Amtsgericht

„Ein bekiffter Verkäufer ist nicht das Richtige“

Die Umstände führt ein 20-Jähriger als Ausrede an, warum er sein Leben nicht so richtig im Griff hat. Nach einem Betrug und dem Besitz von Marihuana lässt der Richter das aber nicht gelten.

Wolfratshausen– Sein Bankkonto war nicht gedeckt, als ein 20-jähriger Wolfratshauser in einer Münchner Boutique einen Strickpulli und ein Hemd mit der EC-Karte bezahlte. Das brachte dem jungen Mann eine Anklage wegen Betrugs ein. Ein Dreivierteljahr später, im Juli 2017, wurde er mit zwei Marihuana-Joints erwischt – was eine Anklage wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln nach sich zog. In der Verhandlung vor dem Jugendgericht am Amtsgericht Wolfratshausen kam der junge Mann, der bereits viermal wegen ähnlicher Delikte das Gericht beschäftigt hatte, nochmals mit einem blauen Auge davon.

„Ich war mir sicher, dass noch genug Geld auf dem Konto war“

„Es war eine Woche nach dem Tod meines Vaters. Wir wollten ein bisschen die Sau rauslassen“, begründete der Angeklagte die „Party“ mit Freunden in der Wohnung seines verstorbenen Vaters am 30. Juli 2017. Nachbarn, die sich wegen der lauten Musik gestört gefühlt hatten, riefen die Polizei. Weil die Beamten bei ihrem Eintreffen schon an der Wohnungstür „penetranten Marihuanageruch“ wahrnahmen, beließen sie es nicht bei einer Ermahnung wegen der Ruhestörung, sondern gingen dem Duft auf den Grund. Er habe den Polizisten die zwei Joints bereitwillig ausgehändigt, sagte der Angeklagte.

Etwas länger hatten sich die Ermittlungen im zweiten Fall hingezogen. „Ich war mir sicher, dass noch genug Geld auf dem Konto war“, entschuldigte sich der 20-Jährige, der sein Geld zuletzt als Pizzafahrer und ungelernter „Verkäufer in Teilzeit“ verdient hat, für den gescheiterten Einkauf am 14. November 2016. „Aber das habe ich zu spät abgecheckt“, ergänzte er. „Die Bankauszüge sprechen eine eindeutige Sprache“, hielt Jugendrichter Urs Wäckerlin dem jungen Mann auf der Anklagebank vor. Dieser „hätte wissen müssen, dass das Konto nicht gedeckt war“.

„Allmählich musst Du im Leben mal durchstarten“

Aber nicht nur in Sachen Kontoauszüge hat der Beschuldigte in der Vergangenheit etwas den Überblick verloren. „Allmählich musst Du im Leben mal durchstarten“, empfahl Jugendgerichtshelfer Andreas Dlugosch dem unter anderem wegen Computerbetrugs und Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz vorgeahndeten Heranwachsenden. „Die Lebensproblematik kann man nicht immer als Begründung hernehmen. Das würde Deinem Vater auch nicht passen.“

Dem schloss sich die Staatsanwältin an. „Immer heißt es: Das waren die Umstände“, monierte die Anklagevertreterin. „Langsam müssen Sie mal eigene Entscheidungen treffen – und dafür geradestehen.“ Richter Wäckerlin verurteilte den Wolfratshauser, der demnächst sein Abitur nachholen und in der Modebranche arbeiten möchte, zu einer Geldstrafe von 300 Euro, zahlbar an die Caritas-Suchberatung, wo der Verurteilte ebenfalls an Beratungsmaßnahmen teilnehmen muss. Zudem muss er sich zweier Drogenscreenings unterziehen. Das Gericht ordnete auch den Einzug der 45 Euro aus dem Klamotteneinkauf an. „Und es ist Ihnen hoffentlich klar, dass Sie sich nicht mehr mit Drogen erwischen lassen dürfen“, sprach der Richter Klartext. „Aber ein bekiffter Verkäufer ist sowieso nicht das Richtige.“

Rubriklistenbild: © dpa

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