Krasser Fall aus Gauting

Einbrecher räumt Haus aus, als Bewohner Glühwein trinken

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Hektor S. (27) muss drei Jahre ins Gefängnis.

Kurz zum Weihnachtsmarkt gehen. Zwei Glühwein trinken. Das reicht Einbrechern schon, um ein ganzes Haus leerzuräumen. Das zeigt diese Geschichte aus Gauting. 

„Ich war mit meiner Frau nur eine Stunde weg. Als wir ­zurückkamen, war alles weg: Schmuck, Kreditkarten, Bargeld – sogar die Autoschlüssel“, sagt Zsoltan T. (73, Name geändert). Am 25. November 2016 hatte der Rentner aus Gauting sofort ein komisches Gefühl. „Unsere Sachen lagen zerwühlt am Boden. Es war fürchterlich.“ Das Paar rief die Polizei, damit alle Spuren gesichert werden. „Später stellten wir fest, dass sogar unser Gold und die Ringe fehlten. Beides lag im Keller versteckt in einem kleinen Schrank. Für mich war es schockierend, wie jemand das so schnell finden konnte. Das Versteck war sorgsam gewählt.“ 

Doch Hektor S. (27) hatte es gefunden – und verursachte einen Schaden von mehr als 14.000 Euro. Bei weiteren Einbruchs-Taten hatte die Polizei ihn auf frischer Tat ertappt und festgenommen. Am Amtsgericht wurde ihm am Dienstag der Prozess gemacht. 

Zsoltan T. (73) sagte als Zeuge gegen den Einbrecher aus, der ihm das Haus leergeräumt hatte.

„Ich möchte mich entschuldigen“, ­sagte er. „Ich weiß selbst nicht, warum ich das getan habe.“ Die Richterin hingegen schon: „Sie sind ein Profi-Einbrecher“, sagte sie zu Hektor S., der laut Anklage nur nach München gekommen war, um Häuser leerzuräumen. „In Albanien verlor ich meinen Job, weil die Firma mir gekündigt hatte. In München suchte ich neue Arbeit“, behauptete er. Tatsächlich wurde er heuer im Oktober bereits zu einer Haftstrafe verurteilt, nachdem er fünf Einbrüche im Münchner Umland begangen hatte. „Hohe kriminelle Energie“, bescheinigte ihm auch am Dienstag das Amtsgericht – und schickte Hektor S. wegen Einbruchsdiebstahls für drei Jahre hinter Gitter. „Ich habe einen großen Fehler gemacht“, sah er ein. Zsoltan T. nahm die Entschuldigung an. „Ich habe mich damit abgefunden. Es ist schade, dass junge Männer auf diese Weise versuchen an Geld zu kommen. Machen Sie einen Neuanfang!“, sagte er an den Täter gerichtet. 

Für den Rentner und seine Frau gilt das ebenso: Beide ­hätten monatelang in Angst gelebt. Sie entschlossen sich aber, ­weiter in ihrem Haus zu leben. „Meine Frau ist sehr belastet. Wir lassen jetzt abends das Licht länger an. Eine Alarmanlage haben wir aber nicht angeschafft.“ Was Zsoltan T. noch immer nicht versteht: „Der Einbrecher hat sein Leben riskiert, um durch das Fenster im ersten Stock zu klettern. Er hätte vier Meter tief fallen können.“ 

Die schlimme Vermutung: Der Einbrecher hatte das Haus vorher lange ausgespäht. Laut Gericht ein typisches Muster der „reisenden Einbrecher“. Bei der Polizei sind diese kriminellen Banden seit Jahren bekannt – und schlagen immer wieder vor Weihnachten zu.

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