Erdinger Gymnasien 

Der eine Abistreich eskaliert, der andere wird abgesagt

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Die Nacht vor dem Abistreich am Korbinian-Aigner-Gymnasium in Erding ist heuer derart aus dem Ruder gelaufen, dass der am wenige Meter entfernt liegenden Anne-Frank-Gymnasium abgesagt wurde.

Erding – Der 145-köpfige Abiturjahrgang des Korbinian-Aigner-Gymnasiums (KAG) wollte am 14. Juli seinen Abistreich durchziehen, wie immer mit Erlaubnis von Direktor Hans-Joachim Fuhrig. An sich, das bestätigen beide Seiten, sind die Spielregeln klar: Auf dem Schulhof darf übernachtet werden, das Gebäude bleibt verschlossen, Alkohol ist tabu.

Es sollte anders kommen, mit Folgen über das KAG hinaus. Mehrere Schüler berichten, ein Jugendlicher habe die Turnhalle erklommen und sei dann durchs Dach gebrochen. Hier kam Rettungswagen Nummer 1 ins Spiel. Der junge Mann zog sich aber nur ein paar Prellungen zu.

Rettungswagen Nummer 2 wurde benötigt, nachdem sich eine Schülerin laut Zeugen bis zur Bewusstlosigkeit getrunken hatte.

Und dann musste im Morgengrauen auch noch die Polizei anrücken. Eine Schülerin hatte sich zum Schlafen ins Auto gelegt. Als sie wach wurde, so Schilderungen von Zeugen, sei ein fremder Mann im Wagen gesessen – mit Kamera und eindeutigen Absichten. Josef Mairoth von der Erdinger Polizei bestätigt dieses Fall auf Anfrage des Erdinger Anzeigers. „Die Schülerin wollte nur ihre Ruhe, sie hat nicht Anzeige erstattet.“ Nicht protokolliert sei, ob der Mann ums Auto gestrichen ist oder darin Platz genommen hatte.

Fuhrig stellt die Vorfälle anders da. Er erklärt, bei Abistreichen komme es gelegentlich vor, dass mal jemand aufs Vordach oder auf die Bushaltestelle klettert. „Auf der Turnhalle war aber niemand.“ Der Oberstudiendirektor will nicht ausschließen, dass ein Schüler beim Abseilen vom Bushäusl den Halt verloren haben könnte. Eine Unfallmeldung habe er jedenfalls nicht erhalten.

Und die ins Klinikum eingelieferte Schülerin sei mitnichten betrunken gewesen. „Ihr ging es am Morgen nicht gut. Unsere Schulsanitäter haben entschieden, dass professionelle Hilfe geholt wird.“

Wilde Party am KAG, Verbote am AFG

Großen Wert legt Fuhrig auf die Feststellung, „dass der Abistreich völlig problemlos und erfolgreich verlaufen ist“. Der Vormittag habe unter dem Motto Harry Potter gestanden – mit einigen Spielen für die jüngeren Schüler. „Ich fand das sehr gut gemacht. Den Kindern hat es Spaß gemacht.“ Dem Arbeitskreis, der die Aktion mit der Schulleitung absprechen muss, macht Fuhrig ein Kompliment. Weiter versichert er, „dass bei uns Alkohol grundsätzlich verboten ist“. Und: Am Abend davor schaue ein Mitglied der Schulleitung vorbei, um ein Auge auf die Feiernden zu haben.

Die ausgeuferte Nacht blieb nicht im Verborgenen, sondern erreichte sehr schnell das Anne-Frank-Gymnasium. Damit sich die wilde Party dort nicht wiederholt, schob die Oberstufenkoordinatorin vorsorglich einen Riegel vor. Die Q12 respektive der AFG-AK Abistreich erhielt einen Brief, der für böses Blut sorgen sollte. Den Entlassschülern wurde die Übernachtung auf dem Schulgelände ebenso untersagt wie der Konsum alkoholischer Getränke. Der Kompromissvorschlag: Zwei Lehrer sperren um 5 Uhr das Haus auf, damit die Abiturienten ihren Streich vorbereiten können.

Weil in dem Brief auch noch die Rede war von ungeklärten Schäden im Schulhaus im Jahr zuvor sowie von den Eskapaden im KAG, hatte der Abschlussjahrgang die Nase voll – und sagte seinen Abistreich ab. Die Schüler wiederum verfassten ein bitterböses Schreiben an ihre Kameraden, um sie aufzuklären. Darin beklagen sie, von den Lehrern wohl als „Haufen inkompetenter Dilettanten“ angesehen zu werden.

Direktorin Helma Wenzl erklärt auf Nachfrage, dass man die Spielregeln habe verschärfen müssen. „Zu keiner Zeit haben wir jedoch den Abistreich verboten.“

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