Verzwicktes Verfahren gegen einen Dachauer

Vorwurf Vergewaltigung: Seit über zwei Jahren in U-Haft

Im dritten Anlauf versucht das Landgericht München II seit Montag ein verzwicktes Verfahren zu lösen. Dabei geht es um eine Geiselnahme und um eine Vergewaltigung, die vielleicht keine war.

Dachau – Es geht dabei auch um eine Zeugin, deren Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen wird und um einen Angeklagten, der den Gerichtssaal schon gerne einmal zur Bühne für sich selbst umfunktioniert hat und mit einer selbst gebastelten Papiermaske erschien.

Ex-Freundin aufgelauert

Hakki-Hakan E. (32), ein Türke mit Geburtsort Dachau, sitzt seit zwei Jahren in Haft, für eine Tat, die er eigenen Angaben zufolge nicht begangen haben will. Der Anklage zufolge soll er im September 2015 seiner Ex-Freundin in Dachau aufgelauert haben. Er bedrohte und zwang sie, mit ihm nach Salzburg zu fahren. Um ihn zu beruhigen, hatte sie Sex mit ihm. Am nächsten Tag ging es wieder heim. Wenige Tage später wurde der 32-Jährige festgenommen.

Seitdem befindet er sich hinter Gitter. Und deswegen geht es ihm momentan auch schlecht, so schlecht, dass er sich am Montag zu Prozessauftakt für verhandlungsunfähig hielt. Deshalb verzögerte sich der Beginn um einige Stunden. Eine Landgerichtsärztin wurde geholt, und schon wieder schien der Prozess unter keinem guten Stern zu stehen.

Schon drei Prozessanläufe 

Denn das Verfahren wurde bereits zweimal anverhandelt: im Juni und November 2016. Zunächst bedurfte es einer Nachtragsanklage wegen einer weiteren Vergewaltigung, im zweiten Anlauf musste der Prozess ausgesetzt werden, nachdem eine Schöffin eine Gehirnblutung erlitten hatte und verstarb. Der dritte angesetzte Prozess im Juli 2017 fand wegen der Versetzung des Vorsitzenden Richters erst gar nicht mehr statt.

Aktuell gibt es noch alle Anklagen. Bis auf die Geiselnahme mit der umstrittenen Vergewaltigung könnten jedoch sämtliche anderen Vorwürfe wegbeschränkt werden. Denn das Opfer, und das war das vorläufige Ende des letzten Verfahrens, hatte eine Cousine zur Falschaussage angestiftet, um sich am Ex-Freund zu rächen.

Angeklagter offenbar depressiv und suizidgefährdet

Am Montag wurden nur noch die Anklagen vorgetragen. Angaben macht der Angeklagte keine. Momentan sitzt er in Traunstein in Haft, nachdem er zunächst in München-Stadelheim und dann in Bernau untergebracht worden war. Der ständige Wechsel hat ihn offenbar depressiv werden lassen. Er soll versucht haben, sich mit einer Papierunterhose zu erhängen. Der Prozess dauert an.

Rubriklistenbild: © picture alliance / Ulrich Perrey

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