Am Gästehaus Pritzl in Thalham

Ein Müllberg der Wohltätigkeit: Darum liegen diese Spenden vor einer Garage

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Buntes Allerlei: Kleidersäcke und ein Fernseher, Spenden von Bürgern türmen sich vor der Garage. Irgendjemand hat offenbar Unrat wie den Kanister dazugestellt.

An der Flüchtlingsunterkunft in Thalham häufen sich Kleidersäcke und andere Haushaltsgegenstände an. Spenden, die dort abgegeben wurden, jedoch nicht gebraucht werden.

Thalham – Werner Biebl will gar nicht mehr hinschauen. „Ich fahre jeden Tag vorbei und sehe diese Sauerei.“ Gemeint ist der Müllberg, der sich vor der Garage an der Asylbewerberunterkunft im Gästehaus Pritzl in Thalham angehäuft hat – und täglich weiter zu wachsen scheint. Fernseher, Benzinkanister, ausrangierte Möbel und Plastiktüten vollgestopft mit Kleidung und Schuhen. „Einige sind aufgerissen, bestimmt von nachtaktiven Tieren“, vermutet Biebl. Er hat nach eigenen Angaben bereits einen Fuchs um die improvisierte Mülldeponie schleichen sehen. Ein untragbarer Zustand, wie der Weyarner findet. Und das nicht nur weil dort viele noch brauchbare Gegenstände abgelegt werden würden.

Biebl hat auch starke Bedenken in Sachen Hygiene. Schließlich produziert das Kinderland vorne im Gasthof in seiner Zentralküche pro Tag hunderte Essen für Betreuungseinrichtungen in der Region. Der „unerträgliche Müllberg“, da ist sich Biebl sicher, würde nach dem Fuchs früher oder später auch Ratten und Mäuse anlocken. Sein Wunsch: Der Unrat muss weg.

Damit das auch passiert, hat er sich bereits mit dem Landratsamt als zuständige Aufsichtsbehörde in Verbindung gesetzt. Noch viel mehr interessiert Biebl aber, wie es überhaupt soweit gekommen ist. 27 Asylbewerber leben aktuell laut Landratsamt in der Unterkunft. Männer, Frauen, Kinder, hauptsächlich aus Nigeria und Syrien. Biebl vermutet, „dass die Flüchtlinge an Verteilstellen Kleidung und Einrichtungsgegenstände abholen, um diese dann bei Nichtgefallen sofort wieder auf den Müllberg zu kippen, ohne jede Wertschätzung“.

Dem ist laut Landratsamt-Sprecher Birger Nemitz nicht so. Bei dem Müll, der vor der Garage rumliegt, handele es sich nicht um klassischen Hausmüll. Für den gebe es schließlich Tonnen in der Unterkunft. Viel mehr liegen dort zu weiten Teilen offenbar gut gemeinte Spenden, die jedoch ohne Rücksprache direkt an der Einrichtung abgegeben wurden. „Viele Bürger lassen Gegenstände da, die nicht mehr funktionieren, die die Asylbewerber dort gar nicht brauchen oder die ihnen nicht passen“, erläutert Nemitz.

Bislang habe eine der Garagen als Zwischenlager gedient. Solange, bis die „Kümmerer“ des Landratsamtes oder der gemeindliche Helferkreis die Spenden abgeholt hätten. Das Problem: Die Nutzung der Garage war vertraglich nicht geregelt. „Der Vermieter hat sie ausgeräumt“, sagt Nemitz.

Nun stehen die Spenden vor der Garage. Neue kommen hinzu. Nicht ideal, klar. Einen extra Container aufzustellen sei angesichts der hohen Kosten jedoch unverhältnismäßig, sagt Nemitz. Um künftig derartige Müllberge zu vermeiden, bittet das Landratsamt Bürger darum, die – ausdrücklich willkommenen – Spenden an den dafür vorgesehenen zentralen Sammelstationen abzugeben. Möglich ist das etwa beim BRK-Kleiderladen in Holzkirchen oder bei zwei Anlaufstellen in Miesbach, dem Lager im Kloster und am Alten Krankenhaus. Dort können sich die Flüchtlinge dann Kleidung in passenden Größen und benötigte Alltagsgegenstände abholen.

Der Müllberg in Thalham verschwindet am kommenden Dienstag. Die Kümmerer und Ehrenamtlichen vom Asylhelferkreis holen die Sachen mit einem Sprinter ab und entsorgen sie. Ein Gegenstand gibt Landratsamt-Sprecher Nemitz aber Rätsel auf: der ölverschmierte Kanister. Woher der wohl kommt? „Das ist ja definitiv keine Spende“, sagt Nemitz. Seine Vermutung: Irgendjemand fährt vorbei und schmeißt seinen Schrott einfach auch auf den Haufen, „weil ja eh schon was rumliegt“. Dieses Problem, so hofft Nemitz, löse sich aber spätestens dann, wenn der Müllberg vor dem Gästehaus Pritzl verschwunden ist.

Auch in Hausham lagerten vor einiger Zeit alte Möbel und Haushaltsgeräte vor einer Asylunterkunft, wie auf merkur.de zu lesen ist.

fp

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