Tränen-Abschied von Moritz und Hannes

Emmeringer Familiendrama: Lebt wohl, kleine Engel

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Kerzen vor dem Gartenzaun als Erinnerung an die zwei kleinen Buben, die von ihrer Mutter Freitag vor einer Woche erstickt wurden.

Ememring - Die Tragödie von Emmering - noch immer herrscht in der Gemeinde Fassungslosigkeit über die Tat der Mutter, die zuerst ihre beiden Buben und dann sich selbst umbrachte. Am Donnerstag war die Beerdigung.

Es ist nicht nur der Stahlbeton-der Pfarrkirche St. Bernhard in Fürstenfeldbruck, die mit ihrer Nüchternheit kaum Trost spenden kann für eine Doppelbeerdigung, die so einen grausamen Hintergrund hat. Am Donnerstag wurden die Brüder Moritz (4) und Hannes (6) aus Emmering beerdigt. Sie wurden von ihrer offenbar zutiefst verzweifelten Mutter Catrin F. erstickt, danach erhängte sich die 38-Jährige im Haus (tz berichtete).

Während der engste Kreis der Angehörigen in der Aussegnungshalle von den beiden Kleinen und ihrer Mutter, die hinter lila Traurervorhängen aufgebahrt sind, Abschied nehmen, füllt sich die Kirche mit der weiteren Verwandtschaft, Freunden und Schulkameraden. An die 350 Gäste sind in die Kirche gekommen. Selbst Dekan Albert Bauernfeind ringt in seiner Predigt um Worte. Am Hochaltar steht ein großes Bild mit Catrin F. und den beiden Buben, umrahmt von Blumen. Der Geistliche spricht über die „Finsternis, in der sich Catrin befand“, die am Abend des 17. August um sich griff. „Es gibt einen Ausweg aus dieser Dunkelheit, aber man muss aufeinander schauen“, mahnte der Geistliche.

Bei der Messe gibt es Schluchzen und Tränen. Dann werden die beiden kleinen, schlichten Särge der Buben, gefertigt aus hellem Holz, in der Aussegnungshalle abgeholt. Der Sarg der Mutter bleibt stehen, sie wird am Montag in ihrem Heimatort Aldingen in Baden-Württemberg beigesetzt. Der Kindergarten St. Benno hat ein bepflanztes, herzförmiges Blumengesteck gespendet: „Ihr bleibt immer in unserem Herzen“, steht auf den Spruchbändern. Andere Freunde haben einen Kranz gespendet: Für unser Engelchen.“

Als der Zug der Trauergemeinde am Grab abgekommen ist, kämpft Vater Karl F., der am Freitag Abend um 23.15 Uhr seine ganze Familie tot entdeckt hat, um Fassung. Rund um das Grab sind grüne Teppiche aufgerollt, auf denen weiße Rosengestecke aufgestellt und rosa Rosenblätter verstreut sind. Als die beiden Särge nacheinander in die Erde gelassen werden, winkt Karl F. mit einer kleinen Handbewegung nach, dann bricht der Schmerz aus ihm heraus. Er schluchzt, wird von Tränen geschüttelt und krümmt sich. So sehr quält ihn der Abschied von seinen Liebsten. Dann richtet er sich auf und greift in die Schale mit bunten Rosenblättern, die am Grab steht, und streut die Blüten ins Grab. Dabei wird er von den engsten Familienangehörigen auf seinem schwersten Weg gestützt.

Kaum einen aus der Trauergemeinde lässt das Geschehen kalt: Es sind zahllose Tränen, mit denen Abschied genommen wird von den beiden Buben, die so früh aus dem Leben gerissen wurden. Als sich der Friedhof nach der Beerdigung geleert hat, steht eine kleine Eisenbahn auf dem Grabstein - damit hatten die beiden kleinen Engel so gerne gespielt.

Beate Winterer

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