals hier in meinem Laden“, kritisiert di Viesti. 

Niemand habe der Ladenbesitzerin ein Wort in Richtung eines neuen Dorfladens gesagt, ein Gespräch habe es schon gar nicht gegeben. „Mit keinem Mitglied des Arbeitskreises“, betont di Viesti lautstark.

Später habe sie die Entwicklung der Dorfladenidee weiter verfolgt, Berichte gelesen und sei mehrere Male auf Einladung des Bürgermeisters in der Gemeindekanzlei gewesen. „Der Bürgermeister hat mich über den Stand der Dinge auf dem Laufenden gehalten. Ernst Eberherr habe ihr auch gesagt, dass Dorfladenentwickler Wolfgang Gröll einmal bei ihr anonym im Geschäft gewesen sei, und sich eine Wurstsemmel gekauft habe. „Vorgestellt hat er sich nicht bei mir, heimlich hat er sich meinen Laden angesehen.“

Sowohl für Renate di Viesti als auch für Tochter Daniela wäre eine offene Kooperation mit dem Dorfladen-Team vorstellbar gewesen, doch: „Es kam niemand auf uns zu“. Könnte sie sich eine Vergrößerung ihres Ladens denn vorstellen? „Nein, ein Umbau kommt für mich nicht in Frage, auch nicht eine Vergrößerung der Ladenfläche. Wir hatten früher an die 200 Quadratmeter Ladenfläche, etwa 100 oben und 100 im Keller. Im Kellerbereich wurde so viel gestohlen, dass wir den unteren Bereich aufgegeben haben. Falls es zu einer Zusammenarbeit mit dem Dorfladen-Team gekommen wäre, hätte ich mir aber eine Erweiterung des Sortimentes vorstellen können.“ Wäre es für sie auch jetzt noch interessant und auch möglich, sich an einen Tisch mit der Dorfladengenossenschaft zu setzen? „Nein, sagt di Viesti schnell und energisch, „nein – jetzt auf keinen Fall mehr“.

Eine Sache ist di Viesti noch sehr wichtig: „Ich gehe weder in Rente, noch schließen wir unser Geschäft, weder jetzt noch in absehbarer Zeit. Für die Nachfolge ist gesorgt, die wollen sich di Viestis Schwester Barbara Esterl (48) und Tochter Daniela Wagner teilen. Die Schwester kann auf ihre Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau bauen, die sie ebenfalls hier im Laden absolvierte, Tochter Daniela ist als Bürokauffrau das Kaufmännische nicht fremd. „Der Laden läuft“, sagt Einzelhändlerin di Viesti, Angst vor der Zukunft hat sie nicht. „Ich habe meine Stammkunden, manche schon seit 40 Jahren“. Der Laden trage sich. Täglich kämen zwischen 60 und 80 Kunden, am Samstag seien es noch mehr“, verrät sie. „Zudem zahle ich keine Miete, der Laden gehört uns.“

Lesen Sie hier: Sie führt einen der letzten Tante-Emma-Läden Münchens – Einrichtung von 1950.

Susann Niedermaier

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