Unheimliche Serie in Neubiberg

Hier an seinem Fenster waren die Einbrecher

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Hier wollten sie rein: Johann Brembeck zeigt auf das Schlafzimmerfenster. Eine Nachbarin verscheuchte die Täter.

München - Sie haben den Horror in ihren Häusern erlebt und in der tz sprechen die Opfer darüber: Viermal haben Einbrecher am vergangenen Dienstag in Neubiberg zugeschlagen.

Die Polizei vermutet, dass in allen Fällen die gleichen Täter am Werk waren. Die Bilanz: Gestohlene Gegenstände und Bargeld im Wert von 16 000 Euro.

Mit dem Schrecken davon gekommen sind Johann und Anna Brembeck (84 und 75). Als die Einbrecher am Schlafzimmerfenster ihrer Wohnung in der Tannenstraße zu Gange waren, saß das Rentner-Ehepaar vor dem Fernseher. „Wir haben nichts mitbekommen“, erzählt Johann Brembeck. Erst als Nachbarin Daniela Wolter Sturm läutete, war ihnen klar, dass etwas nicht stimmte. Die 29-Jährige sah von ihrem Balkon aus, dass zwei Männer am Fenster ihrer Nachbarn hantierten.

„Ich wusste sofort was los war“, erinnert sich Wolter. „Ich habe mit der Polizei gedroht, dann rannten sie weg.“ Täterbeschreibung? „Dunkle Kleidung, kurze Haare, einer trug einen weißen Mundschutz“, weiß die Arzthelferin. Anna Brembeck hat Angst: „Ich fühle mich nicht mehr sicher.“

Weniger Glück hatte Bernd A. Seine Wohnung in der selben Straße wurde völlig verwüstet. „Bei mir sah es aus wie in einem Tatort-Krimi“, schildert der Kaufmann. Die Täter schnüffelten überall, die Wohnung? Ein Schlachtfeld. A. war gerade von einer Probe seiner Rock-Band nach Hause gekommen, da waren die Einbrecher längst weg. Die Beute: 400 Euro, ein Tablet-PC und ein Handy. Die Wohnung liegt im zweiten Stock. „Das muss eine ganz schöne Kletterei gewesen sein“, vermutet der 56-Jährige. Der Schock sitzt tief. „Aber Gott sei Dank haben sie die Gitarren nicht angerührt“, sagt er.

Auch im Pfarrer-Sickinger-Weg schlugen die Einbrecher zu. Hier erbeuteten die Männer in zwei Wohnungen Schmuck und Geld im Wert von 15 000 Euro. Am gleichen Tag wurde in einer Fürstenrieder Kita eingebrochen. Auch in Obermenzing gab es einen solchen Vorfall.

München ist zu einer Hochburg für Einbrecher geworden! Viele Bürger haben Angst, wenn es Nacht wird im Viertel.

Johannes Heininger

Die Jagd geht am Computer los

Allen Spöttern zum Trotz: Es funktioniert! Das mathematisch-kriminalistische Frühwarnsystem gegen Einbrecher – kurz Precobs (Pre Crime Observation System) genannt – verzeichnet erste Erfolge. In den ersten sechs Probe-Wochen des Pilotprojekts für ganz Bayern errechnete Precobs bereits 364 Straßenzüge allein für in München, in denen ein Einbruch zeitnahe sehr wahrscheinlich ist. Einer dieser von Precobs errechneten Hotspots war Ende Oktober die Maria-Eich-Straße in Pasing. Sie wurde tagelang von Zivilkräften überwacht.

Mit Erfolg: Am frühen Abend des 28. Oktober sichteten die Polizisten dort zwei Männer, die sich jedes Haus genau ansahen. Einer der Männer – ein Italiener (26) – stieg in einen Mini-Cooper mit ausländischen Kennzeichen. Kaum sah er die Polizei, raste er mit Vollgas davon, rammte einen Ford. Auf der Flucht zu Fuß durch die Hinterhöfe warf er einen Schraubendreher weg. Der Italiener und sein Mittäter wurden gefasst. Ihnen wurden zwei Einbrüche nachgewiesen, darunter auch einer in der Maria-Eich-Straße. Precobs wird auch in Nürnberg getestet. Dort warnte das mit den Einbruchsdaten der letzten sieben Jahre gefütterte System 16 Mal. Und auch dort wurden bereits Einbrecher gefasst. Einer davon war auch in München und Rosenheim aktiv gewesen.

Innenminister Joachim Herrmann zeigte sich gestern im Landeskriminalamt zuversichtlich, dass Precobs nach der Testphase bayernweit als fester Baustein im Kampf gegen die Einbruchskriminalität eingesetzt wird. Für die kommenden zwei Wochen kündigte Herrmann für ganz Bayern den Schwerpunkteinsatz „Abenddämmerung“ an. 20 000 Polizisten werden dann auf Straßen und Autobahnen gezielt nach reisenden Diebesbanden suchen.

Wo sie angreifen

Schon über 1200 Einbrüche verzeichnete die Münchner Polizei in diesem Jahr. In über der Hälfte aller Fälle waren Wohnungseingangstüren (speziell in den oberen Stockwerken) die Schwachstelle. In fast der Hälfte der Fälle wurden die Türen einfach aufgehebelt (48,8 Prozent) oder mit körperlicher Gewalt aufgedrückt (13,5 %). In weiteren 13,5 Prozent der Fälle waren Türen nicht abgeschlossen oder die Täter fanden schlecht versteckte Schlüssel. Beliebte Einbruchszeiten sind 11 bis 15 Uhr, 16 bis 20 Uhr und auch die zwei Stunden nach Mitternacht.

Dorita Plange

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