“Ich war ein bisschen drauf“

Im Drogenrausch ausgetickt: Mann (22) will mit Metallkette auf Polizisten losgehen

Ein 22-jähriger Inninger ist unter Drogen stehend dreimal ausgetickt. Inzwischen ist er weg von den Drogen, daher kassierte er nur eine Bewährungsstrafe.

Inning – Drogen, Alkohol und familiäre Probleme belasten einen jungen Mann aus Inning. Vor einem Jahr fiel der bereits mehrfach vorbestrafte und drogenerfahrene 22-Jährige völlig aus dem Rahmen: Wegen Beleidigung, vorsätzlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung, versuchter Körperverletzung sowie wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte stand er deshalb vor dem Starnberger Amtsgericht.

Für Strafrichter Franz von Hunoltstein ist der Angeklagte kein Unbekannter, denn in seiner Doppelfunktion als Betreuungsrichter ist er bereits seit einiger Zeit für ihn zuständig. Die Stimmung im Gerichtssaal war entsprechend entspannt, als der junge Täter unverhohlen auspackte: „Ich war ein bisschen drauf.“ Ganz im Sinne der Anklageschrift bekannte der 22-Jährige, dass er Mitte April, als er aus der Wohnung seiner Mutter in Inning Kleider holen wollte, LSD genommen habe. Wegen ständiger familiärer Dispute war der Angeklagte bei der Polizei bekannt. Für die Wohnung hatte er Hausverbot.

Geplante Attacke mit Metallkette

Als die Beamten ihm zur Mittagsstunde den Weg zur Wohnungstür seiner Mutter versperrten, sah der berauschte 22-Jährige rot. Mit einer um die Hand gewickelten Metallkette holte er zum Schlag aus. Er hielt erst inne, als einer der Polizisten das Pfefferspray zückte. Seine anschließende Fesselung gelang nur unter großem Kraftauswand. Bereits am Boden liegend soll er versucht haben, einen Beamten zu beißen.

Schon eine Woche zuvor hatte der inzwischen nach Herrsching verzogene Mann die Polizei auf Trab gehalten. Laut Anklagevorwurf soll er in Begleitung seiner Freunde mutwillig eine S-Bahn-Trennglasscheibe zerschlagen haben – Schaden: 1500 Euro. Als ein Fahrgast daraufhin die Polizei alarmierte, kassierte er einen Kinnhaken. Ob der Schlag tatsächlich vom Angeklagten kam, blieb im Prozessverlauf allerdings ebenso unklar wie die wahre Identität des Scheiben-Zerstörers. Auch ein Kumpel des Angeklagten kam als Sachbeschädigter in Frage.

Beamte beleidigt und bespuckt

Als erwiesen galt, dass der 22-Jährige Stunden später auf den Inninger Straßen herumspazierte und sich dabei gefährdete. Von umsichtigen Anwohnern informiert, wollten Polizeibeamten den jungen Querulanten an jenem Abend eigentlich nur nach Hause fahren, um Schlimmeres zu verhindern. Das war problematisch: Der 22-Jährige bespuckte und beleidigte die Polizisten derart bedrohlich, dass diese drei Streifenwagen zur Verstärkung orderten. „Ich hatte ein bisschen Angst um die Kollegen und bin froh, dass nichts passiert ist“, sagte eine 26-jährige Polizistin.

Verurteilt wurde der Angeklagte lediglich wegen Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Seine zehnmonatige Freiheitsstrafe setzte das Gericht ganz bewusst zur Bewährung aus, denn der unter Betreuung stehende Mann ist aktuell drogenfrei und soll eine letzte Chance bekommen. Auflagen gab es diesmal keine, denn aus einem vorangegangenen Prozess sind noch 500 Sozialstunden offen.

nh

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa / Frank Leonhardt

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