Geistlicher völlig verschuldet 

Ehemaliger Mittenwalder Pfarrvikar will Menschen in Nigeria helfen - und wird zum Korruptionsopfer

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Wollte helfen, ist nun verschuldet: Pfarrvikar Gerald Njoku vor dem Seecontainer voll mit Hilfsgütern. 

Pfarrvikar Gerald Njoku wollte helfen, der Jugend in Nigeria eine neue Perspektive geben. Leider endete dieser humanitäre Versuch in einem Fiasko: Der ehemalige Mittenwalder Seelsorger sitzt nun verschuldet in seinem Heimatland.

Mittenwald/Owerri – Gerald Njoku war in Mittenwald für fünfeinhalb Jahre als fröhlicher, singfreudiger Unterstützer von Seelsorger Michael Wehrsdorf bekannt. Schon während dieser Zeit wollte der Pfarrvikar vor allem eines: Den Menschen in seiner Heimat Nigeria helfen.

Vor seinem Amtsantritt in Afrika im Januar dieses Jahres sammelte er im Oberland zahlreiche Hilfsgüter wie Kleidung, elektronische Geräte oder Möbel. In einem großen Schiffscontainer sollten die Spenden nach Nigeria verschifft werden, um mit einem Entwicklungshilfeprojekt die Armen vor Ort zu unterstützen. Doch bei der Ankunft in Port Harcourt dann das böse Erwachen. Zu den Kosten, die der Transport an sich schon ausmachte, verlangte plötzlich der nigerianische Zoll Geld. Davon nicht wenig: Über 6500 Euro sollte der Pfarrvikar nun für die Einführung der Hilfsgüter hinblättern. Für einen Geistlichen, der in Nigeria derzeit knapp 70 Euro im Monat verdiene, „eine unermessliche Summe“, wie Anette Völker-Rasor aus Penzberg weiß. Sie ist eine Helferin des dortigen Asyl-Unterstützerkreis und steht im direkten Kontakt mit dem ehemaligen Pfarrvikar aus Mittenwald.

Um die Hilfsgüter auszulösen, hat sich Njoku laut Völker-Rasor nun schwer verschulden müssen und sei jetzt „mittellos“. Das gesamte Ersparte aus seiner Zeit in Mittenwald hat Njoku „für den Transport der Hilfsgüter aufgebraucht“. Völker-Rasor spricht dabei ganz offen von der großen Korruption, die in dem Land herrscht. „Denn neben den wuchernden Preisen des Zolls machten auch die Bestechungsposten vor Ort die Hand auf.“

Vier Stühle und ein leeres Regal

Mit Müh und Not „hat er zwölf verschiedene Geldleiher finden können“, wie sie erklärt. In einem „sanierungsbedürftigen Gebäude hat er sich ein kleines Büro eingerichtet“, sagt Völker-Rasor. Den einzigen Kontakt kann sie über das mobile Nachrichten-Programm WhatsApp mit ihm halten. Denn sein Büro hat lediglich „einen Schreibtisch, vier Stühle und ein leeres Regal.“ Kein Computer und kein Internet stehen dem Direktor der Kommission für Gerechtigkeit, Entwicklung, Frieden und Caritas in Nigeria zur Verfügung.

Die Integrationslehrkraft will deshalb nun auch die Bürger der ehemaligen Heimatgemeinde Njokus zum Spenden ermuntern. Denn sein geplantes Projekt ist durch seine Verschuldung ins Stocken geraten. Die angekommenen Güter, die nicht durch den Zoll beschädigt wurden, haben allerdings für strahlende Augen bei den Einheimischen gesorgt. „Gerald hat mir Fotos geschickt“, erzählt Völker-Rasor.

Übrigens: Ab dem 3. Juli wird er wieder in Mittenwald als vierwöchige Urlaubsvertretung von Pfarrer Wehrsdorf sein. Njoku wurde vom Erzbischof Anthony Obinna von Owerri im März zum Direktor der Kommission ernannt. Sein Ziel ist es, „eine Berufsschule zu errichten und den jungen Menschen eine Perspektive zu geben“, sagt Völker-Rasor. Damit will er eine der Haupt-Fluchtursachen von Afrikanern nach Europa bekämpfen und die gefährliche Überfahrt in kleinen Schlauchbooten auf dem Mittelmeer verhindern.

In Nigeria brodelt es

In Nigeria brodelt es politisch seit Jahrzehnten. Nun steht kommendes Jahr am 16. Februar die Präsidentenwahl an. „Eine schwierige Zeit für mich“, ahnte Gerald Njoku bereits im Dezember vergangenen Jahres bei seiner Verabschiedung. Zudem rückt die Terror-Organisation Boko Haram immer weiter ins Land. Der Name ist dabei Programm: Grob übersetzt bedeutet er: „Westliche Bildung ist Sünde.“ Zudem kämpft der blutrünstige Ableger des Terrornetzwerks Islamischer Staat gegen Christen. Ein gefährliches Pflaster also für Pfarrvikar Gerald Njoku, der nach 15 Jahren wieder nach Nigeria zurückgekehrt ist.

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