Todeskampf über den Wolken

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Durch das Dach krachte der Selbstmörder in das Reiterstüberl. Zur Spurensicherung wurden die Möbel in der Ecke entfernt

Bergkirchen - Nach einem Kampf über den Wolken hat sich ein Lebensmüder aus einer Cessna gestürzt. Er stürzte im Landkreis Dachau in ein Reiterstüberl und war sofort tot.

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Es war wie in einem Action-Thriller – und doch blutiger Ernst: Ein lebensmüder Augburger (26) hat am Samstag versucht, bei einem Rundflug über München das Flugzeug mit Waffengewalt zum Absturz zu bringen. Der Pilot konnte den Angriff abwehren. Der drogenabhängige Angreifer stieg daraufhin in 500 Metern aus und stürzte in den Tod.

Für den im Münchner Süden wohnenden Berufspiloten Hans K. (42) ist der Samstag ein Tag wie viele andere. Der ehemalige Tornado-Pilot fliegt große Chartermaschinen ebenso wie die am Augsburger Flughafen stationierte, viersitzige Cessna 172, die der Munich Flight Academy (MFA) gehört. An diesem Tag soll er einen Fluggast transportieren, der eine Gutschein für einen Rundflug über München einlösen will: ein 26-jähriger Augsburger, der der Polizei wegen mehrerer Drogendelikte bekannt und in psychiatrischer Behandlung ist.

Doch davon ahnt der Pilot nichts, als er seinen Fluggast darauf aufmerksam macht, dass das Wetter nicht ideal ist für einen Rundflug. Es ist diesig, die Sicht ist schlecht. Doch das stört den Fluggast nicht. Auch als dieser nicht den aussichtsreichen Sitz neben dem Piloten einnimmt, sondern sich auf die Rückbank der viersitzigen Maschine setzt, denkt sich der Pilot noch nichts Schlechtes.

Der Flug geht vom Augsburger Airport die A 8 entlang nach München, weiter über der A 99 bis zur Allianz Arena, wo schon tausende Fußballfans auf das Spiel des FC Bayern gegen Hannover 96 warten. Nach einer Schleife über Fröttmaning geht es wieder zurück Richtung Augsburg. Über dem westlichen Stadtrand packt der Fluggast auf einmal ein Messer aus und geht damit dem Piloten von hinten an den Hals. Die Polizei erklärt später: „Der Angreifer wollte offensichtlich die Maschine zum Absturz bringen.“ Doch der Lebensmüde hat den Falschen erwischt: Als ehemaliger Kampfpilot weiß Hans K., wie man sich wehrt. „Außerdem werden Berufspiloten wie er regelmäßig darauf geschult, sich in solchen Situationen zur Wehr zu setzen und Abstürze über bewohntem Gebiet zu verhindern“, erklärt MFA-Chef Peter Burghard.

Trotzdem erleidet Hans K. Stich- und Schnitt wunden am Hals und Händen. Aber der Lebensmüde gibt auf, macht die Tür auf und springt gegen 14.15 Uhr einfach aus 500 Metern Höhe ohne Fallschirm in die Tiefe. Dort schlägt er bei Palsweis (Kreis Dachau) direkt neben der A 8 in einem Reiterstüberl auf und ist sofort tot (siehe unten).

Der Pilot berichtet per Funk dem Aufsburger Airport das schreckliche Geschehen und fordert einen Krankenwagen an. Er schafft es noch bis nach Augsburg zu fliegen und die Maschine sicher zu landen. Die Polizei entdeckt in der Wohnung des Toten einen Abschiedsbrief. Der Inhalt bleibt geheim.

Dem Piloten geht es den Umständen entsprechend gut. MFA-Chef Burghard zur tz: „Er ist zu Hause bei seiner Familie und braucht erst mal Ruhe.“

J. Welte, E. Unfried, D. Plange, W. De ponte

Plötzlich fiel er durchs Dach

Das Stüberl befindet sich direkt neben der Pferdekoppel.

Das Brummen der einmotorigen Cessna war trotz des Lärms von der nahen Autobahn A 8 unüberhörbar. „Die Maschine flog nur wenige hundert Meter hoch“, erinnert sich der 55-jährige Besitzer eines Pferdehofes in Palsweis (Gemeinde Bergkirchen, Lkr. Dachau). Zwei Reiterinnen, die gerade auf dem Feld unterwegs waren, schauten unwillkürlich zu dem Flugzeug: „Sie haben gesehen, wie jemand herausgefallen ist.“

Sekunden später erschrak Michael L., der Sohn des Hofbesitzers: „Ich habe einen Riesen-Knall gehört.“ Vom Dach des Reiterstüberls, einem kleinen Gebäude, rasselten Dachplatten-Trümmer. Und im Dach klaffte ein riesiges Loch! Er sperrte auf. Die Bretter der Deckenverkleidung hingen herunter. Auf der Eckbank neben dem Ofen ein entsetzlicher Anblick: „Ich habe ihn liegen sehen. Den hat es furchtbar zerrissen. Alles war voller Blut.“

Für ihn war klar, dass der Mann im weißen Jogging-Anzug, nur tut sein konnte. „Ich habe sofort die Polizei angerufen,“ so Michael L. „Die haben erst geglaubt, ich sei besoffen.“

„Wir hatten riesiges Glück, dass niemand im Stüberl war“, sagt der Hofbesitzer. Die Reiterinnen treffen sich dort täglich, trinken Kaffee und ratschen. Er will den Schaden schnell reparieren: „Ich hoffe, die Leute trauen sich wieder rein.“

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