Reiterin beleidigt

St.-Martins-Umzug: Rabiater Autofahrer schneidet Kindern den Weg ab

Ein Autofahrer hat nicht nur Kindern beim Martinsumzug in Eichenau den Weg abgeschnitten.

Eklat beim Martinsumzug in Eichenau: Ein Autofahrer drängelt sich durch die Absperrung der Feuerwehr und schneidet dem Umzug den Weg ab. Dann beleidigt er auch noch St. Martin – beziehungsweise die Reiterin, die den Heiligen darstellt.

Eichenau – Es ist nicht das erste Mal, dass Monika Hösch in die Rolle des Mannes schlüpft, der der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler geteilt hat, um diesen vor dem Erfrieren zu retten. Normalerweise denkt die Reiterin nach dem Martinsumzug an die wunderschönen Szenen zurück: flackernde Laternen in abendlicher Dunkelheit, leuchtende Kinderaugen und selig strahlende Eltern.

All dies erfüllt die Eichenauerin mit Glück. Deshalb führt sie bereits seit 20 Jahren gerne den Zug als heiliger St. Martin für die Schutzengel-Gemeinde nach dem Gottesdienst hoch zu Ross an. Heuer ist Monika Hösch nach dem Umzug vor allem eines: stinksauer.

Ein ungeduldiger Autofahrer hat sich ihrer Ansicht nach an der Absperrung völlig daneben benommen und sie dann auch noch beleidigt. „Ich habe dafür überhaupt kein Verständnis. Wieso hat man es an einem Sonntagabend so eilig, dass man keine fünf Minuten warten kann?“, entrüstet sie sich. Denn länger würde es kaum dauern, bis die Fahrbahn danach wieder frei sei.

Feuerwehr hatte Route für Martinsumzug durch Eichenau abgesperrt

Der Vorfall ereignete sich, als der leuchtende Laternenwurm sich von der Roggensteiner Allee in Richtung katholische Kirche bewegte. Die Feuerwehr hatte die Strecke mit einem Einsatzfahrzeug an der Pfarrer-Huber-Straße abgesichert.

Ein Autofahrer hatte aber offenbar keine Lust, zu warten, bis der Martinsumzug die Stelle passiert hatte. Wie Monika Hösch erzählt, quetschte er sich zwischen Feuerwehrauto und Alleebaum durch. Keine so gute Idee: Er konnte nicht weiterfahren und der Umzug konnte nicht weiterlaufen. „Als ich ihn gebeten habe, uns durchzulassen, hat er mich unflätig beleidigt“, berichtet Hösch. Es sei, soweit sie es in der Dunkelheit erkennen konnte, ein älterer Mann gewesen, der so etwas sagte wie: „Pass nur auf, oder i ziag di von deinem Pferd obi.“

Hösch ist nicht nur sauer. Sie machte sich auch Sorgen um die Sicherheit der kleinen Laternenträger – heuer waren ihre Enkel dabei. „Es kann doch nicht sein, dass man massive Straßensperren errichten muss, um die Kinder gesund feiern zu lassen.“ Ganz abgesehen davon, sei die Situation für das Pferd auch schon stressig genug, ohne dass auch noch plötzlich ein Auto vor dem Tier steht. Sie bedauert, dass niemand das Kennzeichen notiert hat und die Sache so wohl ohne Konsequenzen für den Fahrer bleibt.

Ein Autofahrer hatte es bereits auf Pferd abgesehen

Das Ereignis am vergangenen Sonntag war für Hösch das schlimmste, was sie bisher als Sankt-Martin-Reiterin erlebt hat. Hässliche Vorkommnisse hätte es in der langen Zeit zwar immer wieder gegeben. Einmal sei ein Autofahrer sogar hinten auf ihr Pferd gefahren. Doch der dreiste Störenfried vom Sonntag habe dem Fass endgültig den Boden ausgeschlagen. Die Ehefrau des Eichenauer CSU-Gemeinderates Hans Hösch, die auch engagiertes Mitglied beim Bund Naturschutz ist, wendete sich deshalb an unserer Zeitung.

Weniger impulsiv, wenn auch durchaus ebenso verständnislos betrachtet die Sache der Eichenauer Feuerwehrkommandant Christian Weber. Er erlebte den Vorfall aus unmittelbarer Nähe. „Ich kann da bloß den Kopf schütteln.“ Weber löste die Situation, indem er den Autofahrer dazu brachte, zu rangieren und den Weg wieder frei zu geben. Begeistert war dieser davon nicht. „Für uns ist das nur mittlerweile schon völlig normal, so traurig es ist“, erzählt der Eichenauer Kommandant. Wo es Absperrungen gibt – egal ob Unfall oder Veranstaltung – würde es Ärger geben. Ein ähnlicher Vorfall hat sich in Königsdorf ereignet. Dort drehte ein Autofahrer auch wegen eines Martinsumzugs durch, wie Merkur.de berichtet.

Kommentar

Dass es ausgerechnet bei einem St.-Martins-Umzug zu solchen Szenen kommt, ist doppelt ärgerlich. Wenn Kinder, Eltern und Betreuer einen solch schönen Brauch gemeinsam begehen, dann muss der Autofahrer halt einfach mal warten. Punkt. Gleichzeitig ist es, ganz allgemein und unabhängig von diesem Fall gesprochen, unerträglich zu sehen, welch Trend sich zunehmend einschleicht. 

Immer öfter sehen sich Einsatzkräfte (Feuerwehr, Rettungsdienst, auch Polizei) vor Ort Beschimpfungen, Beleidigungen und sogar Ausschreitungen ausgesetzt. Wes Geistes Kind ist jemand, der Leute angreift, die ehrenamtlich ausgerückt sind, um anderen zu helfen? Das ist wirklich kaum zu beantworten. 

Natürlich: Es ist immer einfach zu schimpfen, wo doch jedem klar ist, dass man in aufgeregten Situationen manchmal einfach falsch reagiert. Vielleicht sollte so betrachtet jeder einfach mal ein wenig in sich gehen, um für sich selbst zu verhindern, dass so etwas passiert. Die bevorstehende staade Zeit könnte dafür vielleicht Gelegenheit bieten – man soll die Hoffnung ja nicht aufgeben. (Th. Steinhardt)

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