Der bekannte Trauredner Ulrich Naas

Ein Hochzeits-Star aus Puchheim

Er begeisterte die Verliebten: Ulrich Naas aus Puchheim (Mitte) bei der freien Trauung eines Brautpaares. 

Der freie Trauredner Ulrich Naas aus Puchheim hat so einiges erlebt:Eheringe, die im Schnee verloren gingen oder ein Bräutigam, der beiextrem starker Hitze kollabierte. Doch das ist nun vorbei: DerHochzeitsstar im süddeutschen Raum hat seine Tätigkeit beendet – und verlässt die Region.

Puchheim – Kirchlich heiraten – nicht jeder kann oder will das. Konfessionslose Paare oder Geschiedene müssen sich trotzdem nicht mit einer schlichten Trauung im Standesamt begnügen. Denn es gibt genau für diesen Fall Menschen wie Ulrich Naas, die als freie Trauredner Paare in einer individuell gestalteten Zeremonie verheiraten. Der Puchheimer war im süddeutschen Raum fast schon ein Star auf diesem Gebiet – er hat in den vergangenen neun Jahren rund 350 Paare getraut.

Die Idee entstand in den Pausen eines Jazz-Konzerts. Ulrich Naas kam mit seiner Sitznachbarin ins Gespräch, die – wie sich herausstellte – als Hochzeitsplanerin arbeitete. Er selbst war damals Pensionär, hatte aber als langjähriger Bürgermeister einer kleinen Gemeinde in Baden-Württemberg bereits viele Paare verheiratet. Ob er nicht Lust hätte, freie Trauungen zu zelebrieren, wollte die Dame wissen. „Ich wusste damals nicht mal, was das ist“, erzählt Naas.

Zu einer Zusammenarbeit mit der Hochzeitsplanerin von damals ist es allerdings nie gekommen. Naas baute sich sein Geschäft einfach alleine auf, einzig mit der Hilfe einer Homepage. „Das war ein Schuss ins Blaue“, erinnert er sich. Gleich das erste Paar, das ihn buchte, feierte eine Traumhochzeit am Attersee in Österreich. „Es war wie in 1001 Nacht. Überall lagen Kissen verstreut, das Paar heiratete unter einem blumengeschmückten Baldachin mit einem herrlichen Blick auf den See.“

Die Braut war Sängerin, der Bräutigam Kameramann, viele Gäste kamen aus der Filmbranche. Gefeiert wurde drei Tage lang, Naas immer mit von der Partie. Die Lust am Mitfeiern verging ihm, als die Trauungen mehr und mehr wurden. Auch so war der Zeitaufwand mit ungefähr 20 Stunden pro Paar beträchtlich.

Naas nahm sich stets Zeit für ausführliche Vorbereitungsgespräche. Statt die Brautleute Fragebogen ausfüllen zu lassen, ließ er sie erzählen, stellte geschickte Fragen, kitzelte Antworten heraus, die aus dem Bauch kamen. Die Dinge, die er auf diese Weise zutage förderte, waren in seinen Traureden das Salz in der Suppe.

Er hat viele emotionale Momente miterlebt, wenn die Paare bei ihm im Wohnzimmer saßen und von sich erzählten. „Manche haben in den Gesprächen Rotz und Wasser geheult, weil sie sich geöffnet haben.“ Wenn ihm ein Paar nach der Trauung mit den Worten dankte, er habe sie in seiner Rede „toll getroffen“, dann war das für Naas das schönste Kompliment.

Der 69-Jährige, der selbst in zweiter Ehe glücklich ist, hat alle Extreme der Hochzeitsgestaltung miterlebt – Trauungen bei frostigen Temperaturen auf Alpengipfeln oder im Hochsommer bei sengender Hitze. Er hat miterlebt, dass Trauringe im Schnee verloren gingen. Und dass ein Bräutigam bei fast 40 Grad Hitze direkt nach dem Ja-Wort aus den Latschen kippte. Während die Braut in Schockstarre verfiel, brachten die Gäste den frischgebackenen Ehemann mit Eiswürfeln wieder zu sich.

Das alles ist nun vorbei. Ende August hat Naas seine letzte Trauung zelebriert. In ein paar Monaten wird er seine Wahlheimat Puchheim verlassen, die er ab 2008 sechs Jahre lang als CSU-Stadtrat mitgestaltet hat. Zusammen mit seiner Frau („meinem allerliebsten Schatz“) will der zweifache Vater und zweifache Großvater in eine Seniorenresidenz in Baden-Württemberg übersiedeln.

Ob er dort die Hände in den Schoß legen wird – wer weiß. „Man könnte“, sagt Ulrich Naas und schaut verschmitzt, „ja etwa auch auf Beerdigungen sprechen.“ Vom Trauredner zum Trauerredner ist es nur ein kleiner Schritt.  (os)

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