Kurioser Vermisstenfall in Grünwald

Frau soll "falsche" Leiche identifizieren

Grünwald - Sie stand schon vor der Leichenhalle, hielt ihren Ehemann für tot - und dann kam alles anders. Das ist die Geschichte einer Vermisstensuche mit höchst kuriosem Ende.

Innerlich hatte sich eine Grünwalderin schon auf das Schlimmste eingestellt. Zitternd muss sie vor der Tür der Leichenhalle einer Münchner Klinik gestanden haben. Hier vermutete die Mitfünfzigerin ihren Mann. Doch dann kam alles ganz anders.

Zusammen mit ihrem Mann betreibt die Grünwalderin ein Geschäft in München. Am vergangenen Donnerstag bleibt sie laut Polizei noch etwas länger in dem Laden. Ihr Mann macht sich schon gegen 16 Uhr mit der S-Bahn auf den Weg nach Hause. Seine Tasche samt Handy lässt der Anfang 60-Jährige im Geschäft. Normalerweise fährt er bis zur Haltestelle Höllriegelskreuth und läuft dann die wenigen Kilometer zu Fuß ins benachbarte Grünwald.

Doch als seine Ehefrau zwei Stunden nach dem Aufbruch ihres Mannes nach Hause kehrt, ist die Wohnung leer. Keine Spur von dem Grünwalder. Stunde um Stunde verstreicht ohne ein Lebenszeichen. Schließlich macht sich die Ehefrau auf den Weg zur Wache der örtlichen Polizei, um ihren Mann als vermisst zu melden.

Für die Beamten gibt es zwar noch keine Anhaltspunkte, um eine Vermissten-Fahndung einzuleiten. Trotzdem wollen sie der völlig aufgelösten Frau helfen. Sie suchen einen Fußweg an einer Brücke über der Isar ab. Doch auch hier finden die Beamten keine Spur von dem Vermissten. Sie rufen sogar bei umliegenden Krankenhäusern an, ob dort vielleicht jemand eingeliefert wurde. Doch Fehlanzeige.

Auch die Ehefrau recherchiert auf eigene Faust. Im Klinikum Großhadern in München dann die Hiobsbotschaft: Ja, es wurde soeben ein Mann ohne Ausweispapiere eingeliefert, auf den die Beschreibung haargenau passen könnte. Mit Herzklopfen macht sich die besorgte Grünwalderin auf den Weg ins Krankenhaus. Dort kommt ihr schon der Arzt entgegen und spricht ihr sein Beileid aus: „Es tut mir leid, Ihr Mann ist soeben verstorben.“ In der Leichenhalle könne sie ihren Mann identifizieren.

Der Grünwalderin stockt der Atem. Dann klingelt plötzlich ihr Telefon: Die Polizei hatte noch einmal versucht, die Grünwalderin Zuhause zu erreichen. Ans Telefon ging aber nicht sie, sondern ihr Ehemann. Er sei in der S-Bahn eingenickt und habe sich verfahren. Als er nach Hause kam und seine Frau nicht da war, habe er sich keine Gedanken gemacht, schließlich sei sie zum Essen verabredet gewesen. Völlig überrascht war der vermeintlich Vermisste, dass seine Frau verzweifelt nach ihm suchen würde. Um so größer war die Erleichterung, als die Grünwalderin ihren Mann wohlauf in die Arme schließen konnte.

Patricia Kania

 

Die irrsten wahren Geschichten der Welt

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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