Einsatz in Breitbrunn

Kind stürzt aus Fenster: Ehrenamtliche Lebensretter angegriffen

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Der Rettungshubschrauber brachte das zweijährige Kind in ein nahegelegenes Klinikum. 

Die Nerven lagen blank, nachdem am Samstagabend ein Kind in der Asylunterkunft in Breitbrunn aus dem Fenster gestürzt ist. First Responder und Notarzt wurden von den aufgebrachten Angehörigen attackiert.

Breitbrunn – Florian Kleber, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr in Breitbrunn, ist ein bedächtiger Mann. Und so spricht er am Sonntag auch ruhig und reflektiert über die Dinge, die sich am Samstagabend in der Asylunterkunft im ehemaligen Schwesternwohnheim in Breitbrunn ereignet haben.

Sicher ist, dass ein etwa zwei Jahre altes Kind aus einem der oberen Fenster stürzte und sich dabei schwer verletzte. Sicher ist auch, dass etliche Bewohner der Asylunterkunft nahezu gleichzeitig den Notruf wählten und damit dort erhebliche Verwirrung auslösten. „Kaum jemand sprach Deutsch oder Englisch, nur ein einziger der Anrufer vermochte zu sagen, was passiert ist und wo sich das verletzte Kind befindet“, so Florian Kleber weiter.

Als Klarheit herrschte, wurden sofort die First Responder der Feuerwehr Breitbrunn alarmiert. „Erfahrene Ehrenamtliche“ seien das, berichtet Kleber. Zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 24 und 26 Jahren waren im Einsatz, die Frau arbeite normalerweise als Rettungssanitäterin. Und doch: „Was unsere First Responder erlebten, geht zu weit.“ Kleber weiß, wie furchtbar es ist, wenn ein kleines Kind schwer verletzt ist. Ihm ist klar, dass die Angehörigen dann aufgeregt sind, dass es gar nicht schnell genug gehen kann.

„Aber unsere Leute wurde beschimpft, angefasst und gestoßen – das geht zu weit.“ Die First Responder seien kaum zum Kind durchgekommen. Es sei schwierig gewesen zu erklären, dass der Arzt unterwegs ist, das Kind in dieser Zeit besser nicht bewegt werden sollte. „Immer wieder wurde das Kind von den Anwesenden bewegt und berührt“, berichtet Kleber nach Rücksprache mit den Ersthelfern.

Als der Notarzt eintraf, wurde auch er beschimpft und bedrängt. „Er zog sich dann mit dem Kind in den Rettungswagen zurück, während die First Responder draußen die aufgebrachte Menschenmenge in Schach halten mussten, bis die Polizei vor Ort war“, so Kleber weiter. Die Beamten seien mit sechs oder sieben Wagen angerückt. Die Polizeiinspektion Herrsching machte auf Anfrage des Starnberger Merkur keine Angaben, will sich erst am Montag zu den Vorfällen äußern.

Auf alle Fälle habe der Notarzt sicherheitshalber angeordnet, dass das Kind mit dem Rettungshubschrauber in die Klinik gebracht werden soll, so der Breitbrunner Feuerwehrchef. Dadurch verlagerte sich das Geschehen ans Seeufer, und Ruhe kehrte ein.

„Unsere First Responder haben zwar körperlich keinen Schaden genommen, waren aber seelisch im Anschluss ziemlich mitgenommen“, sagt Florian Kleber, der natürlich sofort ebenfalls zum Einsatzort eilte.

Er will, dass das Geschehen ein Nachspiel hat. Aber kein juristisches. „Wir müssen mit dem Helferkreis sprechen. Die müssen mit den Bewohnern reden – das sind vor allem Schwarzafrikaner“, so Kleber. Die Helfer müssten den Flüchtlingen klarmachen, dass die Rettungskräfte ungehindert ihrer Arbeit nachgehen können müssen, ehrenamtlich im Einsatz sind, um anderen zu helfen, fordert er: „Wir sind die Guten.“

Der Helferkreis Breitbrunn war am Sonntag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen, Herrschings Bürgermeister Christian Schiller kündigte an, vermitteln zu wollen. Er kritisierte in diesem Zusammenhang, dass „wir als Gemeinde mittlerweile nicht mehr darüber informiert werden, wer in Breitbrunn untergebracht ist“.

Dem verunglückten Kind ging es am Sonntag nach Merkur-Informationen wieder besser.

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