Schock am Morgen

Einbrecher kam durch diese Tür: Familie schildert den Albtraum

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Familienvater Armin F. steht vor der Kinderzimmer-Tür, durch die der Einbrecher kam.

Dornach - Um 3.30 Uhr kamen die Einbrecher: Eine Familie aus Dornach schildert gegenüber der tz den großen Albtraum, den sie erleben musste.

In der Nacht hatte Nachbarshund „Tequi“ angeschlagen. Doch niemand maß dem zunächst eine besondere Bedeutung zu. Tequi war wahrscheinlich der Einzige, der spürte, dass in dieser warmen Sommernacht in der stillen Dornacher Wohnsiedlung etwas Beängstigendes geschah. Dunkle Gestalten öffneten in der Nacht zum vergangenen Mittwoch ein gekipptes Kinderzimmerfenster, drangen auf diesem Weg gegen 3.30 Uhr in die Erdgeschosswohnung der schlafenden Familie ein.

Der Einbrecher griff durch den schmalen Fensterspalt nach dem Türgriff.

Keine drei Meter vor der geöffneten Tür zum Schlafzimmer, in dem Betriebswirt Armin F. (36; alle Namen geändert), seine Frau Katja (34) und das sieben Wochen alte Söhnchen Charlie schliefen, schlich der Einbrecher durch die Wohnung. Im Flur steckte er seelenruhig Armin F.’s iPhone vom Ladekabel ab. Im Bad fand er Katja F.’s gesamten Schmuck. Im Kinderzimmer setzte er sich auf den Ledersessel und durchsuchte Armin F.’s Tasche und Geldbörse. Von all dem bekam das Ehepaar nichts mit. „Glücklicherweise. Wer weiß, was sonst passiert wäre, oder wenn Charlie allein im Kinderzimmer gewesen wäre“, denkt Armin F. mittlerweile.

Im Fach links unten standen im Bad Katja F.’s Schmuckschatullen.

Dabei wäre es imengen Flur vor dem Bad beinahe doch noch zu einer dramatischen Begegnung mit dem Täter gekommen. Katja F.: „Um 3.30 Uhr wurde Charlie wach. Um meinen Mann nicht zu stören, ging ich mit ihm zum Stillen ins Kinderzimmer. Draußen auf der Straße hörte ich eilige Schritte. Dann fuhr ein Auto weg.“ Im Kinderzimmer wunderte sich Katja F., warum die Terrassentür halb offen stand und die Tasche ihres Mannes auf dem Boden lag. „Ich war zu müde, um nachzudenken. Ich habe die Tür geschlossen, das Baby gestillt und bin wieder ins Bett gegangen.“

Um 5.55 Uhr sucht Armin F. erst sein Handy und dann seine Tasche. Dann entdeckt er im Bad, dass Katjas Schmuckschatullen und sein Herrenparfüm fehlen. Da begreift er allmählich: „Das ist, als zöge einem jemand den Teppich unter den Füßen weg. Als das Baby nachts schrie, war der Täter offenbar noch in der Wohnung. Die Schritte und das Auto draußen – das ist der Einbrecher gewesen!“

Gestohlen: der selten schöne Aquamarin war Katja F.’s Verlobungsring.

Die Polizei sicherte Fingerabdrücke am Fenster: „Unsere Fenster sind zwar 30 Jahre alt, aber voll funktionsfähig. Der Täter hat durch den Spalt der gekippten Tür gefasst, den Griff gedreht und die Tür aufgedrückt. Ich hätte nie gedacht, dass das so einfach geht.“ In der ganzen Nachbarschaft beraten Mieter und Eigentümer gerade, wie man die Fenster sichern könnte. Rollläden? Gitter? Alarmanlagen? Armin F. wird zunächst Tür- und Fenstersicherungen mit akustischem Alarm einbauen lassen. „Damit wir wenigstens wieder ruhig schlafen können. Ich möchte jedem Mieter oder Hausbesitzer dringend empfehlen, sich beraten zu lassen, bevor so etwas passiert.“

Denn der Schaden ist hoch: Katja F.’s gesamter Schmuck zum Teil aus altem Familienbesitz im Wert von mindestens 25 ­000 Euro ist weg. Darunter waren die Eheringe ihrer Eltern und eine Rolex-Datejust-Uhr – ein Geschenk ihres Mannes zu Charlies Geburt. Besonders schmerzt sie der Verlust ihres Verlobungsringes: „Ein Aquamarin mit sechs Diamanten. Das Original stammte von meiner Urgroßmutter, das ich verloren hatte. Mein Mann hat mir diesen Ring zur Verlobung mit so viel Liebe anfertigen lassen. Er ist absolut unersetzlich für mich.“ Nur einen Ring fand sie draußen auf der Straße wieder: „Ein ganz einfacher Ring ohne Wert. Wäre es doch nur mein Verlobungsring gewesen ...“

Den schlimmsten Schaden jedoch richtete der Einbruch in der Psyche der Bewohner an: „Der Verlust des Sicherheitsgefühls im eigenen Zuhause ist ganz schlimm. Wir hätten nie gedacht, dass uns das einmal passieren könnte.“  

Dorita Plange

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