Benefizkonzert für kleines krankes Mädchen

Mathilda (3) hat Blutkrebs - Schlagerstars sollen helfen

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An ihrem dritten Geburtstag kommt die kleine Mathilda aus Mauern mit schweren Symptomen ins Krankenhaus. Die Diagnose "Leukämie" ist ein schwerer Schlag für die ganze Familie.

Freising - An Mathildas drittem Geburtstag erfahren ihre Eltern: Das Mädchen hat Leukämie. Seit der Hiobsbotschaft besteht das Leben der Mauerner Familie aus Klinikbesuchen, Pendelei durch ganz Deutschland und Bangen um Mathildas Gesundheit. Doch nun gibt es gleich zwei Hoffnungsschimmer.

Als die Ewerts am frühen Morgen des 13. Mai erwachen, herrscht schnell helle Aufregung. Nicht etwa, weil Tochter Mathilda heute ihren dritten Geburtstag feiert. Auch nicht, weil sich die Familie im Urlaub an der Ostsee befindet. Nein, es ist das Blut. Mathilda rinnt es wie verrückt aus der Nase, den Eltern bietet sich ein schlimmer Anblick.

Ihre Tochter klagt über Schmerzen an Armen, Beinen und der Hüfte, kann nicht aufstehen, geschweige denn laufen. Mutter und Vater stopfen in der Not Watte in die Nasenlöcher des Mädchens und fahren sie ins sechs Kilometer entfernte Kinderklinikum von Greifswald.

Den Ärzten kommen selbst die Tränen

Nachdem in der Notaufnahme ein Blutbild erstellt wird, geht es auch dort hektisch zu. Bald scharen sich Professoren und medizinisches Personal um den kleinen Patienten. Die anschließende Diagnose trifft die Eltern wie ein fahrender Zug: „Ihre Tochter hat Leukämie“, sagen die Ärzte, denen bei Mathildas Anblick selbst die Tränen in die Augen schießen. Seinen Geburtstag verbringt das Mädchen nun auf der Intensivstation. Blutkonserven statt Kuchen und Kerzen.

Seit Mitte Mai liegt die dreijährige Mathilda auf der Kinderonkologie in Greifswald und wird mit einer Intensiv-Chemotherapie behandelt.

82 Prozent der Zellen sind vom Krebs befallen. Mathilda geht es sehr schlecht. Sie hat hohes Fieber, keine Kraft. Mutter Madeleine und Vater Daniel, beide 35, kommen aus dem Weinen nicht mehr heraus. Am Tag 2 nach der Diagnose wird dem kleinen Körper eine Öffnung in die Brust operiert, über den nun per Schlauch die Mittel der Chemotherapie eingeflößt werden. Das Mädchen ist nicht transportfähig, also wird sie weiter in Greifswald behandelt, wo auch die Großeltern wohnen.
Zu den Ängsten um Gesundheit und Leben von Mathilda kommen für die Ewerts bald auch finanzielle Sorgen. Denn die Familie, zu der noch der acht Monate alte Sohn Oskar gehört, führt nun zwei Haushalte: das Mietshaus in Mauern und ein Zimmer nahe der Klinik in Greifswald für die Mutter und den Buben.

Jedes Wochenende 850 Kilometer zu Mathilda - und zurück

Um sich ganz um Mathilda kümmern zu können, hat sich Madeleine Ewert von ihrem Job als Arzthelferin freistellen lassen. Vater Daniel, der in München arbeitet und selbst zu 60 Prozent schwerbehindert ist, pendelt von nun an jedes Wochenende stundenlang an die Ostsee und zurück, um seinen Lieben nahe zu sein. 850 Kilometer, einfache Strecke. Unter der Woche glühen die Telefone, damit die Distanz ein bisschen weniger weh tut.

Die Krankenkasse zahlt bislang zwar die Behandlung, jedoch nicht die Kosten für das Pendeln oder die zweite Wohnung. Um sich über Wasser zu halten, verkauft die Familie ihr Mobiliar in Mauern. Daniel Ewert schläft dort nur noch auf einer Matratze. Doch ab September muss auch das Haus aufgegeben werden. Der Vater kommt dann bei Freunden unter. Denn die Intensivtherapie dauert noch weitere neun Monate.

Erste Therapieerfolge und eine Schlagerparty machen Mut

Sammeln mit Schlagerstars Spenden gegen Blutkrebs: Andrea und Christian Herrmann (r.; hier 2014 mit Musikproduzent Ralph Siegel.

Der erste Lichtblick zeigt sich am Ende von Block 1 der Chemo: Die Therapie hat angeschlagen, im Knochenmark sind nur noch ein Prozent der Zellen vom Krebs befallen. Wenn alles gut geht, steigen Mathildas Werte so weit, dass die nächsten Phasen der Behandlung beginnen können. Das bedeutet jedoch auch: Einen Kindergarten wird das Mädchen nie besuchen können. Jede Infektion, jeder kleine Schnupfen könnte für ihr von der Chemo plattgemachtes Immunsystem zur tödlichen Gefahr werden. Selbst die Eltern dürfen sich nur mit Mundschutz bei ihrer Tochter aufhalten.
Zum zweiten Hoffnungsträger wird ein Mann, der sich an einem Mittwoch Ende Mai per Telefon meldet: „Ist da der Daniel? Hier spricht der Christian“, ertönt es aus der Leitung. Christian Herrmann heißt der Anrufer, die Ewerts kennen ihn nicht. Aber jemand aus ihrem Umfeld hat dem Erdinger vom Schicksal der Mauerner Familie erzählt. Und das ist ihr großes Glück. Denn Herrmann organisiert Schlagerpartys für wohltätige Zwecke. Er sammelt Geld für Fälle wie den von Mathilda.

Die Benefizparty steigt in Erding

Seit vor 26 Jahren in seinem eigenen Bekanntenkreis ein kleines Mädchen an Blutkrebs gestorben ist, unterstützt der heute 60-Jährige die Stiftung Förderverein für Tumor- und Leukämiekranke Kinder in Mainz. Und weil er über zahlreiche Kontakte in der Schlagerszene verfügt, richtet er mittlerweile jährlich ein Benefizkonzert aus.

So auch heuer: Am Samstag, 11. Juli, findet vor dem Feneberg in Erding eine Open-Air-Sommerparty mit Schlagerstars wie Chris Roberts, Norman Langen, Tommy Steiner, Christian Lais, Oliver Thomas, Marina Koller, Patrick Himmel und Christian Anders statt. Der Eintritt ist frei, man hofft aber auf Spenden. Ein Teil der Erlöse geht dabei an die Stiftung, der andere an eine betroffene Familie aus Bayern. Und in diesem Jahr sind das die Ewerts.

Als die davon erfahren, sind sie überwältigt und gerührt. „Uns ist ein gewaltiger Stein vom Herzen gefallen“, sagt Daniel Ewert und lächelt. „Es ist wunderbar, dass es so einen Zusammenhalt in einer ganz schlimmen Zeit gibt.“

Ein schwieriger Spagat

Als Herrmann ihn bittet, selbst zum Schlager-Event zu kommen, schreckt der Vater jedoch erst zurück: „Ich habe ihm am Telefon gesagt, dass ich diesen Spagat zwischen unserer bedrückenden Lage und der lustigen Party nicht schaffe. Aber Herr Herrmann hat mir versichert, dass ich nichts sagen muss und gemeint, dass er mich nur im Publikum sehen möchte."

Ich habe mich dann umentschieden“, sagt Daniel Ewert. „Wenn so viele Menschen für einen etwas tun, dann hat das etwas mit Hochachtung und Würde zu tun. Dann kann man da nicht nicht hingehen.“

Armin Forster

So kann der Familie geholfen werden

Der Flyer der Benefiz-Schlagerparty

Wer der Familie helfen will, hat zwei Möglichkeiten: Zum einen werden bei der Open-Air-Sommerparty in Erding (beim Feneberg/Dehner) am Samstag, 11. Juli, ab 11.30 Uhr,  Spenden gesammelt. Der Eintritt ist frei, weitere Infos zum Programm gibt es unter www.herrmann-schlagerevents.de.

Wer die Familie finanziell unterstützen möchte, kann auch direkt überweisen:

„Menschen in Not“,
IBAN DE57 7005 1003 0000 0001 90,
Kennwort: „Mathilda“.

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