Unglück in Eitting

Junger Lkw-Fahrer will sich in Weiher abkühlen - und ertrinkt dabei

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Ein Groß aufgebot an Rettungskräften war am Sonntagabend in Eitting im Einsatz.  

Eitting - Tragischer Badeunfall in einem Eittinger Fischweiher: Am Sonntagabend ist dort ein 23-Jähriger ertrunken. 

Ein 23-jähriger Berufskraftfahrer aus Bosnien-Herzegowina war nach Erkenntnissen der Polizei am Sonntagabend gegen 18.30 Uhr mit Arbeitskollegen an einem Eittinger Fischweiher. Sie wollten sich angesichts der heißen Temperaturen im Wasser abkühlen. Zuvor hatten sie offenbar das nahe gelegene Rewe-Logistikzentrum beliefert und dort auch ihre Lkw abgestellt.

Nach Zeugenangaben ist der 23-Jährige in den Fischweiher gesprungen, untergegangen und nicht mehr aufgetaucht. Seine Kollegen konnten ihn im Wasser nicht mehr finden und verständigten umgehend den Rettungsdienst. Die Wasserwacht Erding wurde über Funk alarmiert und war mit ihren Rettungstauchern binnen weniger Minuten vor Ort.

Eine Viertelstunde später wurde der junge Mann leblos in vier bis fünf Meter Tiefe entdeckt, ans Ufer gebracht und den Rettungskräften übergeben. Sie begannen sofort mit Wiederbelebungsmaßnahmen. Ein ADAC-Hubschrauber brachte den 23-Jährigen unter laufender Reanimation ins Klinikum Großhadern. Dort verstarb er wenig später.

Die schlechte Sicht behinderte die Retter

Das Schwierigste bei einem Einsatz in Weihern ist die schlechte Sicht. In vier bis fünf Meter Tiefe müssen die Taucher, die mit einer Signalleine mit den Wasserwacht-Kollegen an Land verbunden sind, alles mit ihren Händen ertasten und sich regelrecht durch Schlamm wühlen, erklärt Siegi Ippisch von der Wasserwacht Erding.

Der 46-Jährige leistete am Sonntag gemeinsam mit Fritz Persch am Kronthaler Weiher Wachdienst. Es war Ippischs Geburtstag, aber er sprang gerne für einen verhinderten Kollegen ein. Als der Notruf einging, machten sich die beiden gemeinsam mit ihren Kameraden sofort auf den Weg nach Eitting. Noch auf der Hinfahrt zogen sie sich um, schlüpften in die Neoprenanzüge und bereiteten sich auf den Tauchgang vor.

Seit 28 Jahren ist Ippisch ausgebildeter Rettungstaucher. Er kennt die Situation an Weihern wie in Eitting. „Die ersten 1,50 Meter war die Sicht noch gut. Weiter unten nicht mehr. Dort war nur noch Schlamm. Da hast du gar nichts mehr gesehen.“

Die Taucher müssen alles ertasten. Das erschwert die Suche immens. Und man braucht auch Glück. Sie griffen nach Reifen, Eimern, Ästen und Baumstümpfen, ehe Ippisch den Verunglückten fand: „Richtig gesehen hab’ ich ihn erst, als ich 20 Zentimeter vor seinem Körper war.“ Er setzte ein Notsignal ab – so wissen die Helfer an Land, dass sie Taucher und Verunglückten herausziehen sollen.

Kripo ermittelt: Der junge Mann konnte gar nicht schwimmen

Dass der junge Mann verstorben ist, erfuhr Ippisch erst am Montag. Auch wenn er weiß, „dass man das nicht so nah an sich heranlassen darf“, ist er betroffen. Warum der Bosnier unterging, war zunächst unklar. 

Jetzt steht fest: Er konnte wohl nicht schwimmen, so die Erkenntnisse der Kripo Erding. Anhaltspunkte für ein Fremdverschulden ergaben sich nicht. Zur weiteren Klärung der Todesursache wurde eine Obduktion angeordnet.

Es war bereits der zweite tödliche Badeunfall in diesem Sommer im Landkreis Erding. Ende Mai ist ein 31-jähriger Asylbewerber aus Tansania im Kronthaler Weiher ertrunken. Die Retter wurden dabei bei ihrer Arbeit behindert und beleidigt, wie Merkur.de berichtete.

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