Familiendrama in Emmering

Psychiater erklärt: Wie eine Mama zur Mörderin wird

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Die 38-Jährige tötete offenbar zunächst ihre beiden Söhne und dann sich selbst.

München - Die Familientragödie in Emmering hinterlässt viele fragen: Was hat die Mutter zu der schrecklichen Tat getrieben? Ein Psychiater erklärt, was in einer Mutter vorgeht, die ihre eigenen Kinder tötet.

Prof. Dr. Matthias Dose.

Ganz Emmering trauert um zwei kleine Buben. Moritz (3) und Hannes (6), deren Leben von der eigenen Mutter ausgelöscht wurde. Am Freitag hatte Erzieherin Catrin F. (38) ihre Söhne offenbar mit einer Plastiktüte erstickt und sich anschließend im Flur erhängt (tz berichtete). Am Montag wurde Vater Karl F. vernommen, der die Leichen im Haus fand. Was genau die zweifache Mutter zu dieser Wahnsinnstat getrieben hat, ist noch unklar. Offenbar steckte das Paar in einer Ehekrise, hatte auch finanzielle Sorgen.

Was geht in einer Mutter vor, die ihre Kinder tötet? In der tz erklärt Prof. Dr. Matthias Dose, Direktor der Forensischen Psychiatrie am Isar-Amper-Klinikum in Taufkirchen, wie es zu solch einer Tat kommen kann.

In Emmering hat eine Mutter ihre Söhne ermordet. Häufiger hört man von Vätern, die ihre Kinder umbringen. Ist eine weibliche Täterin die Ausnahme?

Prof. Dr. Matthias Dose: Auch wenn es sehr selten auftritt, wir behandeln immer wieder Frauen, die ihre Kinder umgebracht haben oder es versucht haben. Allerdings gibt es keine verlässlichen Zahlen. Der Begriff Mord ist hier schwierig.

Warum?

Dose: Bei Frauen steckt häufig eine schwere Depression hinter solchen Taten. Dann kann eine Situation, etwa eine angekündigte Trennung, ausreichen, dass die Lage eskaliert: Die Mutter ist so verzweifelt, dass sie für sich nur noch den Tod als Ausweg sieht. Sie will aber ihre Kinder nicht hilflos zurücklassen - falsch verstandene Fürsorglichkeit. Man spricht daher von erweitertem Suizid oder Mitnahme-Suizid.

Was geht in einer Frau in dem Moment vor, wenn sie ihre Kinder umbringt?

Dose: In dem Moment kann sie keinen klaren Gedanken fassen, ihre Sichtweise ist völlig verengt, sie blendet alles aus. Es scheint, als wäre der Tod die einzige Lösung all ihrer Probleme.

Ist das bei Männern anders?

Dose: Bei Männern liegt häufig ein kriminelles Motiv zugrunde. Oft ist die Kindstötung ein Racheakt an der Frau, die ihn verlassen will. Bei Frauen dagegen ist eine solche Tat in der Regel Ausdruck einer schweren Depression. Sie sind oft auch nicht oder nur vermindert schuldfähig, weil ihnen im Moment der Tat die Schuld nicht bewusst war oder sie nicht danach handeln konnten.

Christina Schmelzer

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