Die jüngste Hebamme Bayerns

Ella (6) half bei der Geburt ihrer kleinen Schwester

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„Sie hat einen Mutter-Instinkt“, sagt Vater Andreas über seine Tochter Ella (6). Sie war die einzige, die bei der Geburt ihrer Schwester Malia helfen konnte.

Als Miriam L. kurz vor der Geburt ihres Kindes steht, kann nur Tochter Ella helfen. Die Sechsjährige springt als Hebamme ein – und macht das Glück der Herrschinger Familie perfekt.

Herrsching – Das Schreien ihrer Mutter kann die sechsjährige Ella selbst im Schlaf nicht überhören. Ihre Mutter Miriam L. hatte sich gerade noch die Treppe hoch zu ihrer Tochter geschleppt. Es ist 4 Uhr in der Nacht – und höchste Zeit. Ihre Wehen fühlen sich wie damals an, wie bei der Geburt von Ella. Der Mutter ist klar: Es wird eine Herrschinger Hausgeburt.

Vater Andreas L. kann nicht helfen, er ist 523 Kilometer weit weg auf Geschäftsreise in Berlin. Ein verzweifelter Anruf reißt ihn aus dem Schlaf. „Meine Frau konnte aber kaum telefonieren, sie hat viel geschrien“, berichtet er. Utopisch, dass sie noch ins Krankenhaus fahren könnte. Andreas L. ruft Freunde in Herrsching an – jeder schläft. Er kann nur noch den Notarzt zu dem versteckt liegenden Haus am Ammersee lotsen. Um Miriam L. bei der Geburt zu helfen, braucht der Retter aber zu lange. Andreas L. bleibt nichts mehr, als den erstmöglichen Flug nach München zu buchen.

Ella handelt wie eine Hebamme

Als die Verzweiflung bei Miriam L. am größten ist, kommt Tochter Ella. „Das Baby kommt jetzt schon? Bleib ruhig, Mama“, sagt sie. Miriam L. muss ihr Kind im Stehen in der Dusche bekommen. Ella redet ruhig auf sie ein – so, wie es eine Hebamme auch tun würde. Alles geht gut. Es ist 5.08 Uhr, da erblickt Malia das Licht der Welt. Ella legt ihr 2620 Gramm leichtes Schwesterchen behutsam in ein Handtuch. Dann bringt sie ihre Mutter ins Erdgeschoss, sie soll sich auf dem Sofa ausruhen.

Zehn Minuten später trifft der Notarzt ein. Er bringt Miriam L., Ella und Malia ins Starnberger Krankenhaus. Die frisch gebackene Hebamme Ella sagt nur: „Ich finde eine Hausgeburt toll. Ich durfte im Krankenwagen sogar ganz vorne sitzen.“ Eine Nacht lang bleiben sie zur Beobachtung im Kreiskrankenhaus. In Herrsching wartet Vater Andreas L. Dann sind sie wieder vereint: Mutter Miriam L., Vater Andreas L., die Töchter Ella und Malia sowie ihr eineinhalbjähriger Bruder Marlon.

Malia kommt zwei Wochen zu früh

„Wie schön, dass Malia den Schnellstart ins Leben so gut gemeistert hat“, freut sich die Mutter. Dass es so kommt, war alles andere als selbstverständlich. Die Eltern hatten mit der Geburt eigentlich erst zwei Wochen später gerechnet, weshalb Andreas L. überhaupt erst zur Kurzreise aufbrach. „Ich dachte, für 30 Stunden wird es schon gehen.“ Eine Freundin, die für die Fahrt zum Krankenhaus bereit stand, war nicht erreichbar – sie hatte kein Netz. Währenddessen wurde die Situation in dem Herrschinger Haus immer brisanter. Die nächtlichen Wehen um 2 Uhr legten sich erst, kamen dann um 4 Uhr wieder. Zeit für Ella, als Hebamme einzuspringen. Zum Glück dauerte die Geburt nicht zwölf Stunden wie bei Marlon – sondern nur etwa eine Stunde.

Ellas Eltern sind einfach nur stolz auf Ella. „Sie ist nicht durchgedreht, sondern total cool geblieben“, sagt Andreas L., „ich hätte mir das als Kind nicht zugetraut.“ Auch der Frauenarzt staunte. „Er meinte, er hat schon viel erlebt – aber nicht, dass jemand alleine mit seiner sechsjährigen Tochter entbindet.“

Ellas Können kommt aber nicht von ungefähr. „Sie hat sich schon immer dafür interessiert.“ Längst weiß sie genau, wie eine Schwangerschaft abläuft. Bei der Geburt von Marlon durfte sie nicht dabei sein – ließ sich den Ablauf im Nachhinein aber erklären. Sie kümmert sich liebevoll um ihn. „Ella hat einen Mutter-Instinkt. Deshalb war sie so unerschrocken“, sagt Andreas L. Den Eltern war das Risiko einer Hausgeburt immer zu groß – mit Hebamme Ella kann aber nichts schief gehen.

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