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Bleiben Eisstadien wegen Energiekrise zu? „Eigentlich Wahnsinn, so früh Eis zu machen“

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Von: Christoph Peters

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Die Eisbereitung Im Stadion in Schongau startet relativ spät, nämlich erst Mitte September.
Die Eisbereitung Im Stadion in Schongau startet relativ spät, nämlich erst Mitte September. Schongau arbeitet mit Wärmetauscher © Hans-Helmut Herold

Beim Thema Energiesparen denken viele an die Eisstadien, die schon bald mit der Eisbereitung beginnen. Reagieren Vereine und Kommunen darauf oder wird alles gehandhabt wie immer?

Landkreis Weilheim-Schongau – Peißenbergs Altbürgermeisterin Manuela Vanni (Peißenberger Liste) forderte in der jüngsten Sitzung des Marktgemeinderats, dass „Aufrufe zum Energiesparen so rübergebracht werden, dass sie von der Bevölkerung auch wirklich ernst genommen werden“. Bezüglich einer wirksamen Informationskampagne sei auch die Gemeinde gefordert. Und Vanni kam auch auf das vom TSV Peißenberg betriebene Eisstadion zu sprechen: „Ich habe gehört, dass schon Mitte August runtergekühlt werden soll. Ob das in der jetzigen Zeit ein gutes Zeichen ist?“, fragte sich Vanni. Die Heimatzeitung hat bei TSV-Präsident Stefan Rießenberger nachgefragt. Demnach würde der momentane Zeitplan so aussehen, dass das Stadion ab 22. August langsam runtergekühlt wird. Zum 1. September wäre die Eisfläche dann fertig.

Wird der Saisonstart verlegt?

Die Termine, so Rießenberger, seien bereits vor drei Monaten fixiert worden – notgedrungen. Die stark nachgefragten Fachfirmen zur Abkühlung müssten nämlich frühzeitig gebucht werden. Rießenberger betont aber, dass sich der Zeitplan noch ändern könnte. Die Vereinsführung würde die Energiekrise jedenfalls nicht ignorieren: „Wir machen uns schon Gedanken. Es ist eigentlich der Wahnsinn, wenn man so früh Eis macht.“

Doch der TSV steckt in einem Dilemma: Von Seiten des Eishockey-Verbands wurden die ersten Nachwuchsspiele bereits für Mitte September angesetzt. „Wenn wir da nicht mitspielen, dann würde das heißen, dass wir nicht angetreten sind“, so Rießenberger. Gemeinsam mit Ex-TSV-Präsidentin Petra Maier, die über gute Kontakte in die Verbandsszene verfügt, versucht man, für eine Verlegung des Saisonstarts zu werben. So könnte sich Rießenberger einen Beginn der Punktspielrunden Ende Oktober vorstellen.

Auch in Peiting beginnt Mitte August die Eisbereitung im Stadion und damit zur gleichen Zeit wie in den Jahren zuvor. Eine Verschiebung nach hinten sei aus mehreren Gründen nicht möglich, teilt die Gemeinde auf Nachfrage mit. So sei die Halle zum einen ab dem 22. August an eine Fremdmannschaft vermietet. Zum anderen verweist man wie in Peißenberg auf den Start des Jugendspielbetriebs am 10. September. Ob dieser wegen der aktuellen Situation verschoben werde, müssten Verband und die beteiligten Vereine entscheiden.

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Peiting verweist auf energetische Sanierung des Eisstadions

Gleichzeitig versichert die Gemeinde, dass man das Thema Energiesparen im Angesicht der Gaskrise durchaus sehr ernst nehme. So würden im Eisstadion etwa Beleuchtungszeiten minimiert, die Raumtemperatur gesenkt, Duschzeiten verringert und alte Elektrogeräte vom Netz genommen. Dabei sei man auf die Mithilfe der Nutzer angewiesen, es liefen deshalb bereits Gespräche mit dem ECP, teilt die Verwaltung mit. Um die Sportler zu sensibilisieren, sollen in den nächsten Wochen auch entsprechende Hinweise in allen Sporteinrichtungen des Marktes aufgehängt werden.

Deutlich mehr Effekt dürfte langfristig freilich die energetische Sanierung des Eisstadions haben, die heuer angelaufen ist. Sie soll helfen, die Energiekosten, die sich im vergangenen Jahr auf rund 76.000 Euro beliefen, deutlich zu senken. Fünf Jahre sind für das Mega-Projekt angesetzt, die Kosten belaufen sich auf sechs Millionen Euro. Ein Drittel davon übernimmt der Bund im Rahmen eines Förderprogramms.

Mitte September, und damit relativ spät, beginnt die Eislaufabteilung Schongau mit der Eisbereitung. Anfang Oktober startet bereits die Punktrunde. Eine Verzögerung sei nur möglich, wenn Verband oder Politik die allgemeingültige Entscheidung treffen, dass die Saison später startet. Bei einem späteren Start der Eismaschine – auch wenn das wohl sinnvoll wäre – würde man nur dem eigenen Verein schaden.

In Schongau arbeitet man mit Wärmepumpe

Immerhin: Eine Gasheizung ist im Eisstadion bereits seit gut zehn Jahren nicht mehr in Betrieb. Stattdessen arbeitet man mit Wärmetauscher: Das Kältemittel Ammoniak wird durch die Rohre in der Eispiste gepumpt und entzieht dabei der Umgebung Wärme. Dabei wird das Ammoniak gasförmig, was im Maschinenraum wieder auf flüssigen Zustand gebracht werden muss, um im Kreislauf wieder eingesetzt werden zu können. Das erfolge hauptsächlich im Wassergekühlten Kompensator. Das Kühlwasser (Lechwasser) erwärmt sich dabei. Eine angeschlossene Wärmepumpe, entzieht dem Wasser die Energie für Heizung und Warmwasserbereitung. Dadurch wird die benötigte Energie für die Eisbereitung – Hauptsächlich Strom für die Kompressoren – mehrfach genutzt.

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