Eine U-Bahn am Flughafen

Flughafen - Fahrerlose Züge, ein Tower zum Anfassen und sehr viel Glas – so wird der Terminalsatellit aussehen, der im Jahr 2015 am Münchner Flughafen in Betrieb gehen soll.

U-Bahn und Satellit am Terminal 2

Diese Ehe sei weltweit einzigartig, sagt Münchens Lufthansa-Chef Thomas Klühr. Nirgendwo sonst würden Airline und Airportbetreiber gemeinsame Sache machen. Seit dem Jahr 2003 betreibt die Kranich-Linie mit der Flughafen München GmbH (FMG) das gemeinsam finanzierte Terminal 2, das sie nun für 650 Millionen Euro mit dem so genannten Satelliten erweitern wollen. Lufthansa übernimmt 40 Prozent der Kosten.

Mit jährlich 25 Millionen Fluggästen seien die Kapazitätsgrenzen erreicht gewesen, sagte Flughafenchef Kerkloh bei der Vorstellung des neuen Abfertigungsgebäudes. Der Satellit schaffe Platz für weitere elf Millionen Passagiere („Das ist der komplette Flughafen Köln“) und letztlich 10 000 bis 15 000 neue Arbeitsplätze.

Das neue Abfertigungsgebäude ist laut Kerkloh „eine bauliche Erweiterung der bestehenden Gepäcksortierhalle auf dem östlichen Vorfeld, die wir nach Norden um rund 50 Meter verlängern“. Der 600 Meter lange Pier verfügt über 52 Gates und bietet 27 zusätzliche Gebäudepositionen. Noch im Herbst will die FMG mit dem Bau beginnen. Im Jahr 2015 soll der Satellit in Betrieb gehen.

Der eigentliche Spatenstich ist allerdings bereits vor 2003 erfolgt. Damals wurde bereits die unterirdische Verbindung vom Terminal zum Satelliten geschaffen. Geplant sind flughafeninterne, fahrerlose U-Bahnen, „also ein unterirdisches, automatisiertes, selbstfahrendes Personen-Transportmittel, das stündlich bis zu 4000 Passagiere in beide Richtungen befördern kann“, erklärt Kerkloh und rechnet vor: „Für den Fahrweg von insgesamt 432 Metern werden die Züge bei einer Geschwindigkeit von bis zu 50 km/h rund 50 Sekunden benötigen.“ Je nach Flugplansitution würden die Züge alle 90 bis 180 Sekunden starten und bei einer Fahrt 400 Reisende befördern. Noch im Herbst soll der Hersteller des Transportsystems ausgewählt werden.

Da das neue Gebäude keine landseitige Anbindung und keine Check-In-Schalter hat, sei es kein eigenständiges Terminal, erklärte Kerkloh. Auf den fast 123 000 Quadratmetern biete es aber alle wichtigen Serviceeinrichtungen, darunter 24 Transferschalter sowie 42 Passkontrollstellen für die Ein- und Ausreise. Zudem werde die Lufthansa fünf Lounges errichten. Auf einer Fläche von über 9000 Quadratmetern werden Marktplätze entstehen, die allerdings nur für die Passagiere zugänglich sein werden. Das Architekturbüro Koch und Partner hat sich für den Marktplatz eine Besonderheit ausgedacht, denn sie umschließen den bereits bestehenden Vorfeldtower, so dass die Passagiere bis in die Kanzel der Lotsen blicken können.

Klühr bezeichnete den Satelliten als „absolutes Qualitätsmeilenstein. Er sagte: „Die Realisierung des Satelliten festigt Münchens Position in der Liga der internationalen Premium-Drehkreuze“. Ob die derzeit im Terminal 2 garantierte Umsteigezeit von 30 Minuten gehalten werden kann, wollte Klühr nicht versichern. „Aber sie wird die beste in Europa sein.“ Der Lufthansa-Mann nickte auch zustimmend, als Kerkloh von einer Erweiterung des Satelliten berichtete. Sollten die neuen Kapazitäten ausgereizt sein, könne man den Anbau T-förmig ausbauen. Kerkloh auf die Frage, ob man dem Frankfurter Flughafen den Rang ablaufen möchte: „Wir wollen nicht unbedingt der größte Flughafen sein, aber der beste unter den großen.“

Dieter Priglmeir

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